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— Haus schließt sich Kampagne »Alles beginnt im Zentrum« an —

30. Nov. 2025 | Kurz notiert

KNUP macht sich stark gegen Bedrohung

Im kommenden Jahr feiert das selbstverwaltete Zentrum KNUP (vormals JZO) sein 50-jähriges Bestehen. In diesen fünf Jahrzehnten war die Zukunft des Hauses immer wieder gefährdet – doch selten stand die Selbstverwaltung so sehr unter Druck wie heute. „Und gleichzeitig war sie noch nie so wichtig wie jetzt“, erklärt das KNUP in einer Pressemitteilung. Denn die Bedrohung von Kulturzentren, selbstverwaltete Jugendzentren, unkommerzielle Bühnen ist durch rechten politischen Druck real: Kürzungen von Fördermitteln, fehlende politische Unterstützung, Immobiliendruck, gesellschaftliche Polarisierung und rechte Gewalt.

Um dem gemeinsam entgegenzutreten, hat sich das KNUP der bundesweiten Kampagne »Alles beginnt im Zentrum« angeschlossen. Unter diesem Motto schließen sich zahlreiche alternative Kulturzentren, Künstler*innen und Musiker*innen zusammen – darunter bekannte Namen wie Tocotronic, Die Goldenen Zitronen und Schauspieler Robert Stadlober. Initiiert wurde die Kampagne von der MONOM Stiftung und dem Leipziger Kulturzentrum Conne Island. Ziel ist es, einen solidarischen Fördertopf aufzubauen, der selbstverwaltete Jugend- und Kultureinrichtungen stärkt – besonders dort, wo Angriffe und gestrichene Förderungen finanzielle Lücken reißen.

Orte der Kritik und des Miteinanders

Viele Menschen verbinden mit Häusern wie dem KNUP prägende Erinnerungen – das erste Konzert, politische Diskussionen oder gemeinsames Engagement. Das Zentrum wird von Ehrenamtlichen getragen und ist als gemeinnütziger Verein organisiert. „In selbstverwalteten Zentren liegen die Wurzeln der kulturellen Landschaft“, heißt es vom KNUP. „Alle fangen klein an – und so beginnt es auf unserer Bühne!“ Alternative Zentren seien zugleich Lernorte der Demokratie, an denen junge Menschen Verantwortung übernehmen und Projekte gegen Diskriminierung anstoßen können. „Für viele ist das KNUP ein Raum der Selbstbestimmung – selbstorganisiert und unabhängig“, betonen die Aktiven.

Die MONOM Stiftung betont die zentrale Bedeutung selbstverwalteter Kultur- und Begegnungsorte für eine lebendige Zivilgesellschaft. Diese Räume seien, so die Stiftung, weit mehr als nur Orte für Musik, Kunst oder Feiern – sie sind Keimzellen gesellschaftlichen Engagements und Orte des Lernens. „Diskussionen und Auseinandersetzungen, die an selbstverwalteten Orten stattfinden, sind unersetzlich. Hier beginnen zivilgesellschaftliche Initiativen. Hier können Menschen unabhängig vom Geldbeutel, Herkunft oder sexueller Orientierung feiern, sich organisieren und weiterbilden“, heißt es in einem Statement der Stiftung. Gerade außerhalb großer Städte, wie in Oerlinghausen, übernehmen diese Orte eine tragende Rolle im kulturellen Leben. Sie bieten Konzerte, Partys und Lesungen zu solidarischen Preisen an und schaffen Freiräume, in denen junge Menschen experimentieren, scheitern und wachsen können. „Ohne Orte, an denen junge Menschen auch mal scheitern und daraus lernen können, fehlt der Raum, an dem man überhaupt auf die Idee kommt, Gesellschaft ganz anders zu sehen“, so die Stiftung weiter.

Kultur als Angriffsziel von Rechts

In letzter Zeit kommt es vermehrt zu Angriffen auf selbstverwaltete Zentren. Allein das KNUP berichtet von 12 Angriffen in den vergangenen 18 Monaten auf das Soziokulturelle Zentrum an der Detmolder Straße. Darunter fallen Sachbeschädigungen mit Verbindungen zur extremen Rechten, Aufkleber, Vorfälle bei einer privaten Feier und rechte Kommentare. „Der Zeitaufwand für Dokumentation, Anzeigen bei der Polizei, Staatsschutz ist enorm“, so das KNUP. Statistiken zeugen von stark steigenden Zahlen von rechtmotivierten Angriffen, darunter Vandalismus, Schmierereien und auch Brandanschläge und körperliche Angriffe auf Besucher*innen alternativer Kneipen – die Liste ist lang. Gewalt gegen als nicht-rechts wahrgenommene Zentren gibt es in ganz Deutschland.

