Neue Radfahrstreifen auf Salzufler Straßen sorgen für Verwirrung

17. Sep. 2026 | Bad Salzuflen

Kurvige Straße mit weißen Radfahrstreifen, einem roten Radwegabschnitt und Bürgersteig vor einem Dönerladen

Schildbürgerstreich oder Überbürokratisierung?

Salzuflen (rto). Viele Auto- aber auch Radfahrer reiben sich in Salzuflen seit Tagen die Augen. Ein Straßenmarkierungstrupp zieht neue Radfahrerstreifen. Unter anderem auf der Schloss- oder Oerlinghauser Straße parallel zu den bereits vorhandenen Radwegen auf den „Hochborden“, wie es im Amtsdeutsch heißt. Was soll das? Warum werden jetzt die Radfahrer von der langjährig gut funktionierenden und sicheren Radfahrspur auf die Straße geholt? Diese Fragen stellte die Redaktion der Stadtverwaltung.

Schlossstraße: Modernisierung und Klimaschutz

Am Beispiel Schlossstraße beantwortet der Radverkehrsbeauftragte der Stadt, Sebastian Baving, die Sachlage wie folgt: „Die dortige Benutzungspflicht bei gleichzeitigem Tempo 30 auf der Fahrbahn ist nicht mehr zeitgemäß. Seit 1997 sind Benutzungspflichten zu prüfen. Die Maßnahme stützt sich auf gleich mehrere Konzeptgrundlagen. Im Klimaschutz-Teilkonzept Mobilität wird die Neuaufteilung der Schlossstraße zu Gunsten des Radverkehrs besonders zu Gunsten des Fußverkehrs empfohlen, welcher auch von der Maßnahme profitiert. Dies wurde im Rahmen des Radverkehrskonzeptes konkretisiert. Die aktuelle Anpassung bietet eine klare durchgängige Führung.“

Im Fall der Oerlinghauser Straße stellt sich die Sachlage etwas anders da 

„Der alte Radweg in der Oerlinghauser Straße entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen. Entsprechend hatte die Verkehrsbehörde dort schon vor Jahren die Nutzungspflicht entfernt“, so der Radverkehrsbeauftragte. (Anmerk. der Redaktion: Das ist nicht richtig. Das Gebotsschild Radfahrer/Fußgänger steht immer noch da). Die Oerlinghauser Straße sei konzeptionell eine der wichtigsten Straßen für den Radverkehr in der Stadt. Hier käme demnächst auch ein neues Konzeptnetz des Landes, der diese Potenziale nochmal hervorhebt.

Stadteinwärts, wo die Straßenbäume in der Mitte der „Hochbordanlage“ stehen, sei die Breite des alten Weges kritisch. Angesichts dem Aufkommen von schnelleren Pedelecs, Spezialrädern oder Fahrradanhänger für Kinder war sei hier gemäß der Konzeptgrundlage zu handeln gewesen, heißt es weiter und die Führung auf dem Schutzstreifen, ohne die Straße baulich umzugestalten, sei im Verhältnis zum noch guten Straßenzustand wirtschaftlicher.

Ob es für die Radfahrer jetzt sicher wird bleibt jedoch offen

Der Radfahrer kann jetzt jedenfalls entscheiden, ob er auf dem „Hochbord“ oder der Straße fährt. Das führt schon jetzt zu Verwirrung. Einige fahren auf dem neuen Streifen und sorgen unter anderem für weitere Staus. Unter anderem weil sie von den ÖPVV-Bussen nicht überholt werden können, andere fahren weiter auf dem alten Radweg und fragen sich, ob das jetzt ohne Strafe möglich ist.

Bei der Fahrrichtung der Oerlinghauser Straße außerorts war ein Kompromiss zu finden, da die Markierung von Schutzstreifen auf dieser Seite aufgrund des Seitenstreifens nicht möglich ist, da dieser zum Parken genutzt wird und ohne dieses zu verbieten. Hier sorgt nun eine Pikogrammkette mit markierten Sicherheitsabstand zu dem verbreiterten Parkstreifen für Sicherheit, heißt es weiter.

