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Bielefeld ehrt Wegbereiter der Vielfalt: Integrationspreis 2025 für herausragendes Engagement verliehen

27. Nov. 2025 | Bielefeld

Volles Haus im Rathaus: MediNetz, AK Asyl, Emine Gözen und die „Omas gegen Rechts“ als verdiente Preisträger ausgezeichnet – Appell für Zusammenhalt und gegen Ausgrenzung

Verleihung des Bielefelder Integrationspreises 2025

Mit einer festlichen Zeremonie wurden am Donnerstag, dem 20.11.2025, im voll besetzten Ratssaal des Bielefelder Rathauses die diesjährigen Preisträger des Bielefelder Integrationspreises geehrt. Rund 250 geladene Gäste, darunter zahlreiche Vertreter aus Politik und Gesellschaft, verfolgten die Verleihung, die das unermüdliche Engagement für ein offenes und solidarisches Miteinander in der Stadt würdigt.

Die Preisträger des Jahres 2025

Die begehrte Auszeichnung ging in diesem Jahr an eine beeindruckende Riege von Akteuren: Das „MediNetz Bielefeld“ als Gruppe unter dem Dach des „AK Asyl“ sowie der „AK Asyl“ selbst wurden gemeinsam gewürdigt. Als Einzelperson wurde Emine Gözen, Gründerin der „Initiative für Frieden und Hoffnung“, ausgezeichnet, und die engagierte Gruppe der „Omas gegen Rechts“ erhielt ebenfalls einen der renommierten Preise.

Hintergrund und Dotierung des Integrationspreises

Der Bielefelder Integrationspreis, der seit dem Jahr 2015 verliehen wird, ist eine gemeinsame Initiative der Stiftung Solidarität bei Arbeitslosigkeit und Armut, des Integrationsrates und des Kommunalen Integrationszentrums im Dezernat für Soziales und Integration. Er richtet sich explizit an zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure, die durch kreative Projekte, nachhaltige Netzwerke oder niedrigschwellige Angebote maßgeblich dazu beitragen, soziale Spaltungen zu überwinden und demokratische Werte im Alltag nachhaltig zu verankern. Der Preis ist mit einer beachtlichen Summe von 10.000 Euro dotiert, die den Preisträgern die Fortsetzung ihrer wichtigen Arbeit ermöglicht.

Festliche Gestaltung und prominente Beteiligung

Die Bedeutung des Preises wurde durch die Anwesenheit und die Grußworte hochrangiger Persönlichkeiten unterstrichen. Bielefelds Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer hob die Relevanz von Integration für eine funktionierende Stadtgesellschaft hervor. Ebenso sprachen Prof. Dr. Andreas Beaugrand, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Solidarität bei Arbeitslosigkeit und Armut, sowie Murisa Adilović, Vorsitzende des Integrationsrates, ihre Anerkennung aus. Durch den festlichen Abend führte Moderator Timo Teichler, während die Musikerin Nadu für inspirierende musikalische und politische Impulse sorgte.

Eindrucksvolle Laudatio von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Ein besonderer Höhepunkt war die Laudatio der ehemaligen Bundesministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Sie betonte eindringlich, wofür die Preisträgerinnen und Preisträger an diesem Abend geehrt wurden: „Sie engagieren sich für ein friedliches Miteinander, für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und stehen auf gegen Ausgrenzung. Sie alle stehen stellvertretend für eine lebendige Zivilgesellschaft. Sie schauen nicht nur zu, wie sich das Zusammenleben zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und politischer Überzeugung gestaltet. Sie bringen sich ein, damit Vielfalt gelebt werden kann. Und Sie sind wachsam gegen Feinde der offenen Gesellschaft.“ In ihrer Rede legte sie zudem offen, was für das friedliche Zusammenleben in unserer Gesellschaft unerlässlich ist: „Respekt, gegenseitiges Vertrauen, Zusammengehörigkeitsgefühl und gemeinsame Verantwortung. Die Integration von Zugewanderten soll Chancengleichheit und die tatsächliche Teilhabe in allen Bereichen ermöglichen, insbesondere am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben.“

Abschließende Worte und Ausblick

In ihren abschließenden Worten unterstrich Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer die fortwährende Notwendigkeit von Integrationsarbeit. Sie hielt fest, dass Integration dort gelingt, „wo Menschen sich begegnen, einander zuhören und Brücken bauen.“ Die Stadtgesellschaft brauche genau das, was das diesjährige Motto so treffend beschreibt: „leidenschaftliches Engagement – gegen Ausgrenzung und für Zusammenhalt.“ Bis zur nächsten Verleihung des Integrationspreises werde Tag für Tag weiter an diesen Zielen gearbeitet.

