
Das Schild bescheinigt den Kita-Beschäftigten und der Leiterin Nicole Reiß (4. v. rechts), Experten für Neurokinetik zu sein. Foto: Privat
AWO-Kita geht neue Wege
Oerlinghausen (kd). Das AWO-Familienzentrum Helpup ist die erste neurokinetische Kita in Ostwestfalen-Lippe. Gemeint ist „bewegtes Gehirntraining“. Durch praktische Übungen werden zugleich Motorik und Verstand der Kinder angeregt. Auch das Lernen fällt leichter.
Wie die Idee entstand und umgesetzt wurde
Durch Zufall ist Kita-Leiterin Nicole Reiß auf das ganzheitliche Bewegungstraining aufmerksam geworden. In ihrem Sportverein hat der DJK Sportverband Diözesanverband Paderborn eine solche Fortbildung durchgeführt. Als sie ihren Kolleginnen davon berichtete, stand sofort fest: „Darüber möchten wir mehr erfahren.“ Die Trainerin Beate Esch wurde eingeladen, sie stellte die Inhalte vor und begeisterte das Team sofort. „Wir fanden das Konzept so interessant, dass wir beschlossen, uns zertifizieren zu lassen“, berichtet der stellvertretende Kita-Leiter Torben Mertelsmann.
Für die zweitägige Fortbildung des DJK hat die Kita Finanzmittel aus dem eigenen Budget eingesetzt. Alle 15 Beschäftigten haben anschließend das Zertifikat erhalten.
Neurokinetik im Kita-Alltag
„Die kleinen Übungen werden spielerisch in den Kita-Alltag integriert“, sagt Mertelsmann. „Mal in der gesamten Gruppe, mal im Morgenkreis oder zum Beispiel beim Warten auf das Mittagessen. Und die Kinder machen total gern mit.“
Praktische Übungen und Spiele
Einige Beispiele: Die hochgestellten Mittel- und Zeigefinger der linken Hand bilden die „Ohren“ eines Hasen. Daumen und Zeigefinger der rechten Hand bilden die „Pistole“ eines Jägers. Im schnellen Wechsel müssen dann die Rollen und somit die Fingerfiguren getauscht werden.
Die meisten Aufgaben sind mit viel Bewegung verbunden. Beim Spiel „Autofahren“ werden vier Kinder und vier Stühle benötigt. Fahrer und Beifahrer sitzen vorn, zwei befinden sich dahinter und alle haben eine individuelle Nummer. Wird eine neue Zahl aufgerufen, muss sich die Gruppe so drehen, damit das betreffende Kind den Fahrerplatz einnehmen kann.
Die vielfältigen Vorteile des neurokinetischen Trainings
Mit Hilfe des Programms können die motorischen Fähigkeiten, die Gedächtnisleistung und die Konzentrationsfähigkeit verbessert werden. Es dient als vorbeugendes Mittel bei Lese-Rechtschreibschwäche und Dyskalkulie. Selbstbewusstsein, Selbstkonzept und Selbstregulation werden positiv beeinflusst, Lernschwierigkeiten bessern sich deutlich.
Begeisterung und Engagement im Team
„Ich finde das Programm total gut“, erklärt Nadine Gottschalk vom Förderverein. „Besonders schön ist es zu sehen, dass die Zertifizierung nicht ‚von oben‘ aufgedrückt wurde, sondern das ganze Team mit viel Freude und Herz dabei ist.“



