
(v.l.) Der Leiter der Polizei Lippe , Polizeidirektor Alexander Fenske, Minister Hebert Reul, Landrat Meinolf Haase und MdL Klaus Hansen. Fotos: Reiner Toppmöller
Die Polizei hautnah erleben
Respektloser Umgang mit Einsatzkräften
Salzuflen (rto). Viele ältere Menschen werden sich noch an den Spruch ”Die Polizei dein Freund und Helfer” erinnern. Das waren noch Zeiten, in denen man der Polizei mit Respekt entgegentrat. Das ist lange vorbei. Heute werden nicht nur Polizisten, sondern auch alle anderen Einsatzkräfte wie Feuerwehr und Rettungskräfte im Dienst angegriffen und verhöhnt. Respekt gibt es nicht mehr. Vielmehr liest man oft die Schmierereien ”all Cops are bastards (ACAB)”.
„Coffee with a Cop“: Vertrauen schaffen
Mit der Aktion „Coffee with a Cop“ will das Innenministerium, den Bürgern die Möglichkeit geben, bei kostenlosem Kaffee, Tee oder Kakao entspannt mit Polizisten ins Gespräch zu kommen und Einblicke in deren Arbeit zu erhalten. „Der Termin in der Badestadt ist einer von zehn, die das Innenministerium in NRW in diesem Jahr durchführt. Die Aktion ist Teil der Kampagne „NRW zeigt Respekt!“ des NRW Innenministeriums. Sie fördert den unkomplizierten Kontakt und setzt ein starkes Zeichen für den Respekt gegenüber Einsatzkräften“, sagt Nina Ehm, Pressesprecherin der Polizei Lippe. Eine solche Veranstaltung soll Hemmschwellen abbauen und zeigen, dass hinter den Uniformen auch Menschen stehen. Neben Einsatzkräften aus ganz Lippe waren auch die gesamte Führungsspitze der Polizei Lippe einschließlich des Landrates Meinolf Haase und Bürgermeister Dirk Tolkemitt auf den Salzhof gekommen, um dem besonderen Gast, Innenminister Herbert Reul, zu begrüßen.
Reuls Credo: Vertrauen zurückgewinnen
Der traf pünktlich wie angekündigt gegen 12.30 Uhr auf dem Salzhof ein. Unkompliziert und bürgernah, so wie man ihn kennt und es erwartet, strebt er auf die mehr als hundert interessierten Bürger zu und schüttelt Hände, bevor er sich einen ersten Kaffee bestellt.
Wie schon zu seiner Buchpräsentation im Januar in Oerlinghausen spricht er sein Herzensanliegen, Menschen zurückzuholen, die das Vertrauen in die Politik und den Staat verloren hätten, an. „Ich hoffe Leute zu erreichen, die ich sonst nicht erreiche. Ich habe keine Lust, die Menschen irgendwelchen Idioten zu überlassen“, sagt er.
Dafür müsse man Probleme offen ansprechen und sich um sie kümmern. Es brauche Zeit, Geduld und Ausdauer oder wie er immer wieder betonte: „Kleine Schritte statt große Sprüche“. Es gehe ihm darum zu zeigen, dass es möglich ist, das Vertrauen der Bürger in den Staat und in die Polizei zurückzugewinnen, so Reul. „Ich will ein gutes Vorbild sein. Denn ich will meinen Enkeln eine ordentliche Welt hinterlassen“, sagt er auf die Anmerkung des Reporters, er sei aber ein großer Optimist. Sein Auftreten und die Gespräche mit den Menschen vor Ort seien dazu da das Gefühl zu bekommen, was eigentlich los ist.
Breiter Respekt gefordert und positiv aufgenommen
Mehr Aufmerksamkeit und Respekt für Polizisten und Rettungskräfte ebenso wie für Busfahrer, Lehrer, oder andere Berufsgruppen, denen häufig Anerkennung fehle und mehr Achtung im Allgemeinen seien wichtig, so Reul. Dass dies gut bei älteren Menschen ankommt, war auch, wie schon im Januar in Oerlinghausen, festzustellen. Sie machten den Hauptteil der Besucher am Mittag auf dem Salzhof aus. Eine Frau hatte sogar sein Buch mitgebracht und holte sich ein Autogramm für ihren Mann, der im Krankenhaus läge, aber ein großer Fan des Innenministers sei, wie sie sagte.
Kritik an Meinungsmache und Ruf nach mehr Technik
Reul sagte den anwesenden Journalisten auch, für wie wichtig er den professionellen Journalismus hält. „Das Internet hat nichts mit gutem Journalismus zu tun, es ist Meinungsmache, die aber leider viele Menschen stark beeinflusst“, sagt er. Er forderte erneut mehr Videoüberwachung und technische Unterstützung der Ermittlungsbehörden. Als Beispiel nannte er die automatische Nummernschilderfassung auf Autobahnen. Hier seien Datenschutzbedenken fehl am Platz, sagte er. Den anwesenden Menschen gefiel das auch vor dem Hintergrund der in den letzten Tagen stark diskutierten Kontrollen der E-Scooter in Lippe. Neben den Gesprächen mit dem Minister, der nach gut einer Stunde den Ort wieder verließ, gab es auch viele angeregte Gespräche mit der Polizeiführung.
Wahl des Veranstaltungsortes: Bad Salzuflen
Nina Ehm sagt noch, dass man unter den 47 Behörden landesweit den Zuschlag bekommen habe. Nach einem Jahr Pause habe man sich ganz bewusst für Salzuflen entschieden. Die Kriminalitätsentwicklung in der Salzestadt als auch das dortige subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen hier, hätten dabei eine Rolle gespielt. Sie erinnerte dabei an mehrere Körperverletzungen im Umfeld des Weinfestes im vergangenen Jahr, glaubte aber, dass sich die Verhältnisse jetzt wieder beruhigt hätten.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die Aktion „Coffee with a Cop“?
Die Aktion „Coffee with a Cop“ des Innenministeriums ermöglicht Bürgern, bei kostenlosem Kaffee, Tee oder Kakao entspannt mit Polizisten ins Gespräch zu kommen und Einblicke in deren Arbeit zu erhalten. Sie soll Hemmschwellen abbauen und Vertrauen schaffen.
Wer war auf dem Salzhof anwesend?
Neben Innenminister Herbert Reul waren die gesamte Führungsspitze der Polizei Lippe, Landrat Meinolf Haase, Bürgermeister Dirk Tolkemitt sowie Nina Ehm, Pressesprecherin der Polizei Lippe, anwesend. Zahlreiche interessierte Bürger, insbesondere ältere Menschen, nahmen ebenfalls teil.
Warum ist Respekt für Einsatzkräfte wichtig?
Der Artikel betont, dass Einsatzkräfte wie Polizisten, Feuerwehr und Rettungskräfte zunehmend angegriffen und verhöhnt werden, was zu einem Verlust an Respekt führt. Die Kampagne „NRW zeigt Respekt!“ und Aktionen wie „Coffee with a Cop“ sollen diesem Trend entgegenwirken und den unkomplizierten Kontakt fördern.
Warum wurde Bad Salzuflen als Veranstaltungsort ausgewählt?
Laut Nina Ehm, Pressesprecherin der Polizei Lippe, wurde Bad Salzuflen bewusst gewählt, da die Kriminalitätsentwicklung und das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen dort eine Rolle spielten. Sie erinnerte dabei an Körperverletzungen im Umfeld des Weinfestes im vergangenen Jahr, glaubt aber, dass sich die Verhältnisse jetzt wieder beruhigt haben.




