Fast jeder fünfte Schulanfänger benötigt Sprachtherapie

30. Jan. 2026 | Gesundheit

Alarmierende Zahlen aus Lippe und Bielefeld

Die sprachliche Entwicklung ist ein entscheidender Baustein für den Erfolg in der Schule und das soziale Miteinander.

Eine aktuelle Auswertung der AOK NordWest für das Jahr 2024 offenbart jedoch alarmierende Zahlen: Fast jeder fünfte Schulanfänger im Kreis Lippe und in Bielefeld war rund um den Schulbeginn auf eine Sprachtherapie angewiesen. Für rund 19 Prozent der Sechsjährigen standen somit nicht nur Rechnen und Schreiben, sondern auch das Erlernen des richtigen Sprechens auf dem Stundenplan.

Ein genauerer Blick auf die Statistik zeigt deutliche Geschlechterunterschiede

Jungen sind signifikant häufiger betroffen: Im Kreis Lippe erhielten 22,2 Prozent der männlichen Schulanfänger eine Therapie, in Bielefeld waren es sogar 29,8 Prozent. Bei den Mädchen lagen die Werte bei 15,8 Prozent (Lippe) beziehungsweise 24,4 Prozent (Bielefeld).

AOK-Serviceregionsleiter Matthias Wehmhöner betont die Wichtigkeit der Maßnahmen: „Logopädie kann Kindern helfen, sich besser auszudrücken, selbstbewusster zu werden und Anschluss in der Kita oder Schule zu finden.“

Vielfältige Störungsbilder

Sprachstörungen können sich auf sehr unterschiedliche Weise manifestieren. Besonders weit verbreitet sind Artikulationsstörungen, bei denen Kinder Schwierigkeiten haben, bestimmte Laute korrekt zu bilden. Wenn zusätzlich Defizite im Satzbau oder Wortschatz auftreten, liegt oft eine Sprachentwicklungsstörung vor. Die wohl bekanntesten Formen sind Redeflussstörungen, die sich durch Stottern (Sprechblockaden) oder Poltern (hastiges, undeutliches Sprechen) bemerkbar machen.

Frühe Diagnose und Prävention

Die Verordnungen für Sprachtherapien beginnen meist ab dem vierten Lebensjahr und erreichen ihren Höhepunkt im Alter von sechs Jahren. Fachleute diskutieren seit Jahren über die Ursachen dieser hohen Zahlen – von tatsächlich verschlechterten Fähigkeiten bis hin zu gestiegenen Anforderungen und einem sensibleren Diagnoseverhalten.

Um Entwicklungsstörungen vorzubeugen, appelliert Wehmhöner an Eltern und Erzieher, präventive Maßnahmen zu ergreifen. „Das gemeinsam Lesen oder Vorlesen statt Fernsehen sollte nicht unterschätzt werden“, so der Experte. Dies sei ein einfacher, aber effektiver Weg, um die sprachliche Kompetenz der Kinder frühzeitig zu fördern.

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