Am kommenden Sonntag wird traditionell Erntedank gefeiert, ein Anlass, um Dank zu sagen und Rückschau zu halten. Für die Landwirtschaft in und um Bielefeld fällt die Bilanz dieses Jahres jedoch gemischt aus. Insbesondere die außergewöhnlich hohen Temperaturen und die anhaltende Trockenheit haben an den Nerven der Bauern gezerrt und zu deutlichen Ertragseinbußen geführt. „Gleichzeitig stehen die Betriebe aufgrund niedriger Erzeugerpreise und hoher Kosten wirtschaftlich unter Druck“, resümiert Hermann Dedert, der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld.

Standortabhängige Erntebilanz

Der Standort war in diesem Jahr entscheidend für Ertrag und Qualität der Ackerkulturen. Die Ernteergebnisse im Gebiet Herford-Bielefeld zeigen eine große Bandbreite. Nach vielversprechendem Frühjahr machten Trockenheit und extreme Hitzetage ab Mitte Juni alle Hoffnungen zunichte. Bei Raps lagen die Ertragseinbußen bei 20 bis 30 Prozent, beim Getreide bei 10.00 – 20.00 Uhr Prozent. Insbesondere beim Weizen führte die Dürre zu kleineren Körnern, dem sogenannten Kümmerkorn. Auch die Grasernte für die Rinderhaltung zeigte große Streuungen: „Während einige Betriebe ausreichend Futter ernten konnten, könnte es bei anderen knapp werden“, so Dedert.

Herbstkulturen unter Hitzestress

Besonders stark gelitten hat vielerorts der Mais, mit einer Spannbreite von Pflanzen ohne Kolben bis zu guten Beständen. Auch Kartoffeln verzeichneten durch Trockenheit und Hitze deutliche Einbußen: „In diesem Jahr haben wir weniger und viele kleine Knollen“, berichtet der Vorsitzende, „dadurch gibt es auch weniger lange Pommes.“ Bei den Zuckerrüben rechnen die Landwirte lediglich mit einer höchstens durchschnittlichen Ernte.

Klimawandel als Dauerherausforderung

„Das Wetter in diesem Jahr hat einmal mehr verdeutlicht, wie unmittelbar und spürbar die Folgen des Klimawandels für uns Landwirte sind“, stellt Dedert fest. Wetterextreme und veränderte Bedingungen stellen die Bauern vor große Herausforderungen. Die Landwirte entwickeln ihre Bewirtschaftung stetig weiter, um sich anzupassen. Dies umfasst den effizienteren Einsatz von Ressourcen, den Schutz der Böden und die Stärkung ihrer Wasserspeicherfähigkeit. Vielfältige Fruchtfolgen, Zwischenfrüchte, Humusaufbau sowie angepasste Sorten und Anbauverfahren sind wichtige Bausteine. „Wir denken Klimaschutz und Klimaanpassung zusammen“, bekräftigt Dedert, „denn wir wollen unsere Böden und Produktionsgrundlagen für die kommenden Generationen erhalten.“ Die Landwirtschaft sei ein Teil der Lösung beim Klima-, Umwelt- und Artenschutz.

Wirtschaftlicher Druck und politische Forderungen

Die Ernteeinbußen treffen Bauernfamilien in einer ohnehin wirtschaftlich angespannten Lage, geprägt durch niedrige Erzeugerpreise und hohe Kosten für Energie, Diesel und Düngemittel. Die Situation vieler Tierhalter, insbesondere der Schweine- und Sauenbetriebe, ist katastrophal und bereitet große Sorgen. „Wir brauchen endlich bessere Rahmenbedingungen und mehr Planungssicherheit für unsere Höfe“, fordert Dedert. Er verlangt politischen Mut für Bürokratieabbau, weniger Auflagen, mehr Wettbewerbsfähigkeit und unternehmerischen Freiraum, wie eine steuerfreie Risikorücklage. Zudem sei ein fairer Lebensmitteleinzelhandel nötig, der die Landwirtschaft durch angemessene Preise für Erzeugnisse mitträgt.

Trotz aller Sorgen stehe zum Erntedankfest jedoch die Dankbarkeit im Mittelpunkt, so der Vorsitzende: „Hitze und Dürre führten uns einmal wieder vor Augen, dass eine gute Ernte keine Selbstverständlichkeit ist; dies sollten wir alle schätzen.“

Erntekorb gefüllt mit frischen Karotten, Kürbis, Äpfeln, Birnen, Pflaumen, Walnüssen und einer Kartoffel im Garten
Zum Erntedankfest danken die Landwirtinnen und Landwirten für die eingebrachte Ernte. Sie blicken auf eine unterdurchschnittliche Ernte.

Häufig gestellte Fragen

Wie war die Ernte 2023 für Landwirte in der Region Herford-Bielefeld?

Die Bilanz der Ernte 2023 in der Region Herford-Bielefeld fällt gemischt aus. Hohe Temperaturen und anhaltende Trockenheit führten zu deutlichen Ertragseinbußen bei Raps, Getreide, Mais und Kartoffeln. Gleichzeitig stehen die Betriebe laut Hermann Dedert, Vorsitzendem des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld, aufgrund niedriger Erzeugerpreise und hoher Kosten wirtschaftlich unter Druck.

Welche Kulturen waren besonders von Ertragseinbußen betroffen?

Besonders betroffen waren Raps mit 20 bis 30 Prozent und Getreide mit 10 bis 20 Prozent Ertragseinbußen. Beim Weizen führte die Dürre zu kleineren Körnern. Auch Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben verzeichneten deutliche Einbußen oder erreichen höchstens eine durchschnittliche Ernte.

Welche Forderungen stellt der Landwirtschaftliche Kreisverband Herford-Bielefeld an die Politik?

Hermann Dedert fordert bessere Rahmenbedingungen und mehr Planungssicherheit für die Höfe. Konkret verlangt er Bürokratieabbau, weniger Auflagen, mehr Wettbewerbsfähigkeit, unternehmerischen Freiraum (wie eine steuerfreie Risikorücklage) und einen fairen Lebensmitteleinzelhandel, der die Landwirtschaft durch angemessene Preise für Erzeugnisse mitträgt.