In der Freizeit ist ein schonender Umgang mit dem Gehör wichtig. Bei der Verwendung von Kopfhörern sollte die Lautstärke nicht zu stark aufgedreht werden. Foto: AOK/colourbox/hfr
Zum Welttag des Hörens am 3. März
Kreis Lippe / Bielefeld. Ein gutes Gehör ist essenziell für die soziale Teilhabe, doch die Zahlen der Betroffenen in der Region sind hoch. Anlässlich des Welttags des Hörens am 3.3.2026 veröffentlicht die AOK NordWest aktuelle Daten: Allein im Jahr 2024 wurden im Kreis Lippe 1.663 und in Bielefeld 1.485 AOK-Versicherte neu mit einer Hörhilfe versorgt. Insgesamt investierte die Krankenkasse in beiden Regionen zusammen fast 3,8 Millionen Euro in die Versorgung ihrer Versicherten. Matthias Wehmhöner, AOK-Serviceregionsleiter, nutzt den Anlass für einen Appell: „Wer beispielsweise ständig laute Musik über Kopfhörer hört, gefährdet damit seine Hörfähigkeit.“
Der schleichende Verlust der Stille
Dass das Gehör im Alter nachlässt, ist zwar biologisch nicht ungewöhnlich, aber dennoch belastend. Untersuchungen zeigen, dass etwa ein Drittel der über 65-Jährigen unter einer Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis) leidet. Dieser Prozess wird oft durch eine Kombination aus genetischer Veranlagung, Medikamenteneinfluss und vor allem lebenslanger Lärmbelastung ausgelöst. Dabei verschleißen die feinen Haarzellen im Innenohr, und auch der Hörnerv altert. „Die nachlassende Hörkraft im Alter fällt den Betroffenen zu Anfang häufig gar nicht auf, da die Veränderungen in der Regel langsam erfolgen“, erklärt Wehmhöner. Zuerst gehen die hohen Frequenzen verloren, später verstehen Betroffene in Gesprächen oft nur noch „Wortfetzen“ und neigen dazu, selbst lauter zu sprechen.
Soziale Isolation vermeiden
Die Folgen einer unbehandelten Schwerhörigkeit reichen weit über das reine „Nicht-Verstehen“ hinaus. Oft ziehen sich Senioren aus Scham aus ihrem sozialen Umfeld zurück. Studien legen zudem nahe, dass eine unversorgte Schwerhörigkeit langfristig die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann. Der erste Schritt sollte daher immer zum HNO-Arzt führen. Wird ein Hörgerät verordnet, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten bis zu einem Festbetrag. Moderne Geräte helfen nicht nur bei der Orientierung im Straßenverkehr, sondern sichern auch die Lebensqualität. Wichtig ist zudem ein offener Umgang: Wenn Familie und Freunde Bescheid wissen, können sie durch langsameres Sprechen und Blickkontakt die Kommunikation erleichtern.
Prävention beginnt im Alltag
Da das Ohr im Gegensatz zum Auge nie schläft und 24 Stunden am Tag auf Empfang ist, ist der Schutz vor Lärm die wichtigste Vorsorgemaßnahme. Eine Altersschwerhörigkeit lässt sich zwar nicht immer verhindern, aber hinauszögern. Wehmhöner rät dringend dazu, Lärmquellen zu meiden. Das gilt für den berufsbedingten Lärm, wo Gehörschutz Pflicht sein sollte, ebenso wie für die Freizeit. Die Lautstärke bei Kopfhörern sollte moderat gehalten werden, und bei lauten Konzerten oder Heimwerkerarbeiten helfen Ohrstöpsel, das empfindliche Organ zu schonen.