Der Heimathof wurde zum Herzstück des Vereins – Vom historischen Hof zum kulturellen Zentrum

8. Juli 2026 | Leopoldshöhe

Verzierter Holzbogen mit Inschrift als Eingang zu historischen Fachwerkhäusern mit gepflegtem Garten

Jubiläumsreihe zu 50 Jahre Heimatverein Leopoldshöhe

Der Heimathof Leopoldshöhe ist ein leuchtendes Beispiel bürgerschaftlichen Engagements und lebendiger Tradition. Der Name „Heimathof Leopoldshöhe“ ist seit 1992 untrennbar mit dem bürgerschaftlichen Engagement und der Bewahrung lippischer Geschichte verbunden. Was damals als visionäre Idee des Heimatvereins Leopoldshöhe in politischen Diskussionen aufkeimte, hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten zu einem weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannten Kleinod entwickelt. Dieses einzigartige Zentrum kultureller Identität und lebendiger Gemeinschaft ist das Ergebnis unermüdlicher Arbeit und tief verwurzelter Liebe zur Heimat. Wir beleuchten die faszinierende Entstehungsgeschichte dieses besonderen Ortes, der heute als Herzstück des lokalen Kulturlebens gilt.

Die tiefen Wurzeln des Eickmeyer’schen Hofes

Die Grundlage des heutigen Heimathofes bildet der ehrwürdige Hof Eickmeyer, dessen Ursprünge als Hof Beermann bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen. Gelegen in der alten Bauerschaft Hovedissen, zählte er zu den historischen Hagenhöfen von Krentruperhagen. Eine erste urkundliche Erwähnung findet sich bereits zu Beginn des 15. Jahrhunderts, als der Hof die Wirren der Everstein’schen Fehde trotz schwerer Beschädigungen überstand. Historische Dokumente wie das Landschatzgesetz von 1535, das ihn als „de Beermann“ führt, und das Salbuch von 1616/17, wo er als „Behermann“ verzeichnet ist, zeugen von seiner langen und bewegten Vergangenheit. Auch bei der Volkszählung von 1910 war der Hof noch ein lebendiges landwirtschaftliches Zentrum, bewohnt von Landwirt Friedrich Beermann, seiner Familie und mehreren Bediensteten. Im Jahr 1940 erbte Helene Beermann das Anwesen und führte es mit ihrem Mann, Landwirt Eickmeyer aus Nienhagen, weiter. Die Familie Eickmeyer bewirtschaftete den Hof bis 1988, ehe die Gemeinde Leopoldshöhe das gesamte Areal samt den zugehörigen Ackerflächen erwarb. Nach einer kurzen Nutzung als Übergangswohnheim bis 1995 standen die Hofgebäude leer und ihr baulicher Zustand verschlechterte sich zusehends, was dringenden Handlungsbedarf signalisierte.

Die Geburtsstunde des Heimathofes: Eine Vision wird Realität

Angesichts des drohenden Verfalls wurden vielfältige Überlegungen angestellt, wie die historische Hofanlage gerettet und einer neuen, sinnvollen Nutzung zugeführt werden könnte. Es waren lokale Vereine, allen voran der Heimatverein Leopoldshöhe, die sich aktiv in diese Diskussionen einbrachten und innovative Nutzungskonzepte entwickelten. Der entscheidende Impuls kam Anfang der 90er-Jahre vom Heimatverein selbst: Die Idee, den Hof in einen „Heimathof“ zu verwandeln. Dieser Vorschlag fand glücklicherweise bei der Gemeinde Leopoldshöhe, dem Eigentümer des Areals, fruchtbaren Boden. Schon bald darauf wurde ein Nutzungsvertrag zwischen der Gemeinde und dem Heimatverein geschlossen, der den Weg für die bevorstehenden umfangreichen Arbeiten ebnete. Der Grundstein für das heutige Ensemble war gelegt.

