
Dr. Nike Alkema (links), Leiterin der Akademie am Tönsberg, hatte den Fotografen Grzegorz Lityński eingeladen, seine Aufnahmen vorzustellen. Foto: kd
Beeindruckende Portraits
Ausstellung über die Solidarność im Exil
Oerlinghausen (kd). Was ist aus den führenden Kräften des polnischen polnischen Gewerkschaftsbunds Solidarność geworden? Viele von ihnen leben heute im Ausland. Der Dokumentarfotograf Grzegorz Lityński hat sie aufgespürt und seine Landsleute portraitiert. Die Aufnahmen stellte er jetzt in der Hedwigskapelle vor.
Die Entstehung der Solidarność und ihre Bedeutung
„Die Solidarność ist den meisten Deutschen ein Begriff, aber Widerstandsbewegungen hat es schon lange vor ihrer Gründung im Jahr 1980 gegeben“, sagte Lityński in seinem einführenden Vortrag zur Ausstellung. Schon unmittelbar nach Kriegsende bekämpften frühere Partisanen gegen die kommunistische Machtübernahme. 1956 entwickelte sich ein massiver Protest gegen Preiserhöhungen. Der Aufstand wurde niedergeschlagen und endete mit Todesopfern. 1968 kam es zu Studentenprotesten. Preiserhöhungen waren 1970 und 1976 der Grund für erneute Demonstrationen und Streiks. Sie wurden gewaltsam niedergeschlagen. Als sich die Arbeiter der Lenin-Werft in Danzig 1980 wegen der schlechten Lebensbedingungen erhoben, entwickelte sich eine Streikwelle im gesamten Land. Der friedliche Protest führte zu einem Wendepunkt in Polen und trug maßgeblich zum Zerfall des gesamten Ostblocks bei.
Schicksale der Solidarność-Aktivisten im Exil
Das später verhängte Kriegsrecht zwang viele Wortführer – Arbeiter, Aktivistinnen, Intellektuelle – das Land zu verlassen. In seinen eindrucksvollen Portraits hält Lityński die Erinnerung an jene Zeit des Umbruchs fest. In Gesprächen erfuhr er viel über das persönliche Schicksal der einst führenden Gewerkschaften. Bogdan Borkowski zum Beispiel hatte Streiks organisiert, er wurde verhaftet und interniert. Als politischer Flüchtling gelangte er über Westdeutschland in die USA. Tomasz Inglot war in der Studentenbewegung aktiv und war ebenfalls in Gefängnissen interniert. Er lehrt heute als Professor für Politikwissenschaft in Minnesota. Wegen ihrer politischen Verfolgung emigrierten Irena und Mieczyslaw Mazurek ebenfalls in die Vereinigten Staaten. Weil er sich für die Solidarność eingesetzt hat, kam auch Stanislaw Szkoc ins Gefängnis. Er lebt heute in Heilbronn. Zwei der Portraitierten, Christos Mandzios und Aleksander Gleichgewicht, leben trotz früherer Verfolgung und Haft wieder in Polen.
Die eindrucksvollen Portraits und ihre Botschaft
Die einfühlsam abgebildeten Gesichter der Gewerkschaftsaktivisten lassen das Erlebte nur erahnen. Zu den eindrucksvollen Aufnahmen zählt auch das Foto des Denkmals für die im Jahr 1970 gefallenen Werftarbeiter in Danzig. Das 42 Meter hohe Gebilde zeigt drei Kreuze aus Stahl, an denen jeweils ein Anker befestigt ist, das Symbol der Hoffnung.
Über den Fotografen Grzegorz Lityński
Grzegorz Lityński, ein international anerkannter Dokumentarfotograf, ist auch regelmäßig als Referent für die Akademie am Tönsberg in Oerlinghausen tätig. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen europäischen Ländern und in den USA gezeigt.