Abschließend heißt es aus der Verwaltung:

„Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass sich das Radfahren spätestens mit den Pedelecs stark verändert hat. Die durchschnittliche Geschwindigkeit ist höher und aufgrund von Packtaschen und Anhängern sind Räder breiter geworden. Zudem werden immer mehr Spezialräder angeboten, wie beispielsweise Dreiräder für Senioren.

Auch die Nutzergruppen sind vielfältiger geworden. Eine Führung auf der Fahrbahn, wo beispielsweise ein Pendler mit dem Rad schneller vorankäme, ist für Kinder nur bedingt zu empfehlen. Daher braucht es für verschiedene Nutzer auch verschiedene Angebote. Außerdem zeigen die aktuellen Entwicklungen, dass Fußgänger besonders durch die neu aufgekommen E-Roller gefährdet werden. In der Folge sollte eine Möglichkeit umgesetzt, diese voneinander zu trennen.“ Die bedeutet jetzt, dass es auf den Straßen also zwei Angebote für Radfahrer gibt, die dies hoffentlich auch verstehen.

Im Zweifel sollte man sich für den alten auf dem „Hochboard“ angelegten Weg entscheiden. Der ist, auch wenn er schlechter zu sein scheint, immer noch der sicherer, weiter weg vom Autoverkehr. Ein Schildbürgersreich scheint die Maßnahme also nicht zu sein. Es spricht aber viel für eine Überbürokratisierung.

Häufig gestellte Fragen

Warum werden in Salzuflen neue Radfahrstreifen markiert?

Laut Radverkehrsbeauftragtem Sebastian Baving werden die neuen Radfahrstreifen, beispielsweise auf der Schlossstraße, markiert, weil die bisherige Benutzungspflicht bei Tempo 30 nicht mehr zeitgemäß ist und seit 1997 überprüft werden muss. Die Maßnahmen basieren auf dem Klimaschutz-Teilkonzept Mobilität und dem Radverkehrskonzept, um eine klare und durchgängige Führung für den Radverkehr zu bieten und auch dem Fußverkehr zu Gute zu kommen. Auf der Oerlinghauser Straße entspricht der alte Radweg zudem nicht mehr den heutigen Anforderungen.

Welche Straßen in Salzuflen sind von den neuen Radfahrstreifen betroffen?

Die neuen Radfahrstreifen wurden unter anderem auf der Schlossstraße und der Oerlinghauser Straße in Salzuflen markiert.

Warum müssen Radfahrer auf die Straße ausweichen, obwohl es bereits Radwege auf den Hochborden gibt?

Laut Radverkehrsbeauftragtem Sebastian Baving sind die bisherigen Wege nicht mehr zeitgemäß oder entsprechen nicht den Anforderungen. Zudem haben sich das Radfahren durch Pedelecs, breitere Räder mit Packtaschen oder Anhängern und Spezialräder stark verändert. Eine Führung auf der Fahrbahn wird als notwendig erachtet, um schnellere Pendler zu berücksichtigen und unterschiedliche Angebote für verschiedene Nutzergruppen zu schaffen.

Wie wird die Sicherheit auf der Oerlinghauser Straße außerhalb des Ortskerns gewährleistet, wo keine Schutzstreifen möglich sind?

Auf der Oerlinghauser Straße stadtauswärts, wo aufgrund des zum Parken genutzten Seitenstreifens keine Schutzstreifen markiert werden können, wird eine Piktogrammkette mit markiertem Sicherheitsabstand zum verbreiterten Parkstreifen eingesetzt, um die Sicherheit zu erhöhen.

Helles Fahrrad auf Bürgersteig vor weißem Haus, daneben Straße mit Radfahrstreifen und Zickzack-Markierungen
Beispiel Oerlinghauser Straße: Auch hier gibt es jetzt zwei Radfahrspuren, eine auf den Hochboard und eine auf der Straßenebene.
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