Bei der Pflege von Demenzerkrankten gilt: Einfühlen statt korrigieren

8. Sep. 2026 | Gesundheit

Besorgte ältere Frau legt einem Mann, der seinen Kopf hält, einfühlsam die Hand auf die Schulter

Gemeinsam das Leben mit Demenzerkrankten gestalten

Anlässlich des Welt-Alzheimertags am 21. September 2026 in Deutschland wird der Umgang mit Demenzerkrankten in den Fokus gerückt. AOK-Serviceregionsleiter Matthias Wehmhöner betont, dass bei der Pflege von Menschen mit Demenz das Prinzip „Einfühlen statt korrigieren“ entscheidend ist, da Emotionen wie Freude, Angst und Schmerz bei Betroffenen erhalten bleiben. Im Kreis Lippe leben laut WIdO rund 6.300 und in Bielefeld 4.900 Menschen mit Demenz.

Umgang mit „herausforderndem Verhalten“

Demenz verändert das Leben drastisch. Die Betreuung erfordert Kraft und Geduld. Wenn Erkrankte aggressiv, laut oder handgreiflich werden – als „herausforderndes Verhalten“ bekannt – stößt die Pflege an Grenzen. Verständnis und Einfühlungsvermögen sind hier entscheidend, so Wehmhöner, da dieses Verhalten ein Symptom der Erkrankung ist, nicht persönlich gemeint.

Solches Verhalten ist oft ein Kommunikationsversuch. Dahinter können Ängste, Überforderung, Missverständnisse oder unbewältigte Lebensthemen stecken. Störende Umgebungen oder Routineänderungen können als bedrohlich empfunden werden. Auch krankheitsbedingter Frust spielt eine Rolle.

Einfühlen statt korrigieren: Der Weg zu Vertrauen

Nicht-medikamentöse Maßnahmen – wie Aktivitäten im Freien, Berührungs- oder Musiktherapie – sind oft wirksamer als Medikamente. Ein Schlüssel ist die Validation, eine Grundhaltung aus Empathie, Bestätigung und Wertschätzung, die versucht, in die Gefühlswelt der Betroffenen einzutauchen, erklärt Wehmhöner.

Pflegepersonen sollten aktiv auf Ängste eingehen, anstatt zu korrigieren. Nachfragen, warum eine fehlende Brille so wichtig oder eine Änderung bedrohlich ist, schafft identitätsstiftende Gespräche und lindert Stress. Die Vorstellungswelt der Erkrankten sollte nicht als unrealistisch abgetan werden. Wehmhöner fasst zusammen: „Es ist entspannter, sich einzufühlen, als zu korrigieren oder das Verhalten zu unterbinden.“

Unterstützung durch die AOK NordWest

Die AOK NordWest bietet pflegenden Angehörigen spezielle Online-Pflegekurse. Unter www.aok.de/nw/onlinepflegekurs gibt es den Chat-Kurs „Dement oder nur vergesslich“. Das Online-Selbsthilfeprogramm „Familiencoach Pflege“ stärkt zudem die Psyche und schützt vor Überlastung.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Kernaussage im Umgang mit Demenzerkrankten laut AOK NordWest?

Laut AOK-Serviceregionsleiter Matthias Wehmhöner ist bei der Pflege von Menschen mit Demenz das Prinzip „Einfühlen statt korrigieren“ entscheidend. Emotionen wie Freude, Angst und Schmerz bleiben bei Betroffenen erhalten, weshalb Empathie und Wertschätzung wichtig sind.

Wie viele Menschen sind im Kreis Lippe und Bielefeld von Demenz betroffen?

Nach Angaben des WIdO leben im Kreis Lippe rund 6.300 und in Bielefeld 4.900 Menschen mit Demenz.

Was sind Beispiele für „herausforderndes Verhalten“ bei Demenz?

„Herausforderndes Verhalten“ bei Demenzerkrankten kann sich äußern, indem sie aggressiv, laut oder handgreiflich werden. Dieses Verhalten wird als Symptom der Erkrankung und nicht als persönlicher Angriff betrachtet und ist oft ein Kommunikationsversuch, der auf Ängste, Überforderung oder unbewältigte Lebensthemen hinweist.

Welche Unterstützung bietet die AOK NordWest für pflegende Angehörige an?

Die AOK NordWest unterstützt pflegende Angehörige mit speziellen Online-Pflegekursen, darunter der Chat-Kurs „Dement oder nur vergesslich“ und das Online-Selbsthilfeprogramm „Familiencoach Pflege“ zur Stärkung der Psyche und zum Schutz vor Überlastung.

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