
Die Armenische Brombeere rankt locker ganze Hauswände zu. Fotos: NABU Leopoldshöhe, Ewald Thies
NABU Leopoldshöhe – Naturinfo
Die Armenische Brombeere (Rubus armeniacus), aus ihrem namensgebenden Herkunftsland stammend, wurde bereits 1837 als Obstgehölz in Deutschland eingeführt. Ihre großen, süßen und aromatischen Früchte machten sie einst beliebt. Doch ihr hohes Ausbreitungspotenzial wird heute zur Gefahr für unsere heimische Flora und Fauna.
Eigenschaften und Vorkommen
Sie ist nahezu überall präsent: in Siedlungen, an Straßenrändern, Bahnlinien, auf verwahrlosten Grundstücken und sogar auf Friedhöfen. Gern wächst sie auch gewässerbegleitend. Auffällig ist ihr extrem wuchsstarker Charakter, der sie rasch in die Höhe und Fläche expandieren lässt. Triebe können an Gebäuden bis zu sechs Meter hoch klettern. Sichere Erkennungsmerkmale sind die silbrig-weißen Blattunterseiten sowie daumendicke, glatt-glänzende, unbehaarte Sprosse mit kräftigen, an der Basis rötlichen Stacheln. Die Blätter sind meist fünflappig, im Gegensatz zu den oft dreilappigen Blättern heimischer Brombeeren. Auch im Winter fällt sie auf, da ihre Blätter grün bleiben.
Eine Bedrohung für die Artenvielfalt
Die Armenische Brombeere dringt längst auch ins Umland vor, bildet kompakte Vorposten in Natur- und Landschaftsschutzgebieten. Sie breitet sich sowohl über von Vögeln verschleppte Samen als auch durch unterirdische Wurzeln aus. Ihre Ranken können bogenartig mehrere Meter überspringen und an den Triebspitzen neue Wurzeln bilden. Einmal etabliert, unterdrückt sie mit ihren langen, dornigen Zweigen andere Pflanzen und kann die Diversität von Flora und Fauna in einheimischen Habitaten negativ beeinflussen. Ganze Flächen werden undurchdringlich.
Herausforderungen und Handlungsbedarf
Leider wissen viele Gemeinden wenig über die von der Armenischen Brombeere ausgehende Gefahr. Werden sie informiert, verweisen sie oft auf fehlende Mittel oder die Zuständigkeit der Eigentümer. Untätigkeit führt langfristig zu weitaus höheren Kosten. Derzeit steht die Pflanze auf der „Grauen Liste“ der invasiven Arten; erst bei Einstufung auf die „Schwarze Liste“ wären Kommunen zum Handeln verpflichtet. Eine umfassende Aufklärung der Öffentlichkeit ist daher essenziell.
Geduld und Konsequenz sind gefragt
Um die Armenische Brombeere einzudämmen oder zu entfernen, ist Geduld unerlässlich. Die mehrjährige Pflanze bildet unterirdische Knospen, die nach Störungen immer wieder austreiben können. Konsequentes Vorgehen ist der Schlüssel: Ideal ist das Ausgraben vor Mai und noch einmal im Laufe des Sommers. Über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren können so Erfolge erzielt werden. Alternativ hilft ein stetiger Rückschnitt der Ruten, besonders vor der Blüte, um Frucht- und Samenbildung zu verhindern. Ein erster Schnitt sollte ebenfalls vor Mai erfolgen, gefolgt von zwei bis drei weiteren Schnitten im Sommer. Auch hier sind mehrere Jahre für eine Eindämmung nötig.
Korrekte Entsorgung ist wichtig
Die Entsorgung ist entscheidend: Pflanzenteile müssen unbedingt über den Biomüll oder eine Kompostierungsanlage entsorgt werden. Das Abladen in der Landschaft ist nicht nur illegal, sondern fördert die weitere Verbreitung. Auch bei Bauaushub ist Vorsicht geboten, um ungewollte Verbreitung zu verhindern.



