Der große Wikingermarkt und frühmittelalterliches Handwerk

Am Samstag/Sonntag, den 19./20.9.2026 finden im Archäologischen Freilichtmuseum (AFM) Oerlinghausen wieder die Wikingertage statt. Nun schon zum 31. Mal erwartet die Besucherinnen und Besucher ein großer Wikingermarkt mit zahlreichen renommierten Wikingerdarstellerinnen und -darstellern aus ganz Europa. Sie stellen das vielfältige Leben der Menschen im Frühen Mittelalter dar. Die Wikinger lagern auf dem Museumsgelände und präsentieren als Händler ihre Verkaufswaren oder geben Einblicke in frühmittelalterliche Handwerkstechniken: Besucherinnen und Besucher können etwa Schmieden dabei zusehen, wie sie aus glühendem Eisen nützliches Werkzeug herstellen. Auch Feuer machen, textile Techniken wie das Färben oder das hochkomplexe Brettchen-Weben werden hier anschaulich erklärt. In Modenschauen wird die Kleidung aus unterschiedlichen sozialen Schichten gezeigt und vor ihren historischen Hintergründen erläutert.

Kampfkunst, Falknerei und ein kultiviertes Wikingerbild

Highlights sind die Kampf- und Waffenschauen. Hier wird zum einen aufgezeigt, wie das frühmittelalterliche Militärwesen funktioniert hat und wie die einzelnen Waffentypen eingesetzt wurden. Und zum anderen wird demonstriert, wie der Zweikampf in der Praxis ausgesehen haben könnte. Die Schauen kommen dabei ohne die Verherrlichung des blutigen Handwerks aus. Als Walking Act läuft die Darstellung von frühmittelalterlicher Falknerei. Denn Falknerei war – ebenso wie andere höfische Tugenden – beim feinen Wikinger alles andere als unbekannt. Auch allgemein bekommt man in Oerlinghausen ein weitaus kultivierteres Wikingerbild geboten, als es aus den gängigen Filmen bekannt ist.

Spannende Mitmach-Aktionen für Groß und Klein

Zudem bieten die Wikinger und das Museum viele Mitmach-Aktionen an. So können Groß und Klein sich im Bogenschießen üben oder beim beliebten Hnefatafl-Brettspiel gegen einen „echten“ Wikinger antreten. Auch andere Wikingerspiele, bei denen man sich etwas mehr bewegen muss, werden angeboten. Eines davon ist Knattleikr – das Wikingerfußball. Diese Variante des Ballsports endete nach Auskunft der isländischen Sagas manchmal tödlich. Das Spiel wurde in der Regel über ganze Siedlungen und Eisflächen hinweg betrieben, der Ball war so beschaffen, dass er den Gegner ausknocken konnte. Ein anderes, nicht ganz historisches Spiel ist Kubb, das so genannte „Wikingerschach“, das eigentlich ein Wurfspiel ist. Kinder (und Erwachsene) können außerdem lernen, ihren eigenen Namen in Runenschrift zu schreiben, und ein solches Namenschild mit nach Hause nehmen. Weitere Mitmachaktionen sind etwa Knochenbearbeitung, Bandweben und sogar der Bau eines eigenen (kleinen) Wikingerschiffes. Ganz Mutige können das Wikinger-Blutbrot probieren, das nach einem Fund von Birka in Schweden im Lehmofen vor Ort gebacken wird.

Authentizität und Vielfalt – Eine einzigartige Atmosphäre

Einen besonderen Wert legen die Veranstalter bei diesem traditionsreichen Event auf die Atmosphäre. Von vielen kommerziellen Mittelaltermärkten unterscheiden sich die Oerlinghauser Wikingertage dadurch, dass die Darstellungen ausschließlich eine museumstypische Qualität haben. Bei den Oerlinghauser Wikingertagen treffen die Besucherinnen und Besucher auf möglichst wenige Klischees. Hier ist Vielfalt Trumpf. Sie begegnen nicht nur den klassischen Wikinger-Darstellern, sondern auch Slawen, Ostwestfalen, Kiewer Rus und vielleicht sogar einem Sarazenen. Dieses bunte Bild dürfte dem damaligen Leben recht nahekommen. Wenn an die Darstellerinnen und Darsteller anspricht, kommt eine verlässliche Auskunft zurück. Das ist der große Unterschied zu einer kommerziellen Mittelalterveranstaltung.

Wikingertage in Lippe: Zwischen Geschichte und Attraktion

Lippe gehört natürlich nicht zu den Kerngebieten wikingischer Kultur. Aber das Gebiet wurde von Wikingern durchkreuzt: 782 kam etwa ein Däne mit dem Namen Halfdan auf dem Hoftag Karls des Großen in Bad Lippspringe. „Wikinger“ ist für das Museum nur ein Reizwort, um den Leuten Lust aufs Frühmittelalter zu machen. Geboten bekommen sie dann ein umfassendes Bild von Mitteleuopa in dieser Zeit. Die Veranstaltung soll nicht nur das Bildungsbürgertum ansprechen. So etwas funktioniert nur mit einer für Alle verständlichen Botschaft – Wikingern eben.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

An beiden Tagen öffnet der Wikingermarkt um 10.00 Uhr und schließt um 18.00 Uhr. Die Eintrittspreise belaufen sich für Erwachsene auf 10,00 €. Eine Familienkarte kostet an diesem Wochenende 30,00 €.

Bärtiger Mann in orangefarbener Tunika schaut aus einem Lehmkuppelofen heraus auf dem Grasboden
Die Lehmöfen des Museums werden für frühmittelalterliches Brotbacken hergerichtet.

Häufig gestellte Fragen

Wann finden die Wikingertage im Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen statt?

Die Wikingertage finden am Samstag, den 19. September und Sonntag, den 20. September 2026 statt.

Was sind die Höhepunkte der Wikingertage?

Zu den Höhepunkten gehören Kampf- und Waffenschauen, die Darstellung frühmittelalterlicher Falknerei sowie vielfältige Mitmach-Aktionen wie Bogenschießen, das Hnefatafl-Brettspiel, Knattleikr und Runenschrift-Kurse.

Wie sind die Öffnungszeiten und Eintrittspreise für die Wikingertage?

Der Wikingermarkt ist an beiden Tagen von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10,00 € für Erwachsene; eine Familienkarte kostet 30,00 €.

Was unterscheidet die Oerlinghauser Wikingertage von kommerziellen Mittelaltermärkten?

Die Veranstalter legen besonderen Wert auf museumstypische Qualität und Authentizität. Die Darstellungen vermeiden Klischees und bieten ein umfassendes Bild des Frühmittelalters, inklusive der Begegnung mit Darstellern verschiedener frühmittelalterlicher Kulturen.