Bei einer Umfrage unter Jugendlichen zur aktuellen Lebenswelt junger Menschen, die das KNUP an den weiterführenden Schulen, wie der Heinz-Sielmann-Schule und dem Niklas-Luhmann-Gymnasium, sowie der Leopoldshöher Felix-Fechenbach-Gesamtschule, durchführte, kam es zu zahlreichen rechten Beiträgen. „Hierbei lag der Fokus oftmals mit AfD-Bezug.“, resümiert das KNUP. „Gleichzeitig machen die Umfrageergebnisse Mut, denn viele Themen die Schüler*innen interessieren, gehören zu den aktuellen Schwerpunkten des Hauses.“, so die Aktiven vom Soziokulturellen Zentrum. Insbesondere in den vergangenen Jahren erreichte das KNUP eine Menge Zuspruch. „Vielen sei die Wichtigkeit eines solchen Hauses als lokaler Ort der Vielfalt bewusst geworden“, so das KNUP.

Druck von politischer Seite

Die MONOM Stiftung warnt vor einer zunehmenden Gefährdung unabhängiger Kultur- und Jugendarbeit in Deutschland. Neben allgemeinen finanziellen Kürzungen geraten besonders Vereine unter Druck, die mit marginalisierten Gruppen arbeiten oder sich für gesellschaftliche Vielfalt einsetzen. In diesem Bereich werde oft zuerst gespart, sobald Haushalte verhandelt werden, so die Stiftung. Organisationen, die sich gegen Ideologien der Ungleichheit engagieren oder Kultur jenseits des Mainstreams schaffen, hätten es „doppelt schwer“: Sie leiden sowohl unter finanziellen Einbußen als auch unter einem zunehmend feindseligen politischen Klima. Zudem wachse das Misstrauen gegenüber kritischer und emanzipatorischer Kulturarbeit. Der politische Druck auf unabhängige Einrichtungen nehme spürbar zu – etwa durch Kleine Anfragen in Bundestag und Landtagen, die zivilgesellschaftliche Akteure in Misskredit bringen sollen. So stellte die CDU/CSU im Februar 2025 eine umfangreiche Kleine Anfrage zu NGOs, die genau in diese Richtung zielt. Immer wieder werde behauptet, der Staat unterstütze sogenannte Linksextremisten. Gleichzeitig würden grundlegende Formen gesellschaftlichen Engagements politisiert: Förderungen würden infrage gestellt, wenn Vereine über queere Liebe informieren oder zu Demonstrationen gegen den Rechtsruck aufrufen. Diese Entwicklung gefährde die demokratische Kultur, warnt die Stiftung. Wo Parteien Engagement für Migrant*innen, queere Jugendliche oder nicht-mainstreamige Kultur gering schätzen und über Fördergelder mitentscheiden, komme es verstärkt zu Kürzungen.

„Kulturinstitutionen sind Einflugschneisen für Rechte.“, teilt das KNUP mit. Dieses zeigte auch der erstmalige Wahlantritt der AfD in Oerlinghausen. In einem Beitrag der AfD Lippe wurde Bezug auf das Archäologische Freilichtmuseum und ein (in Oerlinghausen nicht vorhandenes) Theater genommen. „Dagegen müssen wir uns wehren und uns gleichzeitig schützen. Das ist ein zivilgesellschaftlicher Auftrag“, so das KNUP, „Haltung, Solidarität und Netzwerken sind ein Muss für Oerlinghausen!“

Aufruf zu Spenden oder Mitgliedschaften

Um sich gegen die politischen Entwicklungen zu wehren, bedarf es auch finanzielle Unabhängigkeiten. Neben Spenden für die bundesweite Kampagne »Alles beginnt im Zentrum«, die alle Zentren unterstützt, hebt das KNUP insbesondere den lokalen Support hervor. „Fördermitgliedschaften sind von großer Bedeutung für die zukünftige Arbeit“, und ruft gleichzeitig zu einer nachhaltigen Verbindung zum KNUP auf, „werdet Fördermitglied, kommt vorbei, redet über das KNUP, spendet Zeit oder Geld, schreibt dem KNUP!“

In den kommenden Monaten plant das KNUP, gezielt ehemalige Aktive für Fördermitgliedschaften zu gewinnen und Musiker*innen über die solidarische Kampagne zu informieren. Mitgliedsanträge finden sich auf der Website vom KNUP: www.knup.org. Die Website der Kampagne lautet www.alles.biz.

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