Spektakel am Abendhimmel: Partielle Sonnenfinsternis über Ostwestfalen

12. Aug. 2026 | Überregionales

Ein Mann mit Sonnenfinsternisbrille blickt auf eine partielle Sonnenfinsternis am Abendhimmel über Landschaft und Stadt

Ostwestfalen. Wer heute Abend, Mittwoch, 12.8.2026, einen freien Blick in Richtung Westen und Nordwesten hat, kann ein besonderes Himmelsschauspiel erleben: Der Mond schiebt sich vor die Sonne und verdeckt in Ostwestfalen einen sehr großen Teil der Sonnenscheibe. Eine totale Sonnenfinsternis wird es bei uns allerdings nicht geben – von OWL aus ist das Ereignis als partielle Sonnenfinsternis zu beobachten.

In OWL beginnt die Finsternis nach astronomischen Berechnungen gegen 19.16 Uhr. Anschließend wandert der Mond immer weiter vor die Sonnenscheibe. Der Höhepunkt wird gegen 20.10 Uhr erreicht. Gegen 20.55 Uhr verlässt der Mond die Sonnenscheibe wieder vollständig. Die sichtbare Finsternis dauert damit rund eine Stunde und 39 Minuten. Die Zeiten können innerhalb Ostwestfalens je nach Standort um wenige Minuten abweichen.

Besonders auffällig wird das Ereignis rund um den Höhepunkt. Für OWL wird eine sogenannte Finsternisgröße von etwa 0,89 berechnet. Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass der Mond fast neun Zehntel des Sonnendurchmessers überdeckt. In Nordrhein-Westfalen werden je nach Standort ungefähr 85 bis 90 Prozent der Sonnenfläche verdeckt.

Der Verlauf für Ostwestfalen

Als Orientierung für OWL und das zentrale Ostwestfalen gilt:

ca. 19.16 Uhr: Beginn der partiellen Sonnenfinsternis. Der Mond berührt scheinbar den Rand der Sonne.

ca. 19.45 Uhr: Die Bedeckung ist bereits deutlich sichtbar. Die Sonne bekommt zunehmend die Form einer Sichel.

ca. 20.10 Uhr: Maximum der Finsternis. Ein sehr großer Teil der Sonnenscheibe ist vom Mond verdeckt.

ca. 20.30 Uhr: Der Mond beginnt sichtbar, die Sonne wieder freizugeben.

ca. 20.55 Uhr: Ende der Finsternis in der Region.

Eine Besonderheit ist die Uhrzeit: Die Sonne steht während der Finsternis bereits sehr tief am westlichen bis nordwestlichen Himmel. Häuser, Bäume, Wälder oder Hügel können deshalb schnell die Sicht versperren. Ein erhöhter Standort mit möglichst freiem Horizont bietet die besten Chancen auf eine gute Beobachtung. Auch für andere Teile Deutschlands empfehlen Astronomen ausdrücklich einen freien Blick nach Nordwesten.

Was passiert bei einer Sonnenfinsternis?

Eine Sonnenfinsternis entsteht, wenn Sonne, Mond und Erde nahezu auf einer Linie stehen und der Mond zwischen Erde und Sonne hindurchzieht.

Dabei gibt es einen bemerkenswerten Zufall: Die Sonne ist ungefähr 400-mal größer als der Mond, gleichzeitig aber auch ungefähr 400-mal weiter von der Erde entfernt. Deshalb erscheinen uns Sonne und Mond am Himmel fast gleich groß.

Trifft der sogenannte Kernschatten des Mondes auf einen Beobachtungsort, wird die Sonne vollständig verdeckt – dort ist eine totale Sonnenfinsternis zu sehen. Befindet man sich dagegen im Halbschatten, verdeckt der Mond nur einen Teil der Sonnenscheibe. Genau das geschieht heute in Ostwestfalen. NASA beschreibt den kleinen Kernschatten als die Zone der Totalität, während der wesentlich größere Halbschatten die Gebiete mit partieller Finsternis umfasst.

Dass nicht bei jedem Neumond eine Sonnenfinsternis entsteht, liegt an der Umlaufbahn des Mondes. Sie ist gegenüber der Erdbahn um rund fünf Grad geneigt. Meist zieht der Mond deshalb von der Erde aus gesehen etwas oberhalb oder unterhalb der Sonne vorbei. Nur wenn Neumond und die entsprechenden Bahnebenen genau zusammenpassen, kommt es zu einer Finsternis.

Warum die Beobachtung für die Augen gefährlich sein kann

Die wichtigste Regel lautet: Niemals ohne geeigneten Schutz direkt in die Sonne schauen.

Das gilt auch dann, wenn 80 oder 90 Prozent der Sonne bereits vom Mond verdeckt sind. Der verbliebene Teil der Sonnenscheibe ist immer noch hell genug, um die Netzhaut des Auges schwer und möglicherweise dauerhaft zu schädigen.

