
Luftbild der aktuellen Ausgrabungsfläche im Vorfeld des Schulneubaus in Bielefeld-Sieker. Die Reihen der ausgegrabenen archäologischen Befunde zeigen heute noch die Standorte der germanischen Langhäuser an. Foto: LWL-Archäologie für Westfalen, Arne Koch
Archäologische Sensation in Bielefeld-Sieker
In Bielefeld-Sieker hat ein LWL-Team eine außergewöhnlich große germanische Siedlung aus dem 2. – 5. Jahrhundert n. Chr. freigelegt. Mit mindestens 30 Langhäusern war sie ein „bedeutendes Zentrum“ für die Region, so LWL-Archäologe Dr. Sven Spiong. Die Ausgrabungen widersprechen der Norm kleinerer Einzelhöfe jener Zeit. Die Funde werden im Projekt „Westgermanien im Wandel“ wissenschaftlich ausgewertet.
Kontinuität und wichtige Funde
Die dichte Reihenbebauung mit mehrfach neu errichteten Häusern deutet auf eine Siedlungskontinuität von bis zu 200 Jahren hin, Schwerpunkt im 2. und 3. Jahrhundert. Eine römische Münze aus dem 2. Jahrhundert, von Dr. Eva Manz als „präzises Datum“ gelobt, war entscheidend zur chronologischen Einordnung eines Pfostenhauses und zur Erforschung der Hausformen.
Strategische Handelslage
Die Standortwahl war optimal: fruchtbare Lössböden, Frischwasser vom Mühlenbach und Anbindung an den alten Römerpass. Dieser Weg entwickelte sich bis ins 5. Jahrhundert zur wichtigen Handelsroute, wie Sebastian Düvel erklärt. Römische Importfunde, darunter Münzen, belegen intensive Kontakte und eine florierende Wirtschaft. Überschüsse für den Handel, eventuell Beutegut oder Mitbringsel römischer Diensteinnahmen, kennzeichneten die Siedlung.
Rätsel und das Ende
Die unbefestigte, aber dichte Siedlung wirft die Frage nach einem Sicherheitsaspekt auf, der von Dr. Sven Spiong untersucht wird. Das Ende im 5. Jahrhundert wird mit dem Untergang des Römischen Reiches und dem Verlust traditioneller Handelswege verbunden.
Häufig gestellte Fragen
Was wurde in Bielefeld-Sieker entdeckt?
In Bielefeld-Sieker hat ein LWL-Team eine außergewöhnlich große germanische Siedlung aus dem 2. – 5. Jahrhundert n. Chr. freigelegt. Sie bestand aus mindestens 30 Langhäusern.
Warum war die entdeckte Siedlung so besonders?
Die Siedlung war mit mindestens 30 Langhäusern ein „bedeutendes Zentrum“ für die Region und widerspricht der Norm kleinerer Einzelhöfe jener Zeit. Ihre strategische Lage an fruchtbaren Lössböden, Frischwasser vom Mühlenbach und Anbindung an den alten Römerpass, der sich zu einer wichtigen Handelsroute entwickelte, trug zu ihrer Bedeutung bei.
Wann und warum endete die Besiedlung des Ortes?
Die Siedlung endete im 5. Jahrhundert. Dies wird mit dem Untergang des Römischen Reiches und dem Verlust traditioneller Handelswege in Verbindung gebracht.

