Gefäßchirurgie erweitert Behandlungsspektrum: Erstmals TEVAR am Klinikum Lippe

28. Aug. 2026 | Gesundheit

Sechs lächelnde Personen in grüner OP-Kleidung im Operationssaal vor einem Bildschirm mit schematischer Gefäßdarstellung

Minimalinvasives Verfahren ermöglicht schonende Behandlung von Erkrankungen der Brustschlagader

Die Klinik für Gefäßchirurgie am Klinikum Lippe hat erstmals eine wegweisende Prozedur erfolgreich durchgeführt: die sogenannte TEVAR, kurz für „Thoracic Endovascular Aortic Repair“. Dieses minimalinvasive Verfahren repräsentiert einen entscheidenden Fortschritt in der Behandlung von Erkrankungen der Hauptschlagader im Brustkorb. Anstatt die erkrankte Aorta in einer aufwendigen offenen Operation zu ersetzen, bringen die erfahrenen Gefäßchirurgen unter präziser Röntgenkontrolle über die Leistenschlagader eine spezielle Gefäßstütze, einen sogenannten Stent, bis in den betroffenen Abschnitt der Brustschlagader.

Mit der erfolgreichen Etablierung dieser Technik erweitert die Klinik für Gefäßchirurgie unter der kompetenten Leitung von Priv.-Doz. Dr. René Rusch ihr Spektrum an komplexen endovaskulären Eingriffen maßgeblich. „Die TEVAR ermöglicht uns, schwerwiegende Erkrankungen der Brustschlagader über einen vergleichsweise kleinen Zugang zu behandeln. Für geeignete Patientinnen und Patienten können wir damit einen großen offenen Eingriff am Brustkorb vermeiden“, erklärt der Chefarzt und betont weiter: „Dass wir dieses Verfahren jetzt auch am Klinikum Lippe anbieten können, ist ein wichtiger Schritt in der Weiterentwicklung unserer Gefäßchirurgie und ein großer Gewinn für die Versorgung in der Region.“

Die Bedeutung der Aorta und ihre Erkrankungen

Die Aorta stellt die größte Schlagader des menschlichen Körpers dar. Sie ist essentiell für den Transport des sauerstoffreichen Blutes vom Herzen, zunächst durch den Brustkorb und anschließend in den Bauchraum, zu allen Organen und Geweben. Erkrankungen dieses zentralen Gefäßes, wie beispielsweise eine starke Erweiterung (Aneurysma) oder ein Einriss der Gefäßwand, können lebensbedrohliche Ausmaße annehmen und erfordern eine rasche und effektive Behandlung.

Der präzise Ablauf einer TEVAR

Bei einer TEVAR wird zunächst über eine Schlagader in der Leiste ein spezieller Katheter behutsam in die Aorta eingeführt. Über diesen minimalen Zugang führen die Gefäßchirurgen eine zusammengefaltete, mit einem stabilen Metallgerüst versehene Gefäßprothese – den Stent – exakt zum erkrankten Abschnitt der Aorta. Dort angekommen, wird die Prothese schonend entfaltet. Sie legt sich von innen an die Gefäßwand an und schafft so einen neuen, stabilen und sicheren Weg für den Blutstrom. Der krankhaft veränderte Abschnitt der Aortenwand wird dadurch vom Blutstrom entlastet beziehungsweise zuverlässig abgedichtet, was das Risiko weiterer Komplikationen signifikant reduziert.

Eine höchste Präzision ist bei der Planung und Durchführung des Eingriffs unerlässlich. Die exakte Planung erfolgt detailliert anhand einer hochauflösenden Computertomographie (CT). Länge und Durchmesser der Prothese sowie die optimale Position müssen individuell an die einzigartige Anatomie jedes einzelnen Patienten angepasst werden. „Bei dieser Operationsmethode kommt es auf eine sehr präzise Planung an. Wir müssen vor dem Eingriff genau wissen, wo die Prothese verankert werden kann und welche Gefäßabgänge berücksichtigt werden müssen“, erläutert Priv.-Doz. Dr. Rusch. „Die Kombination aus moderner Bildgebung, innovativer endovaskulärer Technik und unserer langjährigen gefäßchirurgischen Expertise ist deshalb entscheidend für den Erfolg der Operation und die langfristige Genesung unserer Patienten.“

Breites Einsatzgebiet und individuelle Entscheidungen

Zu den wichtigsten Einsatzgebieten der TEVAR gehören Aneurysmen der absteigenden Brustschlagader. Bei einem Aneurysma erweitert sich die Aorta krankhaft, und mit zunehmendem Durchmesser steigt das Risiko eines lebensbedrohlichen Einrisses der Gefäßwand, der zu einer inneren Blutung führen kann. Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist die Aortendissektion vom Typ B. Hierbei entsteht ein Einriss in der inneren Schicht der Aortenwand, wodurch Blut zwischen die Wandschichten eindringen und einen zweiten Blutkanal bilden kann. Insbesondere bei komplizierten Verläufen, etwa bei drohendem Gefäßriss oder einer beeinträchtigten Blutversorgung von Organen, kann eine TEVAR lebensrettend sein.

Auch bei bestimmten Verletzungen der Brustschlagader, beispielsweise nach schweren Unfällen, sowie bei weiteren komplexen Erkrankungen der Aortenwand kann das Verfahren erfolgreich eingesetzt werden. Die Entscheidung, ob eine TEVAR infrage kommt, ist jedoch stets hochindividuell und hängt von der spezifischen Erkrankung, der detaillierten Anatomie der Aorta und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab.