Aufbau und Entwicklung: Engagement, das verbindet

Die Transformation begann im März 1992 mit dem Bau eines Grillplatzes, der ausschließlich in ehrenamtlicher Tätigkeit von den engagierten Mitgliedern des Heimatvereins errichtet wurde. Ein überdachter Grill, die Umgestaltung der alten Wagenremise zu einer Schutzhütte und eine gemütliche Feuerstelle bildeten das erste Ensemble, das schnell zum Treffpunkt wurde. Der nächste große Schritt folgte mit der Umgestaltung des historischen Backhauses, einem Gebäude aus dem Jahr 1842, das einst als Schweinestall diente und einen angebauten Backofen besaß. Die Renovierungsarbeiten begannen im Jahr 1993 und wurden ebenfalls in hunderten von Stunden Eigenleistung durch die Mitglieder des Heimatvereins gestemmt. Am Ende dieser Phase stand ein einladender kleiner Fest- und Veranstaltungsraum, komplett mit einer Küche, der ursprünglich sowohl für Vereinsaktivitäten als auch für private Feiern der Bürgerinnen und Bürger vorgesehen war (eine Option, die heute leider nicht mehr besteht). Im Jahr 1994 wurde zudem der alte Backofen mit viel Liebe zum Detail wiedererrichtet, was die Authentizität des Ortes zusätzlich unterstreicht.

Der Heimathof heute: Ein lebendiges Zentrum für alle Generationen

Seit seiner Gründung hat sich der Heimathof Leopoldshöhe zum Zuhause des Heimatvereins und zu einem offenen Treffpunkt für die gesamte Bürgerschaft entwickelt. Ein wesentlicher Pfeiler dieser Entwicklung ist die Dienstagsgruppe, eine Gemeinschaft von Ehrenamtlichen, die seit rund drei Jahrzehnten unermüdlich für die Pflege, Instandhaltung und Weiterentwicklung der gesamten Anlage sorgt. Ihr Engagement ist beispielhaft und sichert den Fortbestand dieses kulturellen Schatzes. Erst 2021 errichteten sie gemeinsam den Torbogen, der heute den Eingang zum Gelände schmückt. Heute präsentiert sich der Heimatverein moderner und vielfältiger denn je. Mit mehr als 30 regelmäßigen Angeboten, zahlreichen Fachgruppen und großen, traditionsreichen Veranstaltungen wie dem Osterfeuer, dem Mäh- und Dengelwettbewerb oder dem Kartoffel- und Dreschfest prägt der Verein das soziale und kulturelle Leben in Leopoldshöhe maßgeblich. Dieses bemerkenswerte Engagement wurde bereits mehrfach gewürdigt, unter anderem mit dem renommierten Heimatpreis des Lippischen Heimatbundes und dem Bundespreis für nachhaltiges Heimatengagement, was die überregionale Bedeutung und Vorbildfunktion des Heimathofes unterstreicht.

Neben all diesen Aktivitäten beherbergt der Heimathof auch ein Heimatmuseum. Hier bewahrt der Verein zahlreiche Zeugnisse der ländlichen Arbeits- und Alltagskultur vergangener Generationen. Das Museum macht Geschichte nicht nur sichtbar, sondern auch erlebbar und trägt so maßgeblich dazu bei, das kulturelle Erbe für kommende Generationen zu bewahren und zugänglich zu machen. Der Heimathof Leopoldshöhe ist somit weit mehr als nur eine Ansammlung historischer Gebäude; er ist ein pulsierendes Herz der Gemeinde, das Tradition und Moderne harmonisch miteinander verbindet und den Geist der Gemeinschaft lebt und atmet.

Altes Fachwerkhaus mit freigelegten Balken und Gerüst, daneben ein weißes Gebäude, davor eine baustellenartige
Der Heimathof 1997 – Eine Verwandlung vom historischen Hof zum kulturellen Zentrum
Historischer Heimathof mit Fachwerk und Ziegelmauern, Holztüren, altem Ziegeldach, umgeben von Gras und Sträuchern
Das Backhaus aus dem Jahr 1842 diente zu Hof-Zeiten als Schweinestall.
Gruppe von 13 lächelnden Männern vor der großen Holztür eines Fachwerk-Heimathofs
Instandsetzung des Heimathofes durch engagierte Mitgliedern des Heimatvereins.
Historisches Fachwerkhaus mit breitem Holztor und Giebel, daneben parkt ein grünes Auto vor Bäumen
Das Museum vor der Instandsetzung 1996 – 1999
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