Die Preisträgerinnen und Preisträger im Detail – MediNetz Bielefeld: Brückenbauer zur Gesundheitsversorgung

Das MediNetz Bielefeld, seit 2008 als ehrenamtliche Arbeitsgruppe des AK Asyl Bielefeld e.V. aktiv, setzt sich dafür ein, dass Gesundheit als Menschenrecht für alle gilt. Viele Geflüchtete erhalten oft über Jahre hinweg nur eine Notfallversorgung oder fallen gänzlich aus dem Gesundheitssystem heraus. MediNetz ermöglicht diesen Menschen einen angst- und barrierefreien Zugang zum Gesundheitswesen. Es ist telefonisch für Menschen ohne Krankenversicherung oder geklärten Aufenthaltsstatus in medizinischen Notlagen erreichbar und vermittelt sie an spezialisierte Ärztinnen und Ärzte. Das gemeinsame Ziel ist eine bedarfsgerechte medizinische Versorgung für alle, unabhängig von ihrem Status.

Die Auszeichnung würdigt das MediNetz Bielefeld dafür, dass es mit seinem niedrigschwelligen Angebot Diskriminierung aktiv entgegenwirkt und unversicherten Menschen in der Region den Zugang zu lebensnotwendiger medizinischer Versorgung eröffnet. Das Preisgeld, so die Hoffnung, wird dazu beitragen, weitere medizinische Behandlungen für Geflüchtete in Bielefeld zu finanzieren, da das Projekt ausschließlich durch Spenden finanziert wird.

AK Asyl: Unermüdlicher Einsatz für Geflüchtete 

Der AK Asyl, ein im November 2006 gegründeter Verein, ist eine feste Größe in der Beratung und Unterstützung von Geflüchteten in der Region Bielefeld. Als gemeinnütziger Verein finanziert er sich durch Spenden und Fördergelder, lebt aber vor allem vom herausragenden Engagement zahlreicher ehrenamtlicher Mitarbeitender. Diese Ehrenamtlichen sind das Rückgrat des Vereins und ermöglichen seine kontinuierliche Arbeit.

Der Verein erhält den Integrationspreis als Anerkennung dafür, dass er sich trotz massiver Landeskürzungen seit 2024 und unsicherer Räumlichkeiten weiterhin mit vollem Einsatz ehrenamtlich für Geflüchtete engagiert. Sie machen auf diejenigen Menschen aufmerksam, die derzeit entgegen humanitärer Grundsätze an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, und bieten ihnen eine wichtige Stütze.

Emine Gözen: Eine treibende Kraft für Frieden und Hoffnung 

Emine Gözen ist nicht nur die Vorstandsvorsitzende des Vereins Initiative Frieden und Hoffnung e.V., sondern auch die unermüdliche treibende Kraft hinter sämtlichen Projekten des Vereins. Seit der Gründung im Jahr 2016 setzt sie mit beispiellosem Engagement die Ziele des Vereins sowohl in Bielefeld als auch in den herausfordernden Projektregionen im Nordirak und in Nordostsyrien um. Ihr Engagement umfasst den Aufbau eines breiten Netzwerks mit lokalen Partnern, medizinischem Personal, Pädagoginnen und Pädagogen, Lehrkräften sowie zivilgesellschaftlichen Akteuren.

In Deutschland engagiert sich Emine Gözen besonders für Völkerverständigung, den interkulturellen Dialog und die politische Bildung, wodurch sie aktiv zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts beiträgt. Ihr jahrzehntelanges Engagement zeichnet sich durch seine Tiefe und Selbstlosigkeit aus, weshalb Emine Gözen diesen Integrationspreis als Einzelperson mehr als verdient hat.

Omas gegen Rechts: Wächterinnen der Demokratie 

Die Initiative „Omas gegen Rechts“ ist eine zivilgesellschaftliche und überparteiliche Bewegung, die sich aktiv in den politischen Diskurs einmischt. Ihr Kernanliegen ist die Erhaltung der sozialen Standards und demokratischen Werte, die von früheren Generationen teils bitter erkämpft wurden. Ihr Engagement wirkt als Brücke der Menschlichkeit und ist ein wichtiges Zeichen der Hoffnung für viele Menschen in Bielefeld, die sich für eine offene und tolerante Gesellschaft einsetzen.

Der Preis würdigt ihren unermüdlichen Einsatz für die Zukunft der Kinder- und Enkelkindergeneration. Sie treten entschieden für eine demokratische, rechtsstaatlich organisierte und freie Gesellschaft ein. Ihr Kampf richtet sich gegen Ausgrenzung, Diskriminierung, Rassismus und Sozialabbau. Mit vielfältigen und geeigneten Methoden machen sie Missstände in Politik und Gesellschaft öffentlich sichtbar und fordern zum Handeln auf.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Ingo Nürnberger, Dezernent für Soziales und Integration der Stadt Bielefeld. Foto: Stadt Bielefeld
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