Ein Spezialist, der auf intakte Biotope angewiesen ist – „Libelle des Jahres 2026“ ist die Winterlibelle

8. Feb. 2026 | Leopoldshöhe

NABU Leopoldshöhe  – Naturinfo

Während die meisten Libellenarten nur in den warmen Monaten zwischen Mai und September die heimischen Gewässer bevölkern, hält die Natur eine faszinierende Ausnahme bereit. Der NABU Leopoldshöhe stellt mit der Winterlibelle einen echten Überlebenskünstler vor, der zum Titelträger „Libelle des Jahres 2026“ erkoren wurde. Im Gegensatz zu ihren sommerlichen Verwandten sind diese Insekten auf ganz spezielle Überwinterungsstrategien und intakte Biotope angewiesen.

Einzigartige Überlebensstrategie 

Die Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca) ist hierzulande einzigartig: Sie ist die einzige Libellenart in Deutschland, die als ausgewachsenes Tier überwintert. Die Insekten schlüpfen bereits im Spätsommer (Juli/August) und suchen im Herbst Schutz an Waldrändern, unter Baumrinden oder in trockener Vegetation. Dort verfallen sie in eine Kältestarre. Dabei können sie, perfekt getarnt durch ihre bräunliche Färbung, Minusgrade überstehen – selbst wenn sie von Raureif überzogen werden oder komplett einschneien.

Durch diese Strategie erreichen die Tiere ein für Insekten beachtliches Alter von bis zu elf Monaten. Sobald die ersten warmen Frühlingstage im März anbrechen, werden sie wieder aktiv.

Fortpflanzung und Nachwuchs 

Mit der Frühlingssonne beginnt die Paarungszeit. Die Eiablage erfolgt in einer sogenannten Tandemformation: Das Paar fliegt gemeinsam zur Wasseroberfläche, wo das Weibchen die Eier in abgestorbenes Pflanzensubstrat ablegt, während das Männchen den Vorgang bewacht und die Partnerin bei Gefahr schützt. Die neue Generation schlüpft im Sommer, womit sich der Kreis schließt.

Die seltene Verwandte: Ein Eiszeitrelikt

Neben der Gemeinen Winterlibelle existiert die deutlich seltenere Sibirische Winterlibelle (Sympecma paedisca). Sie gilt als Eiszeitrelikt und ist in Nordrhein-Westfalen extrem rar und vom Aussterben bedroht. In Ostwestfalen-Lippe ist sie lediglich als Ausnahmegast zu erwarten. Diese Art stellt deutlich höhere Ansprüche an ihren Lebensraum und bevorzugt nährstoffarme Moorgewässer. Sie ist besonders durch Nährstoffeinträge und den Verlust traditioneller Nutzungsformen gefährdet.

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