Das Bundesamt für Strahlenschutz warnt, dass die Netzhaut beim direkten Blick in die Sonne innerhalb sehr kurzer Zeit irreparable Schäden erleiden kann.

Besonders tückisch: Die Netzhaut besitzt keine Schmerzrezeptoren, die unmittelbar vor einer Schädigung warnen würden. Der Blick kann deshalb zunächst harmlos erscheinen, obwohl bereits Schäden entstehen.

Normale Sonnenbrillen reichen nicht aus. Auch mehrere Sonnenbrillen übereinander, CDs, DVDs, geschwärztes Glas, Rettungsdecken oder selbst gebastelte Filter sind kein sicherer Schutz.

Verwendet werden sollten ausschließlich geeignete Sonnenfinsternisbrillen bzw. Sonnenbeobachtungsfilter. Für entsprechende Filter nennt die NASA den internationalen Standard ISO 12312-2.

Auch das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt dafür vorgesehene Schutzbrillen und weist darauf hin, dass diese unbeschädigt sein müssen.

Vorsicht auch bei Kameras, Ferngläsern und Teleskopen

Noch gefährlicher kann der Blick durch optische Geräte werden.

Ferngläser, Teleskope oder Kameraobjektive bündeln das Sonnenlicht. Eine Sonnenfinsternisbrille vor den Augen reicht deshalb bei solchen Geräten nicht aus.

NASA warnt ausdrücklich davor, mit einer Finsternisbrille durch ein Fernglas, Teleskop oder Kameraobjektiv in die Sonne zu schauen. Die konzentrierte Sonnenstrahlung kann Filter beschädigen und schwere Augenverletzungen verursachen. Ein geeigneter Sonnenfilter muss deshalb vor der Optik beziehungsweise vor dem Objektiv angebracht werden.

Für Fotografen gilt außerdem: Nicht nur das Auge, auch der Sensor einer Kamera kann durch konzentriertes Sonnenlicht beschädigt werden.

Wo wird die Sonne heute vollständig verdeckt?

Während wir in Ostwestfalen eine starke partielle Sonnenfinsternis erleben, zieht der Kernschatten des Mondes über andere Regionen der Erde.

Die Zone der totalen Sonnenfinsternis verläuft unter anderem über Teile Nordrusslands, Grönland, Island, den Nordatlantik sowie Spanien und einen kleinen Bereich Portugals.

Besonders spektakulär wird das Ereignis in Nordspanien und auf Island. Dort verschwindet die Sonne für kurze Zeit vollständig hinter dem Mond. Auf dem spanischen Festland erfolgt die Totalität bereits sehr spät am Abend kurz vor Sonnenuntergang. NASA zufolge dauert die totale Phase an den meisten Orten weniger als zwei Minuten; nahe der Mitte der Totalitätszone sind maximal etwas mehr als zwei Minuten möglich.

Die Totalitätszone selbst ist nur einige hundert Kilometer breit. Genau darin liegt der Grund, warum vollständige Sonnenfinsternisse an einem bestimmten Ort ausgesprochen selten sind.

Wie oft gibt es eine Sonnenfinsternis in Ostwestfalen?

Weltweit sind Sonnenfinsternisse gar nicht außergewöhnlich. Pro Jahr gibt es ungefähr zwei bis vier Sonnenfinsternisse irgendwo auf der Erde. Für einen einzelnen Beobachtungsort sieht die Sache allerdings ganz anders aus.

Partielle Sonnenfinsternisse sind in Deutschland im Abstand von einigen Jahren immer wieder zu beobachten. In den vergangenen Jahren waren beispielsweise am 20.3.2015, am 25.10.2022 und am 29.3.2025 partielle Sonnenfinsternisse sichtbar.

Die Abstände sind jedoch nicht regelmäßig. Manchmal liegen nur wenige Jahre zwischen zwei Ereignissen, anschließend kann eine längere Pause folgen.

Eine totale Sonnenfinsternis über genau demselben Ort ist dagegen extrem selten und kann statistisch mehrere Jahrhunderte auf sich warten lassen.

Die nächste Sonnenfinsternis kommt schon 2027

Lange müssen Himmelsfreunde diesmal nicht warten. Bereits am 2.8.2027 findet die nächste Sonnenfinsternis statt, die auch aus Deutschland sichtbar sein wird.

In Nordrhein-Westfalen beginnt sie ungefähr gegen 10.06 Uhr, erreicht gegen 11 Uhr ihr Maximum und endet gegen Mittag. Sie fällt allerdings deutlich schwächer aus als die heutige Finsternis.

Weltweit handelt es sich auch 2027 erneut um eine totale Sonnenfinsternis. Die Zone der Totalität verläuft dann weiter südlich – unter anderem über Südspanien und die Straße von Gibraltar. In Deutschland bleibt sie partiell.

