
Die zuerst ausrückenden Fahrzeuge sind mit zahlreichen Geräten bestückt. Hier führte Kai Witte einen Spreizer, der bei Fahrzeugunfällen zum Einsatz kommt. Fotos: kd
„Wie bei echten Einsätzen“
Oerlinghausen (kd). Wie geht es eigentlich bei einem echten Einsatz zu? Bei einem 24-stündigen Dienst erhielten 14 Mitglieder der Jugendfeuerwehr Oerlinghausen kürzlich einen realitätsnahen Einblick in die Aufgaben ihrer aktiven Kameraden.
Einblicke der Teilnehmer
Einen ganzen Tag lang quartierten sich die Jugendlichen im Alter zwischen zehn und 17 Jahren im Gerätehaus an der Robert-Hanning-Straße ein. Zum Schlafen standen Feldbetten in den Schulungsräumen bereit. Paula (11) nahm zum ersten Mal dabei. Seit einem Jahr gehört sie der Jugendwehr an und nimmt jeden zweiten Mittwoch am Übungsabend teil. „Das ist schon cool, was wir dort machen“, sagte sie. „Aber ich habe noch keine Vorstellung, was bei einem Verkehrsunfall oder bei einem Brand zu tun ist.“ Phil (14) trat vor vier Jahren der Jugendwehr bei, weil ihn vor allem die technischen Dinge interessieren. Er hat schon mal an einem 24-Stunden-Dienst teilgenommen. „Das hat sehr viel Spaß gemacht, außerdem kann man viel lernen, wenn man den ganzen Tag zusammen ist.“
Vorbereitung und Lernziele
„Was genau die Jugendlichen erwartet, wird vorher nicht verraten. Das bleibt bis zuletzt ein Geheimnis“, meinte der stellvertretende Stadtjugendwart Marcel Plaschke, der die Aktion organisierte. Sie erlebten ein abwechslungsreiches Programm aus Ausbildung, Teamarbeit und Freizeit. Sieben Betreuer und vier Helfer haben die Übungsaufgaben unauffällig im Hintergrund vorbereitet. Zunächst wurden den Jugendlichen die Fahrzeuge und die mitgeführten Geräte vorgestellt. Bei fünf inszenierten Einsätzen war dann ihr praktisches Wissen gefragt. Zum Beispiel lautete eine der Fragen: Sollte man brennendes Fett mit Wasser löschen? „Das Vorgehen muss jeweils im Team besprochen werden. Wir möchten vermitteln, dass es nicht immer den einen richtigen Weg gibt“, sagte Plaschke.
Realitätsnahe Einsatzszenarien
Ohne Ankündigung rief dann wieder die kleine Sirene zum nächsten Einsatz. Mit dem Stichwort „technische Hilfe“ galt es, eine Ölspur zu beseitigen. Nach der Mahlzeit mit Spaghetti bolognese musste ein gestürzter Mountainbikefahrer im Wald gefunden und versorgt werden. Mit der Drehleiter rückten die Nachwuchskräfte aus, um eine Katze von einem Dach zu retten. In der Südstadtschule war die Brandmeldeanlage ausgelöst worden. Bei einer tatsächlich brennenden Hütte konnte der Löschangriff geübt werden. Schließlich wurden die Jugendlichen zu Verkehrsunfall gerufen, an dem ein Fahrradfahrer beteiligt war.
Zukunft der Jugendfeuerwehr
„Je interessanter wir den Dienst gestalten, umso mehr Jugendliche wollen später dabeibleiben und werden in die Einsatzabteilung übernommen“, sagte Plaschke. Und auf Nachwuchs ist die Wehr dringend angewiesen. Phil hatte seinen Entschluss bereits gefasst. „Ich werde auf jeden Fall weitermachen“, sagte er. Damit entspricht er der Entscheidung der allermeisten Mitglieder der Jugendfeuerwehr. „Erfreulicherweise können wir 90 Prozent der Mädchen und Jungen übernehmen, wenn sie das Erwachsenenalter erreicht haben“, sagte Plaschke.



