
Übersicht zu zwei Schulen in der Oerlinghauser Kernstadt. Foto: Grüne Oerlinghausen
Mitteilung der Grünen Oerlinghausen
Die Ausgangslage ist eindeutig: Die Gebäude von Heinz-Sielmann-Schule (HSS) und Niklas-Luhmann-Gymnasium (NLG) müssen in den kommenden Jahren umfassend erneuert oder saniert werden. Allgemeiner Konsens ist, dass beide Schulformen bestehen bleiben sollen und dass die HSS neu gebaut wird. Unklar ist derzeit noch, auf welcher Seite der Zeppelinstraße dieser Neubau entstehen wird.
Bildung, Stadtentwicklung, Finanzierung – ein komplexes Thema
Die bauliche (Neu-)Gestaltung der beiden Schulen HSS und NLG ist eine Entscheidung mit einer Festlegung für viele Jahrzehnte – für die Bildungslandschaft in Oerlinghausen, aber auch für die Gestaltung der Innenstadt und für die städtischen Finanzen.
Es ist zu begrüßen, dass es dazu eine erste öffentliche Info-Veranstaltung gab. Jedoch wurden zwei Aspekte nur unzureichend behandelt:
Die Finanzen: wir GRÜNE sind gerne bereit, für gute Bildung in Oerlinghausen sehr viel Geld in die Hand zu nehmen; es geht um zweistellige Millionenbeträge. Gleichzeitig müssen wir ehrlich bleiben: die Stadt Oerlinghausen befindet sich in der Haushaltssicherung; es droht ein sogenannter Not-Haushalt. Die Kommunalaufsicht sitzt bei allen gewichtigen Entscheidungen quasi mit am Tisch. Es ist daher nicht auszuschließen, dass auch die Finanzlage Auswirkungen auf die Standortwahl haben kann.
Neue Ideen: mehrere Eltern vermissten – zu Recht – ausreichende Informationen zu der Standort-Variante, wonach sich beide Schulen zukünftig auf einer Seite der Straße befinden könnten; vor allem eine bildliche Darstellung wurde vermisst. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das aussehen soll“, war zu hören. Inzwischen wurden dazu Informationen auf der städtischen Internetseite veröffentlicht (www.oerlilnghausen.de).
Die Oerlinghauser GRÜNEN möchten mit diesem Papier erste, noch unverbindliche (!) Ideen in die Diskussion einbringen – denn wir brauchen bei dieser gewichtigen Entscheidung eine ausführliche Diskussion, damit alle Belange berücksichtigt und abgewogen werden können.
Eine entscheidende Frage zum jetzigen Zeitpunkt lautet unserer Meinung nach: wollen wir lediglich Bestehendes erhalten, oder nutzen wir die Chance, Strukturen langfristig besser zu machen? Eine neue räumliche Anordnung, bei der beide Schulen eigenständig bleiben und näher zueinander liegen, bietet dafür möglichweise eine überzeugende Perspektive.
Zwei Schulen bleiben zwei Schulen!
Wichtig ist dabei: Es geht nicht um eine schulische Zusammenlegung. Das Niklas-Luhmann-Gymnasium und die Heinz-Sielmann-Schule bleiben zwei eigenständige Schulen – mit eigenen Gebäuden, eigener Organisation und klar getrennten Strukturen. Die räumliche Nähe schafft Möglichkeiten, ohne Eigenständigkeit aufzugeben. Räume können besser genutzt, Infrastruktur sinnvoll gebündelt und Abläufe effizienter organisiert werden.
Auch die Sorge, dass unterschiedliche Schulformen an einem Ort zu Spannungen führen könnten, nehmen wir ernst. Gerade Eltern fragen sich zu Recht, wie ihr Kind sich in der Schule fühlen wird, ob es dort gut aufgehoben ist und ob ein respektvoller Umgang im Alltag gelingt.
Zum kooperativen Miteinander der beiden Schulen
Deshalb ist entscheidend: ein „kooperativer“ Standort funktioniert nicht zufällig, sondern muss bewusst geplant und pädagogisch mitgedacht werden. Das Niklas-Luhmann-Gymnasium und die Heinz-Sielmann-Schule bleiben eigenständig organisiert – mit eigenen Bereichen, eigenen Abläufen und eigener Identität. Die Möglichkeit zur Begegnung entsteht dort, wo sie sinnvoll ist: in gemeinsam genutzten Bereichen und klar definierten Situationen, nicht dauerhaft und nicht erzwungen.