Für OWL sind darüber hinaus weitere partielle Sonnenfinsternisse beispielsweise am 26.1.2028, 12.6.2029, 1.6.2030 und 20.3.2034 verzeichnet.

Eine totale Sonnenfinsternis über Deutschland ist nach heutigem Berechnungsstand erst wieder am 3.9.2081 zu erwarten – dann allerdings nur in einem Gebiet im äußersten Süden Deutschlands rund um den Bodensee.

Für OWL selbst weist die langfristige Berechnung die nächste totale Sonnenfinsternis sogar erst für den 25.5.2142 aus.

Ein zweites Himmelsspektakel in derselben Nacht

Wer nach der Sonnenfinsternis noch etwas länger draußen bleibt, hat heute Nacht sogar einen zweiten Grund, in den Himmel zu schauen.

Rund um den 12.8.2026 erreichen traditionell die Perseiden ihren Höhepunkt – einer der bekanntesten Sternschnuppenschwärme des Jahres. In diesem Jahr fällt der Höhepunkt praktisch mit der Sonnenfinsternis zusammen. Nach Einbruch der Dunkelheit können bei klarem Himmel zahlreiche Meteore sichtbar werden.

Astronomiefans bekommen damit innerhalb weniger Stunden zwei vollkommen unterschiedliche Himmelsereignisse geboten: zunächst eine stark verfinsterte Abendsonne und später Sternschnuppen.

Was Beobachter heute beachten sollten

Wer die Sonnenfinsternis in Ostwestfalen sehen möchte, sollte sich möglichst schon vor 19 Uhr einen geeigneten Platz suchen. Entscheidend ist weniger eine besonders große Höhe als vielmehr freie Sicht zum westlichen beziehungsweise nordwestlichen Horizont.

Eine geprüfte Sonnenfinsternisbrille sollte selbstverständlich dazugehören. Kinder sollten die Finsternis nur unter Aufsicht beobachten.

Für Fotografen empfiehlt sich ein geeignetes Sonnenfilter vor dem Objektiv. Besonders reizvoll können Aufnahmen sein, bei denen die schmale Sonnensichel gemeinsam mit Kirchtürmen, Bäumen oder der Landschaft am Horizont zu sehen ist.

Und noch etwas ist wichtig: Eine partielle Sonnenfinsternis führt nicht automatisch zu tiefster Dunkelheit. Selbst eine schmale verbleibende Sonnensichel liefert überraschend viel Licht. Wer das Ereignis nicht gezielt beobachtet, könnte deshalb sogar übersehen, wie stark die Sonne tatsächlich vom Mond verdeckt ist.

Gerade deshalb lohnt sich heute Abend der Blick nach oben – aber ausschließlich mit geeignetem Augenschutz.

Die wichtigsten Zeiten für OWL auf einen Blick: Beginn etwa 19.16 Uhr, Maximum etwa 20.10 Uhr, Ende etwa 20.55 Uhr. Beste Blickrichtung: Westen bis Nordwesten.

Häufig gestellte Fragen

Wann ist die partielle Sonnenfinsternis in Ostwestfalen zu sehen?

Die partielle Sonnenfinsternis findet am Mittwoch, 12. August 2026, statt. Sie beginnt in Ostwestfalen gegen 19.16 Uhr, erreicht ihren Höhepunkt gegen 20.10 Uhr und endet gegen 20.55 Uhr. Die beste Blickrichtung ist dabei Westen bis Nordwesten.

Warum ist Augenschutz bei der Beobachtung wichtig?

Es ist entscheidend, niemals ohne geeigneten Schutz direkt in die Sonne zu schauen, da der verbliebene Teil der Sonnenscheibe die Netzhaut des Auges schwer und dauerhaft schädigen kann. Normale Sonnenbrillen oder selbstgebastelte Filter reichen nicht aus. Es sollten ausschließlich geeignete Sonnenfinsternisbrillen oder Sonnenbeobachtungsfilter nach internationalem Standard ISO 12312-2 verwendet werden.

Was ist der Unterschied zwischen einer partiellen und totalen Sonnenfinsternis?

Eine partielle Sonnenfinsternis tritt auf, wenn der Mond nur einen Teil der Sonnenscheibe verdeckt, wie es in Ostwestfalen der Fall ist. Eine totale Sonnenfinsternis, bei der die Sonne vollständig verdeckt wird, entsteht, wenn der sogenannte Kernschatten des Mondes auf einen Beobachtungsort trifft.

Gibt es in derselben Nacht noch ein weiteres Himmelsspektakel?

Ja, in derselben Nacht, rund um den 12. August 2026, erreichen die Perseiden ihren Höhepunkt. Bei klarem Himmel können nach Einbruch der Dunkelheit zahlreiche Sternschnuppen sichtbar werden.

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