Neugier geweckt: der Kochtopf auf dem Herd, die heiße Teetasse auf dem Tisch oder brennende Kerzen - die eigene Wohnung birgt zahlreiche Gefahren für Kinder. Besonders betroffen sind die Ein- bis Fünfjährigen. Foto: AOK/Colourbox/hfr
Kindersicherheitstag am 10. Juni: Trügerische Sicherheit in den eigenen vier Wänden
Westfalen-Lippe. Ein plötzlicher Schrei aus dem Kinderzimmer – für viele Eltern ist dies eine Schrecksekunde, die die vermeintliche Sicherheit der eigenen vier Wände jäh infrage stellt. Tatsächlich gehören Unfälle zu den größten Gesundheitsrisiken für Kinder, und entgegen der allgemeinen Annahme ereignen sich die meisten davon nicht im Straßenverkehr, sondern direkt im häuslichen Umfeld.
Anlässlich des Kindersicherheitstages am 10.6.2026 macht die AOK NordWest auf diese unterschätzte Gefahr aufmerksam. Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes, die von der AOK NordWest veröffentlicht wurden, zeichnen ein alarmierendes Bild: Im Jahr 2024 wurden in Westfalen-Lippe insgesamt 1.232 Kleinkinder bis zehn Jahre mit Verbrennungen und Verbrühungen ins Krankenhaus eingeliefert. Besonders betroffen ist die Altersgruppe der Ein- bis Fünfjährigen, auf die 71 Prozent dieser Krankenhauseinweisungen entfielen.
Unfallgefahr zuhause oft unterschätzt
„Eltern denken in erster Linie an Stürze oder Unfälle im Straßenverkehr, wenn es um die Sicherheit ihrer Kinder geht. Tatsächlich aber lauern viele Unfallgefahren für Kinder im häuslichen Umfeld“, warnt Matthias Wehmhöner, Serviceregionsleiter der AOK NordWest. Die natürliche Neugier der Kinder kann alltägliche Gegenstände schnell in Risikofaktoren verwandeln: Eine heiße Kaffeetasse, brutzelndes Fleisch in der Pfanne, brennende Kerzen, der Kamin oder ein heißes Bügeleisen – all dies kann zu schweren Verbrennungen oder Verbrühungen führen. Daten aus dem Jahr 2023 zeigen zudem, dass Jungen mit über 54 Prozent der Behandlungsfälle häufiger betroffen sind.
Die AOK NordWest appelliert an Eltern, ihre Wohnung aus der Perspektive eines Kindes zu betrachten, um potenzielle Gefahrenquellen frühzeitig zu erkennen und zu eliminieren. Vorausschauendes Handeln ist hierbei von größter Bedeutung.
Richtig handeln bei Verbrennungen und Verbrühungen
Sollte es dennoch zu einem Unfall kommen, ist schnelles und besonnenes Handeln entscheidend. Zunächst gilt es, Ruhe zu bewahren und das Kind zu beruhigen. Bei Verbrennungen sollte in Brand geratene Kleidung sofort mit Wasser gelöscht oder die Flammen mit einer Decke erstickt werden. Bei Verbrühungen muss die mit heißer Flüssigkeit durchtränkte Kleidung rasch, aber vorsichtig ausgezogen werden.
Wichtig bei der Kühlung: Kleinflächige Verbrennungen, beispielsweise am Finger, sollten zehn bis 15 Minuten lang mit handwarmem Wasser (mindestens 15 Grad Celsius) gekühlt werden. Bei großflächigen Verbrennungen, insbesondere bei Neugeborenen und Säuglingen, ist keine Kühlung ratsam, da dies zu einer gefährlichen Unterkühlung führen kann. Stattdessen sollten betroffene Körperteile mit einem keimfreien Verbandtuch abgedeckt werden.
„Bei größeren Verbrennungen sollten Eltern schnell den Notruf 112 wählen“, betont Wehmhöner eindringlich. Er warnt zudem davor, Brandsalben, Brandbinden, Öl oder vermeintliche Hausmittel wie Mehl oder Puder auf die Wunde aufzutragen, da diese die Hitze im Gewebe einschließen und die Heilung behindern können.
Weitere detaillierte Informationen und wertvolle Tipps zur Kindersicherheit finden Eltern bei der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG). Mehr Sicherheit für Kinder e.V. unter www.kindersicherheit.de