Gerade darin liegt eine Chance. Unterschiede zwischen Kindern und Jugendlichen verschwinden nicht dadurch, dass man sie räumlich voneinander trennt. Sie werden aber verständlicher, wenn Begegnung in einem gut gestalteten Rahmen möglich ist. Ein respektvolles Miteinander entsteht nicht durch Zufall, sondern durch klare Strukturen, gute Begleitung und gemeinsame Erfahrungen.
Auch im späteren Leben, im Beruf und im Alltag arbeiten Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen, Bildungswegen und Lebensrealitäten selbstverständlich zusammen. Schule kann dafür ein wichtiger Erfahrungsraum sein. Zwei eigenständige Schulen, die in bewusst gewählten Situationen kooperieren, schaffen die Möglichkeit, gegenseitiges Verständnis und ein gutes Miteinander zu stärken.
Synergien und Stadtentwicklung
Für eine Variante, bei der beide Schulen auf der Straßenseite des heutigen Gymnasiums organisiert werden, erwarten wir nennenswerte Synergieeffekte durch geringere Baukosten, dauerhaft niedrigere Betriebskosten (z.B. weniger Energieverbrauch) sowie eine Reduzierung der insgesamt benötigten Fläche.
Gleichzeitig wird an anderer Stelle mitten in der Stadt Raum frei. Dort, wo heute eine Schule steht, können neue Möglichkeiten entstehen: Wohnungen, Angebote für Familien, kleine Läden, Begegnungsorte und ein lebendigeres Miteinander im Alltag. Es geht also auch um die Weiterentwicklung eines bestehenden Ortes: unserer Stadt.
Im Zentrum der Überlegungen stehen gleichwohl schulische Belange. Für Familien zählt vor allem, ob ein Schulstandort im Alltag funktioniert. Die bestehenden Strukturen stoßen erkennbar an Grenzen: Räume fehlen, Fachräume sind ausgelastet, Abläufe sind nicht immer optimal organisiert. Ein neu geplanter Standort bietet die Chance, ausreichend Platz für Unterricht, moderne Fachräume und klare Strukturen zu schaffen – nicht als Übergangslösung, sondern mit Blick auf die nächsten Jahrzehnte.
Dabei soll selbstverständlich weiter genutzt werden, was bereits gut funktionier – wie z.B. die bestehende Mensa am Standort der Heinz-Sielmann-Schule. Sie ist modern, funktional und fest im Schulalltag verankert.
Das morgendliche Verkehrschaos und Parkplätze
Auch die Verkehrssituation muss von Anfang an mitgedacht werden. Viele Eltern erleben heute volle Straßen, unübersichtliche Bring- und Abholsituationen und Unsicherheit für Kinder. Ein neu geplanter Standort bietet die Möglichkeit, Wegeführungen, Bring- und Abholbereiche sowie Stellplätze so zu organisieren, dass der Alltag spürbar entlastet wird. Gleichzeitig müssen Busanbindung, sichere Radwege und gute Fußwege gestärkt werden, um den täglichen Verkehr insgesamt zu reduzieren.
Eltern und Schüler:innen brauchen Vertrauen – darum: Sorgfalt vor Schnelligkeit
Am Ende geht es um Vertrauen in den Schulstandort Oerlinghausen. Viele Familien entscheiden sich heute für Schulen außerhalb der Stadt, oft auch aufgrund eines gewachsenen Eindrucks. Eine sichtbare, durchdachte Weiterentwicklung kann neue Perspektiven schaffen und zeigen: Hier wird investiert, hier wird gestaltet, hier entsteht ein Schulstandort, der funktioniert.
Die anstehende Entscheidung wirkt über Jahrzehnte – auf die Bildungsmöglichkeiten vor Ort, auf die Innenstadtentwicklung und auf die Finanzen unserer Stadt. Wir investieren so oder so erhebliche Mittel. Die Frage ist nur, ob wir den Status quo sichern oder die Chance nutzen, Strukturen so weiterzuentwickeln, dass sie langfristig besser funktionieren.
Diese Entscheidung betrifft nicht nur Gebäude. Sie betrifft den Alltag von Familien, die Zukunft unserer Schulen und die Frage, wie Oerlinghausen sich als Stadt weiterentwickelt – und muss daher gut vorbereitet sowie in Ruhe und sorgfältig abgewogen werden.
Wie ist Ihre Meinung?
Schreiben Sie uns gerne Ihre Meinung zu dieser für die Entwicklung unserer Stadt so bedeutsamen Entscheidung (E-Mail: [email protected]).

