Amsel, Rotkehlchen, Schwanzmeise und Specht im Baum: Fotos: NABU Leopoldshöhe, Petra Gehle und Ewald Thies
NABU Leopoldshöhe bilanziert Trends für NRW und den Kreis Lippe
Die Ergebnisse der „Stunde der Wintervögel“ 2026 liegen frisch vor und zeichnen ein zwiespältiges Bild der heimischen Vogelwelt. Während der NABU einen erfreulichen Teilnehmerrekord mit bundesweit über 140.000 und in NRW rund 26.700 Naturfreunden verzeichnet, geben die gezählten Bestände Anlass zur Sorge. Das wachsende Interesse am Naturschutz steht in einem harten Kontrast zur Realität in den Gärten: Die Anzahl der Vögel pro Garten sinkt kontinuierlich.
Sorgenkind Haussperling
Besonders alarmierend ist die Entwicklung beim Haussperling. „Dass die Sichtungen nun auch in der Fläche einbrechen, macht uns große Sorgen“, betont der NABU Leopoldshöhe. Im Vergleich zum Vorjahr wurden bundesweit 15 Prozent und in NRW sogar 26 Prozent weniger Haussperlinge gesichtet. Nur noch in 40 Prozent der nordrhein-westfälischen Gärten wird der „Spatz“ überhaupt beobachtet, und die Bestandsrückgänge setzen sich auch beim Feldsperling fort.
Gewinner und lippische Besonderheiten
Positive Nachrichten gibt es hingegen bei Kohlmeisen (+20 Prozent in NRW) und Amseln (+14 Prozent), die sich von den Verlusten der Vorjahre erholen. Im Kreis Lippe profitierte besonders die Kohlmeise von der Frostperiode und belegte Platz 1 der Zählungen, gefolgt vom Haussperling und der Amsel. Eine lippische Besonderheit bleibt die Waldnähe: Dank Teutoburger Wald und Eggegebirge wurden hier überdurchschnittlich viele Buntspechte, Kleiber und Eichelhäher an den Futterstellen registriert.
Historischer Tiefstand trotz „voller Hütten“
Trotz der winterlichen Witterung, die üblicherweise für Hochbetrieb an den Futterhäuschen sorgt, liegt die durchschnittliche Vogelzahl pro Garten auf einem historisch niedrigen Niveau. Wurden zu Beginn der Zählaktion vor 16 Jahren noch rund 40 Vögel pro Garten in NRW gezählt, sind es heute knapp 30 Exemplare. Etliche besorgte Anrufer aus Leopoldshöhe, Helpup und Salzuflen berichteten von verwaisten Futterstellen. Die Experten führen dies auf den allgemeinen Insektenschwund, fehlende Nistmöglichkeiten und den Verlust naturnaher Gärten zurück.
„Die kontinuierliche Abnahme der Vögel pro Garten zeigt deutlich, dass unsere Vogelwelt unter Druck steht“, resümiert der Naturschutzbund. Vögel fungieren als Bioindikatoren für den Zustand der Natur. Der NABU fordert daher, bewährte Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität endlich im großen Maßstab umzusetzen.
Wer ungewöhnliche Beobachtungen gemacht hat, kann sich unter E-Mail: info@nabu-leopoldshoehe.de melden.