
Enge Begleitung: Pfarrerin Angela Kessler-Weinrich, Leiterin der TelefonSeelsorge Bielefeld-OWL, im Gespräch mit den Ehrenamtlichen Charlotte und Josef.Foto: Jens Sommerkamp/Ev. Kirchenkreis Bielefeld
„Wenn ich ans Telefon gehe, mag ich den Anrufer“, erzählt Charlotte: „Allein dafür, dass er den Mut hatte anzurufen.“ Denn wer zum Telefon gegriffen hat, trägt meistens eine schwere Last mit sich herum – und hofft, dass das Team der TelefonSeelsorge helfen kann.
Rund um die Uhr stehen ehrenamtlich engagierte Menschen bereit, um den Anrufenden zur Seite zu stehen. „Um hier zu arbeiten muss man Menschen mögen, mit allen ihren Macken“, erzählt Josef. Schließlich geht es darum, da zu sein, egal was die Hilfe Suchenden belastet.
Die Kernaufgabe: Zuhören und Wertschätzung
„Wir lösen die Probleme nicht“, macht Josef klar, „aber wir hören zu, geben Wärme und Wertschätzung.“ Menschliche Nähe, die viele Anrufer vorher nie erfahren haben. Schon ein Telefongespräch, das haben Charlotte und Josef oft erlebt, kann eine ungeheure Wirkung haben.
Vielfalt der Anliegen
Welche Sorgen und Nöte plagen die Anrufenden? „Alles, was menschlich ist“, erzählt Charlotte. Beziehung, Familie, Job, Einsamkeit oder „ein Freundeskreis, der keiner ist.“ Manche belastet ein Trauerfall, andere eine Erkrankung oder Suizid-Gedanken. Fast alles ist möglich, wenn das Telefon klingelt.
Umgang mit emotionaler Belastung und Selbstreflexion
Charlotte und Josef sind erfahren, fühlen sich gut vorbereitet und begleitet. „Es wird viel dafür getan, dass wir nichts mit nach Hause nehmen“, so beschreibt es Josef. Er nimmt trotzdem manches mit, aber das belaste ihn nicht: „Schönes und Bereicherndes bewahre ich in meinem Herzen.“
Was für das Team auch wichtig ist: Sich selbst kennenlernen, wissen, wo die eigenen Triggerpunkte und Grenzen sind. „Das war für mich völlig neu und ich habe einiges über mich erfahren“, erinnert sich Charlotte.
Ausbildung und Vertraulichkeit
Beide engagieren sich ehrenamtlich, nachdem sie das zweijährige Ausbildungsprogramm der TelefonSeelsorge durchlaufen haben. Beide heißen in Wirklichkeit anders – Vertraulichkeit ist enorm wichtig.
Ehrenamt als Bereicherung: Ein Aufruf
Wenn man sie fragt, ob sie sich wieder für diese Aufgabe entscheiden würden, bekommt man eine klare Antwort: Auf jeden Fall. Beide empfinden die ehrenamtliche Arbeit als Bereicherung – und würden sich freuen, wenn neue Freiwillige dazukommen. Denn zu tun gibt es genug. Und Dankbarkeit, erzählen beide, erlebt man auch oft – manchmal am Ende eines Telefonats sogar ein Lachen.

