
Neben den vielen interessierten Gästen begrüßte der Vereinsvorsitzende Helmut Depping auch zahlreiche Vertreter aus Politik, Verwaltung und Verbänden. Fotos: Martin Düsterberg
Jubiläumswochenende mit Festakt und Einweihung der neuen Wagenremise – Kerstin Vieregge lobt „wahre innere Größe“
Leopoldshöhe. Fünfzig Jahre Heimatverein Leopoldshöhe – dieses besondere Jubiläum stand nicht nur für einen runden Geburtstag, sondern für ein halbes Jahrhundert gelebter Gemeinschaft. Mit einem facettenreichen Jubiläumswochenende am 29. und 30.8.2026 auf dem Heimathof feierte der Verein sein 50-jähriges Bestehen und weihte gleichzeitig die lang ersehnte neue Wagenremise ein. Historisches Handwerk, lebendige Musik, faszinierende alte Landtechnik und zahlreiche Mitmachangebote machten das Fest zu einem unvergesslichen Erlebnis für die ganze Familie und zogen Besucherinnen und Besucher aus der gesamten Region an.
Trotz Wind und Wetter: Ein fulminanter Auftakt
Der Auftakt des Jubiläumswochenendes am Samstag war zwar von feuchtem und windigem Himmel geprägt, doch die Feierlichkeiten ließen sich davon nicht trüben. Besonders eindrucksvoll war das Hufeisenschmieden: Unter einem großen Sternenzelt präsentierten Huflehrschmied Ulrich Gerusel und sein fünfköpfiges Team mit Ambossen, Feueressen, Funkenflug und kraftvollen Hammerschlägen, wie aus glühendem Eisen ein kunstvolles Hufeisen entsteht. Dieses Handwerk faszinierte Jung und Alt gleichermaßen. Auch die anschließend geplante Musikveranstaltung mit den „Harmony Sisters“, Lina und Julie Holwitt, fand trotz der widrigen Witterungsbedingungen statt. Die Bühne vor dem Heimatmuseum wurde zur Plattform für ihre Talente, und die beiden Künstlerinnen begeisterten das Publikum mit einem Repertoire aus Jazz, Soul und Pop. Ihre Spielfreude war trotz Regen und Wind ungebrochen und schuf eine herzliche Atmosphäre.
Festakt im Mittelpunkt des Jubiläums
Der Sonntag stand ganz im Zeichen des großen Festaktes, zu dem zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Verwaltung, Heimatpflege, Vereinen und Institutionen der Einladung des Heimatvereins gefolgt waren. In seiner Begrüßungsrede erinnerte der Vorsitzende Helmut Depping an die Anfänge des Vereins im Jahr 1976 und schlug den Bogen von der Gründung bis zum heutigen Jubiläum und der Fertigstellung der neuen Wagenremise.
Depping betonte, dass „50 Jahre – das klingt zunächst einmal nach einer Zahl“. Doch hinter dieser Zahl stünden vor allem Menschen, die Verantwortung übernommen, ihre Freizeit eingebracht und gemeinsam etwas geschaffen hätten. Gefeiert werde deshalb nicht einfach ein Geburtstag, sondern „50 Jahre gelebte Gemeinschaft“, eine Gemeinschaft, die über Jahrzehnte hinweg gewachsen und gereift sei.
Eine Geschichte aus Gemeinschaft und Zusammenhalt
Die Geschichte des Heimatvereins Leopoldshöhe ist untrennbar mit der Entstehung der Großgemeinde Leopoldshöhe verbunden. Nach der Gebietsreform, die acht frühere Altgemeinden zusammenführte, entstand der Wunsch, eine Brücke zwischen den Menschen der neuen Gemeinde zu bauen. So wurde die Idee zur Gründung eines unabhängigen, überparteilichen und überkonfessionellen Heimatvereins geboren.
Am 10.2.1976 war es schließlich soweit: Der Heimatverein Leopoldshöhe wurde gegründet, mit 55 engagierten Menschen als Gründungsmitgliedern. Bereits am Ende des ersten Jahres zählte der Verein mehr als 100 Mitglieder, ein klares Zeichen für den großen Bedarf und die Akzeptanz in der Bevölkerung. In den folgenden fünf Jahrzehnten entwickelte sich der Heimatverein zu einem unverzichtbaren Bestandteil des kulturellen Lebens der Gemeinde, geprägt durch Wandergruppen, Musik, plattdeutsches Theater, Tanz, gemeinsames Backen und zahlreiche weitere Aktivitäten.