„Nicht jede Erkrankung der Aorta lässt sich mit dieser schonenden Technik behandeln. Wir entscheiden deshalb für jeden Menschen individuell, welches Verfahren medizinisch die beste und sicherste Lösung ist“, betont Rusch. „Unser Anspruch ist nicht, möglichst viel minimalinvasiv zu operieren, sondern für jeden Menschen die passende Therapie auszuwählen, die den größten Nutzen und die höchste Sicherheit verspricht.“

Vorteile der TEVAR und Nachsorge

Bei geeigneten Erkrankungen der absteigenden Brustschlagader hat sich die TEVAR als etablierte Alternative zur offenen Operation durchgesetzt. Da der Brustkorb in der Regel nicht geöffnet und die erkrankte Aorta nicht offen ersetzt werden muss, ist der Eingriff für viele Patientinnen und Patienten deutlich weniger belastend und ermöglicht eine schnellere Genesung. Die Behandlung endet jedoch nicht mit dem Eingriff. Nach einer TEVAR sind regelmäßige bildgebende Kontrollen notwendig. Dabei wird unter anderem überprüft, ob der Stent weiterhin korrekt liegt und der erkrankte Gefäßabschnitt zuverlässig vom Blutstrom ausgeschlossen bleibt, um langfristige Sicherheit zu gewährleisten.

Für Priv.-Doz. Dr. René Rusch und sein engagiertes Team ist die erste TEVAR deshalb weit mehr als ein einzelner erfolgreicher Eingriff: „Wir entwickeln die Gefäßmedizin am Klinikum Lippe konsequent weiter. Unser Ziel ist es, den Menschen in Lippe moderne gefäßchirurgische Verfahren wohnortnah anzubieten und gleichzeitig die notwendige Sicherheit und höchste Qualität für komplexe Eingriffe zu gewährleisten. Dies ist ein Versprechen an unsere Patienten und die Region.“

Die Klinik für Gefäßchirurgie am Klinikum Lippe bietet das gesamte Spektrum arterieller und venöser Gefäßerkrankungen an. Ein zukunftsweisender Schritt ist der geplante Umzug der Klinik vom Standort Lemgo nach Detmold im Herbst 2026. Dort wird das Leistungsspektrum erheblich erweitert und gemeinsam mit der Universitätsklinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin, dem Universitätsinstitut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie sowie weiteren Fachabteilungen das Gefäßzentrum Lippe zu einem überregional bedeutenden Kompetenzzentrum ausgebaut.

Häufig gestellte Fragen

Was ist TEVAR und wie funktioniert es?

TEVAR (Thoracic Endovascular Aortic Repair) ist ein minimalinvasives Verfahren zur Behandlung von Erkrankungen der Hauptschlagader im Brustkorb. Dabei wird über die Leistenschlagader eine spezielle Gefäßstütze, ein Stent, in den betroffenen Abschnitt der Brustschlagader eingebracht und entfaltet, um einen stabilen Blutweg zu schaffen und den kranken Gefäßabschnitt zu entlasten.

Welche Vorteile bietet die TEVAR-Methode gegenüber einer offenen Operation?

Laut Chefarzt Priv.-Doz. Dr. René Rusch ermöglicht die TEVAR, schwerwiegende Erkrankungen der Brustschlagader über einen vergleichsweise kleinen Zugang zu behandeln. Für geeignete Patientinnen und Patienten ist der Eingriff deutlich weniger belastend und ermöglicht eine schnellere Genesung, da der Brustkorb in der Regel nicht geöffnet werden muss.

Für welche Erkrankungen der Brustschlagader wird TEVAR eingesetzt?

Die TEVAR wird hauptsächlich bei Aneurysmen der absteigenden Brustschlagader und bei Aortendissektionen vom Typ B eingesetzt. Auch bei bestimmten Verletzungen der Brustschlagader nach schweren Unfällen kann das Verfahren angewendet werden. Die Entscheidung wird jedoch stets individuell getroffen.

Wann wird das Gefäßzentrum Lippe voraussichtlich umziehen und was sind die Pläne?

Der Umzug der Klinik für Gefäßchirurgie vom Standort Lemgo nach Detmold ist für den Herbst 2026 geplant. Dort soll das Leistungsspektrum erheblich erweitert und das Gefäßzentrum Lippe gemeinsam mit anderen Fachabteilungen zu einem überregional bedeutenden Kompetenzzentrum ausgebaut werden.

Fünf lächelnde Personen, davon drei Ärzte in weißen Kitteln und zwei Frauen, vor der Wand des Klinikum Lippe
Die Patientin freute sich gemeinsam mit dem Team über den gelungenen Eingriff. (v.l.): Priv.-Doz. Dr. René Rusch (Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie), Alena Scharmacher (Fachärztin), PatientinIris Hagemeyer, Claudia Schmidt (Pflegefachkraft) und Priv.-Doz. Dr. Markus Flentje (Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie). Foto: Klinikum Lippe
Teilen:
Facebook
Whatsapp
Twitter
×

DasBlatt Newsletter

Bleiben Sie informiert!

Alle 2 Wochen lokale Neuigkeiten
Interessante Kleinanzeigen
50% Rabatt-Gutschein als Willkommensgeschenk
Jederzeit kündbar

Sie erhalten eine Bestätigungs-E-Mail. Ihre Daten werden vertraulich behandelt.
Datenschutzerklärung