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Bielefeld ehrt NS-Opfer Wilhelm Hünerhoff mit Gedenktafel

9. Sep. 2025 | Bielefeld

Erinnerung am alten AOK-Gebäude setzt ein Zeichen gegen das Vergessen

Zum 81. Todestag von Wilhelm Hünerhoff wurde am alten Gebäude der AOK NordWest in Bielefeld (Oelmühlenstraße 59) eine Gedenktafel enthüllt. Die feierliche Zeremonie würdigte das Leben des engagierten Verwaltungsoberinspektors und NS-Opfers. Sprecher waren Matthias Wehmhöner (AOK), Lutz Havemann (Initiativkreis Erinnern & Gedenken in OWL), Sozialpfarrer Ingo Stucke (Evangelischer Kirchkreis) und Dr. Matthias Kulinna (CDU).

Hünerhoffs tragisches Schicksal

Wilhelm Hünerhoff (geb. 1889) arbeitete fast dreißig Jahre in diesem AOK-Gebäude. Im April 1944 wurde er von der Gestapo verhaftet, als „arbeitsscheues Element“ erst in das Arbeitserziehungslager Lahde/Weser, dann ins Konzentrationslager Neuengamme verschleppt. Dort starb er am 27.8.1944 bei einem Bombensuchkommando durch eine vorzeitige Detonation.

Der Weg ins Visier der NS-Willkür

Obwohl zunächst staatstreu, enttäuschte ihn die NS-Sozialpolitik zutiefst. 1934 geriet er in Konflikt wegen Kritik an der AOK-Verwaltung nach dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“. Später wurde er mehrfach wegen Verstößen gegen das „Heimtücke Gesetz“ angeklagt, oft durch Denunziationen von Kollegen. Sein Engagement in der Petri Gemeinde für die Bekennende Kirche führte zu einer Hausdurchsuchung. Fehlende Luftschutzlehrgänge im März 1944 besiegelten sein Schicksal. Die Entlassung durch die AOK bezeichnete Lutz Havemann als „Freibrief“ für die Gestapo.

Erinnerung als Auftrag für die Gegenwart

Matthias Wehmhöner (AOK) drückte tiefe Betroffenheit aus und dankte den Initiativen für ihre Recherche. Sozialpfarrer Ingo Stucke erinnerte an den „Kirchenkampf“ und die Relevanz von Wilhelm Niemöllers Mahnung vor schleichendem Freiheitsverlust. Dr. Matthias Kulinna (CDU) betonte die Wichtigkeit des Gedenkens im Kampf gegen rechtsextreme Tendenzen und forderte eine geschlossene Strategie demokratischer Parteien.

Zwei QR-Codes an der Tafel bieten umfassende Informationen (Stolperstein-Initiative, „Spurensuche Bielefeld“). Die Sorge junger Menschen um die Demokratie mache Hoffnung: „Es darf nie mehr so werden, wie es einmal war.“

Simulation Gedenktafel 

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