An kalten Novembertagen, wenn man eigentlich Stille erwartet, überraschen uns manchmal zarte, aber bestimmte Vogelgesänge. Einem solchen Phänomen widmet sich der NABU Leopoldshöhe und hebt dabei besonders das Rotkehlchen hervor. Es ist ein faszinierender Aspekt unserer Natur, dass selbst im tiefsten Winter Vögel wie das Rotkehlchen oder die Amsel ihre Lieder erklingen lassen.
„Rotkehlchen sitzen oft im Unterholz und knattern oder keckern, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Sie sind nicht zu überhören, wohltuend ist es, ihren Gesang zu hören“, schwärmt Petra Gehle von der Leopoldshöher NABU Gruppe. Doch wer singt da eigentlich so ausdauernd in der Dämmerung oder bereits eine Stunde vor Sonnenaufgang? Und warum singt dieser Vogel fast das ganze Jahr hindurch?
Singen im Herbst: Eine Besonderheit:
Tatsächlich singt das Rotkehlchen, abgesehen von einer kurzen Mauserzeit im Hochsommer, nahezu das gesamte Jahr über. Der typische, oft melancholisch und perlend klingende Gesang ist besonders im Oktober und November wieder häufig zu hören, nachdem die Vögel im Spätsommer eine ruhigere Phase hatten. Die überraschende Antwort auf die Frage, wer singt, lautet: sowohl Männchen als auch Weibchen!
Getrennte Reviere und der Zweck des Gesangs:
Während Rotkehlchen im Sommer als Paar leben, trennen sich ihre Wege im Herbst vorübergehend. Sowohl Männchen als auch Weibchen beanspruchen dann ein eigenes, strikt verteidigtes Winterrevier. Dieses Revier muss genügend Nahrung bieten, wie Insekten, Würmer und Beeren. Mit ihrem lautstarken Gesang machen sie Artgenossen unmissverständlich klar: „Dieses Revier ist besetzt, bitte fernbleiben!“ Da beide Geschlechter gleichermaßen ein Revier verteidigen, singen auch beide.
Nahrung und Beliebtheit des Rotkehlchens:
Die Nahrung der Rotkehlchen ist vielseitig. Sie bevorzugen Insekten und deren Larven, die sie in der Laubstreu suchen. Im Herbst und Winter erweitern sie ihr Spektrum um weiche Früchte und Pflanzenteile. In der kalten Jahreszeit sind sie zudem gern gesehene Gäste an Futterstellen in Gärten. Martin Düsterberg, ebenfalls NABU-Mitglied, betont die Beliebtheit des Vogels: „Das Rotkehlchen ist ein Vogel, der sehr beliebt ist und den viele gerne im Garten haben. Ich beobachte das Rotkehlchen gerne am Futterhäuschen oder wenn es bei der Gartenarbeit in der Nähe auf dem Boden herumhüpft.“ Dennoch äußert er Sorge, den Singvogel nicht mehr so oft wie früher zu sehen.
Der tiefere Sinn des Wintergesangs:
Ornithologen erklären, dass der Gesang mancher Vögel im Herbst und Winter hauptsächlich an Hormonschwankungen, die Verteidigung von Winterrevieren, die Sicherung von Futterplätzen und das Üben der Gesangskünste gebunden ist. Während der Vogelgesang im Frühling primär der Partnersuche dient, erfüllt er in der kalten Jahreszeit ganz andere, überlebenswichtige Funktionen. Das Rotkehlchen ist ein extremer Frühaufsteher und auch in der Dämmerung noch lange zu hören, was es zu einem besonderen Beobachtungsobjekt in der winterlichen Natur macht.

Häufig gestellte Fragen
Warum singen Rotkehlchen auch im Herbst und Winter?
Rotkehlchen singen im Herbst und Winter hauptsächlich zur Verteidigung ihrer Winterreviere, zur Sicherung von Futterplätzen und zum Üben ihrer Gesangskünste. Hormonschwankungen spielen dabei ebenfalls eine Rolle.
Singen nur männliche Rotkehlchen?
Nein, sowohl männliche als auch weibliche Rotkehlchen singen. Im Herbst trennen sie sich vorübergehend und verteidigen dann jeweils ein eigenes Winterrevier, wobei der Gesang zur Reviermarkierung dient.
Was fressen Rotkehlchen in der kalten Jahreszeit?
Die Nahrung der Rotkehlchen ist vielseitig. Im Herbst und Winter erweitern sie ihr Spektrum an Insekten und Larven um weiche Früchte und Pflanzenteile. Sie sind zudem gern gesehene Gäste an Futterstellen in Gärten.