Gundermann. Fotos: NABU Leopoldshöhe, Petra Gehle und Ulrike Hoffmann ( Biologin und Buchautorin)
Naturinfo des NABU Leopoldshöhe
Ein genauer Blick auf eine unscheinbare Grünfläche am Parkplatz des Wichmann-Dentallabors in Leopoldshöhe offenbart eine überraschende Artenvielfalt. Was viele als gewöhnlichen Rasen abtun würden, entpuppt sich als lebendiger Hotspot für einheimische Wildpflanzen und ihre tierischen Besucher.
Blütenpracht als Lebensgrundlage
Besonders im Frühling fällt der Gemeine Gundermann mit seinen violetten Blüten auf, der von rund 40 Wildbienenarten, Hummeln und Bienen besucht wird und auch Schmetterlingen Nahrung bietet. Diese unterschätzte Pflanze war einst wertvoll für Küche und Hausapotheke.
Der allgegenwärtige Löwenzahn lockt über 100 Wildbienenarten an und liefert Nektar sowie Pollen, während seine Samen später Vögel wie Stieglitze ernähren. Auch das Kleine Mausohr-Habichtkraut wird ab Mai mit seinem hellgelben Blütenteppich über 30 Wildbienenarten und zahlreiche Schmetterlinge anziehen.
Weitere wichtige Pflanzen sind der Spitzwegerich, der über 80 Raupenarten nährt und als Heilkraut dient, sowie die ganzjährig blühenden Gänseblümchen und die frühe Nektarquelle Purpurrote Taubnessel, die über 40 Wildbienenarten anzieht.
Ein Plädoyer für natürliche Rasenflächen
Insgesamt konnten auf diesem vermeintlich banalen Rasenstück mindestens 18 verschiedene einheimische Wildpflanzen identifiziert werden. Dies widerlegt die gängige Annahme, dass Mäh-Rasen artenarm seien. Tatsächlich sind Arten von Kurzschnittrasen an den regelmäßigen Schnitt angepasst und entwickeln kontinuierlich neue Blüten.
Der Schlüssel liegt in der Pflege: Ungedüngte Scherrasen, die betreten werden dürfen, können das ganze Jahr über reichhaltige Nahrung und attraktive Blühaspekte bieten. Es sind keine teuren Samenmischungen nötig; offene Bodenstellen werden spontan von standortangepassten Wildpflanzen besiedelt. Für den Erhalt dieser Lebensgemeinschaften ist es entscheidend, nicht zu mulchen und Mähgut stets zu entfernen. Mähroboter sind dabei keine gute Wahl, weder für Igel noch für naturbewusste Gärtner.