Eine besondere Bedeutung für den Verein und die gesamte Gemeinde hat dabei der Heimathof. Das ehemalige Anwesen Eickmeyer wurde durch umfangreiche Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten zu einem zentralen Ort der Begegnung und des kulturellen Austauschs. Die Heimatfreunde packten dabei beherzt an und investierten über viele Jahre hinweg ehrenamtlich Tausende von Arbeitsstunden. Heute beherbergt der Heimathof nicht nur das Heimatmuseum, sondern ist auch ein beliebter Veranstaltungsort und Treffpunkt für Jung und Alt.
Besonders hob Helmut Depping die ehrenamtliche Arbeit der Dienstagsgruppe hervor. Seit über 30 Jahren treffen sich rund 20 Ruheständlerinnen und Ruheständler an etwa 46 Dienstagen im Jahr, um den historischen Hof zu reparieren, zu bauen, zu streichen, zu mähen und zu pflegen. Seit diesem Jahr ergänzt eine Samstagsgruppe dieses Engagement und ermöglicht es auch Menschen, die noch im Berufsleben stehen, sich aktiv einzubringen und mitzugestalten.
Neue Wagenremise als Zeichen für die Zukunft
Ein weiterer Höhepunkt des Jubiläums war die feierliche Einweihung der neuen Wagenremise. Dieses beeindruckende Gebäude bietet künftig Platz für historische landwirtschaftliche Maschinen und Geräte, die bisher nur eingeschränkt der Öffentlichkeit präsentiert werden konnten. Die Remise fügt sich mit ihrer traditionellen Gestaltung harmonisch in das historische Ensemble des Heimathofes ein und orientiert sich an der regionalen Bauweise landwirtschaftlicher Gebäude.
Viele Arbeiten an der Remise wurden von den Vereinsmitgliedern in Eigenleistung erbracht, unterstützt durch Fachbetriebe, die ihr handwerkliches Können zur Verfügung stellten. Eine besonders wichtige Unterstützung kam von der NRW-Stiftung, die das Vorhaben mit großzügigen 20.000,00 € förderte. Auch Hans Feuß, Botschafter der NRW-Stiftung, war beim Jubiläumswochenende anwesend, um sich ein Bild vom Erfolg des Projekts zu machen.
„Die Wagenremise zeigt, dass wir als Heimatverein nicht nur zurückblicken“, betonte Depping stolz. „Wir bewahren Geschichte, indem wir ihr eine Zukunft geben.“ Er dankte den beteiligten Unternehmen und den übergeordneten Behörden sowie der NRW-Stiftung für ihre Unterstützung. Bedauerlicherweise, so Depping, habe man jedoch keine Unterstützung von der eigenen Heimatgemeinde erfahren, im Gegenteil, man habe das Projekt sogar ausbremsen wollen, was einen bitteren Beigeschmack hinterließ.
Lob und Anerkennung von allen Seiten
Die große Anerkennung für die unermüdliche Arbeit des Heimatvereins wurde auch in den zahlreichen Grußworten deutlich. Die lippische Bundestagsabgeordnete Kerstin Vieregge (CDU) zitierte treffend Herbert Grönemeyer mit den Worten: „Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl.“ Sie hob hervor, dass das Engagement in Vereinen einen wichtigen Beitrag zur demokratischen Resilienz der Gesellschaft leiste. Wer im Verein lerne, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, schaffe damit ein Fundament für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Den Heimatverein Leopoldshöhe bezeichnete Vieregge als „ein unübersehbares Zentrum des kulturellen Lebens in Leopoldshöhe“. Die neue Wagenremise sei ein Zeichen echter Tatkraft. Besonders würdigte sie, dass der Verein die Erlöse des Jubiläumsfestes dem Verein „Cup der guten Hoffnung“ zur Verfügung stellt, was „wahre innere Größe“ zeige.
