
Blühender Buchsbaum. Fotos: NABU Leopoldshöhe, Ewald Thies
NABU Leopoldshöhe – Naturinfo: Der Liguster – Ein unterschätztes Multitalent für Mensch und Natur
Lange Zeit wurde er oft übersehen, als unscheinbarer Lückenfüller in Parkanlagen, auf Friedhöfen und als pflegeleichtes Straßenbegleitgrün. Doch der Liguster (Ligustrum vulgare), eine heimische Pflanzenart, erfährt zunehmend die verdiente Aufmerksamkeit als ökologisch bedeutsames Gehölz. Der Naturschutzbund (NABU) Leopoldshöhe hebt die vielfältigen Vorzüge dieser robusten und anspruchslosen Pflanze hervor, die weit über ihre Funktion als Hecken- und Sichtschutz hinausgehen.
Der Liguster, oft als „wintergrün“ bezeichnet, ist bekannt für seine Fähigkeit, sein Laub auch in milden Wintern lange zu behalten. Dies unterscheidet ihn zwar von den echten Immergrünen wie Efeu oder Buchsbaum, macht ihn aber dennoch zu einem wertvollen Element in der kalten Jahreszeit. „Und wer einen Garten hat, weiß in der kalten Jahreszeit ja jedes grüne Pflänzchen zu schätzen, das sich vom allgegenwärtigen Grau-Braun abhebt“, bemerkt Martin Düsterberg vom NABU Leopoldshöhe und unterstreicht damit den ästhetischen wie praktischen Wert des Gehölzes.
Eine unterschätzte Blütenpracht und ihr ökologischer Nutzen
Die robuste Schönheit des Ligusters zeigt sich nicht nur in seiner Winterhärte, sondern auch in seiner – oft übersehenen – Blütenpracht. Im Juni entfaltet der Strauch cremeweiße, duftende Blütenrispen, die einen süßen Nektar produzieren. Dieser Nektar ist eine wertvolle Nahrungsquelle für eine Vielzahl von Insekten. Tagfalter wie Weißlinge (Pieris), das Große Ochsenauge (Maniola jurtina) und der Kleine Fuchs (Aglais urticae) werden magisch angezogen. Doch nicht nur Tagfalter profitieren; auch Wildbienen und Schwebfliegen finden hier reichlich Nahrung. Ewald Thies vom NABU Leopoldshöhe ergänzt: „Wildbienen, Schwebfliegen, Schmetterlinge und vor allem Nachtfalter fliegen auf seine röhrenförmigen Blüten, die vor allem in den Morgenstunden reich mit Nektar gefüllt sind. Und wo sich Nachtfalter tummeln, finden auch Fledermäuse einen gedeckten Tisch.“
Gerade diese Blütenpracht wird dem Liguster jedoch häufig durch unsachgemäßen oder zu häufigen Rückschnitt genommen. Da die meisten heimischen Sträucher, so auch der Liguster, ihre Blütenknospen ausschließlich an jungen Trieben bilden, kann eine Pflanze, deren Triebe routinemäßig gekappt werden, niemals zur Blüte kommen. Was im Garten als ordentlicher Formschnitt gilt, beraubt die Tierwelt einer wichtigen Lebensgrundlage und den Gärtner der Möglichkeit, die natürliche Schönheit und den Duft der Pflanze zu genießen. Der Liguster wird so zum „Prototyp des Abstandsgrüns“, einem Strauch, den zwar jeder sieht, aber kaum jemand wirklich wahrnimmt oder wertschätzt.
Lebensspender für Vögel und Insekten
Nach der Blüte entwickelt der Liguster im Herbst glänzend schwarze, beerenartige Steinfrüchte, die eine weitere wichtige ökologische Funktion erfüllen. Obwohl für den Menschen als leicht giftig eingestuft – und aufgrund ihres bitteren Geschmacks von Kindern kaum in größeren Mengen verzehrt – sind diese Beeren eine beliebte und wichtige Nahrungsquelle für heimische Vogelarten. Insgesamt profitieren etwa 20 verschiedene Vogelarten von den Ligusterfrüchten, darunter Amseln, Sing- und Wacholderdrosseln, Stare, Mönchsgrasmücken und Dompfaffe (Gimpel). Da die Früchte lange am Strauch haften bleiben, bieten sie den Vögeln auch in den Wintermonaten eine überlebenswichtige Nahrungsreserve.
Auch das feste, glänzende Laub des Ligusters ist von ökologischem Wert. Es erinnert an die Verwandtschaft mit dem Olivenbaum und dient als Futterpflanze für die Raupen verschiedener Nachtfalterarten. So ernähren sich unter anderem der Ligusterschwärmer, die Bunte Ligustereule und die Liguster-Rindeneule von den Blättern, was den Liguster zu einem wichtigen Glied in der Nahrungskette macht und die Artenvielfalt fördert.
Die robuste Alternative im Klimawandel
Angesichts der zunehmenden Herausforderungen durch den Klimawandel, wie langanhaltende Trockenperioden und die Ausbreitung von Pflanzenkrankheiten, erweist sich der Liguster als bemerkenswert widerstandsfähige und zukunftssichere Option. Seine extreme Anspruchslosigkeit und Schnittverträglichkeit erlauben es ihm, auch auf schlechten Stadtböden oder bei wenig Sonne prächtig zu gedeihen. Zudem kommt er mit Trockenheit bestens zurecht, was ihn zu einer ideal geeigneten Heckenpflanze für moderne Gärten und öffentliche Grünflächen macht.
Für viele Gartenbesitzer, die von Krankheiten wie dem Buchsbaumzünsler oder Pilzbefall geplagte Buchsbäume ersetzen müssen, bietet der Liguster eine ausgezeichnete und ökologisch wertvolle Alternative. Er ist wintergrün, robust, anspruchslos und vielseitig einsetzbar, sei es als formelle Hecke oder als naturnaher Strauch. Der Liguster ist damit weit mehr als nur ein „Abstandsgrün“ – er ist ein wertvoller Beitrag zum Biotop Garten und ein Symbol für nachhaltiges Gärtnern, das Ästhetik und Artenschutz harmonisch verbindet.