Auch der stellvertretende Bürgermeister Klaus Fiedler würdigte die Bedeutung des Jubiläums und betonte, der Heimatverein stehe für „Bewahrung, Begegnung und gelebte Gemeinschaft“ und sei ein lebendiger Mittelpunkt des Gemeindelebens.
Stefan Wiesekopsieker, stellvertretender Vorsitzender des Lippischen Heimatbundes, bezeichnete den Verein als „wichtigen Motor kultureller Veranstaltungen“. Der stellvertretende lippische Landrat Kurt Kalkreuter verwies auf die Bedeutung des Vereinslebens für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und zitierte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit den Worten: „Das Vereinsleben ist der Kit unserer Gemeinschaft.“
Fünf neue Ehrenmitglieder für außerordentliches Engagement
Ein bewegender Festakt des Heimatvereins Leopoldshöhe würdigte fünf herausragende Persönlichkeiten. Die Ehrenmitgliedschaft erhielten August Steinhage, Kurt Abel, Gerlinde Huxhage sowie die Gründungsmitglieder Herrn Koch und Herrn Vahle für ihre jahrzehntelange Treue und ihren unermüdlichen Einsatz.
August Steinhage: Verbundenheit und Einsatz – Vorsitzender Helmut Depping ehrte August Steinhage für seine langjährige Verbundenheit und sein Engagement. Da Steinhage nach einem Unfall fehlte, wurde die Urkunde seiner Frau Rosi überreicht, verbunden mit Genesungswünschen. Seine Ehrung unterstreicht die Bedeutung ehrenamtlicher Arbeit.
Kurt Abel: Handwerkliches Können – Der 90-jährige Kurt Abel, seit 1978 dabei, hinterließ mit seinem handwerklichen Können als Tischler bleibende Spuren. Er restaurierte den Heimathof und arbeitete im hohen Alter noch an der Wagenremise. Depping lobte seine jahrzehntelange Treue und scherzte: „Der ‚Erwin des Monats‘ hat Dich nicht bekommen – aber unser Heimatverein macht Dich heute zum Ehrenmitglied!“
Gerlinde Huxhage: Herzlichkeit im Verein – Gerlinde Huxhage, seit 1977 aktiv, bereicherte das Vereinsleben besonders in der Plattdeutschen und Theatergruppe mit ihrer herzlichen Art. Ihre Begeisterung für die Gemeinschaft zeichnet sie aus. Der Verein dankt ihr mit der Ehrenmitgliedschaft für jahrzehntelange Treue und Verbundenheit.
Gründungsmitglieder: 50 Jahre Treue – Die Gründungsmitglieder Herr Koch und Herr Vahle wurden für 50 Jahre Treue ausgezeichnet. Herr Koch begleitete den Verein von Anfang an. Bei Herrn Vahle wurde humorvoll der Vereinsbeitritt auf einem Bierdeckel erwähnt, der sich als „nachhaltig“ erwies. Beide erhielten die Ehrenmitgliedschaft als Zeichen des Dankes und der Wertschätzung.
Häufig gestellte Fragen
Was wurde beim Jubiläumswochenende des Heimatvereins Leopoldshöhe gefeiert und eingeweiht?
Der Heimatverein Leopoldshöhe feierte am 29. und 30. August 2026 sein 50-jähriges Bestehen auf dem Heimathof in Leopoldshöhe und weihte dabei die lang ersehnte neue Wagenremise ein.
Wann fanden die Jubiläumsfeierlichkeiten statt?
Die Feierlichkeiten fanden am 29. und 30. August 2026 statt.
Wer wurde beim Festakt besonders geehrt?
August Steinhage wurde für seinen langjährigen persönlichen Einsatz und seine Beiträge zur Stärkung der Gemeinschaft mit der Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet. Die Urkunde wurde stellvertretend seiner Frau Rosi überreicht.
Welche Kritik äußerte der Vereinsvorsitzende Helmut Depping bezüglich der Unterstützung durch die Gemeinde?
Helmut Depping bedauerte, dass der Verein keine Unterstützung von der eigenen Heimatgemeinde erfahren habe und das Projekt sogar aus deren Sicht gebremst werden sollte.

