Mit seinem Auftritt verbreitete Clemens Bittlinger Humorvolles und Nachdenklichkeit

23. Feb. 2026 | Leopoldshöhe

Mutmacher Lieder

Leopoldshöhe (kd). Einer der bekanntesten Vertreter der modernen Kirchenmusik hat auch in Leopoldshöhe zahlreiche Fans. In der vollbesetzten evangelisch-reformierten Kirche gab Clemens Bittlinger, begleitet von David Kandert, ein beeindruckendes Konzert. Der Auftritt gehörte zur Veranstaltungsreihe aus Anlass des Jubiläums: Vor 175 Jahren wurde das kürzlich renovierte Kirchengebäude errichtet.

Der Rockpfarrer und seine Botschaft

Rockpfarrer, Liedermacher, Singer-Songwriter, Quotenkönig der Kanzel – Clemens Bittlinger (66) erhielt im Laufe seiner jahrzehntelangen Musikerkarriere schon zahlreiche Zuschreibungen. Auf den singenden Pfarrer (inzwischen im Ruhestand) mögen sicher sämtliche Bezeichnungen zutreffen. Er versteht es, seine eingängige, handgemachte Musik mit einer verständlichen Botschaft zu verbinden. Er beherrscht die Kunst der unaufdringlichen Verkündigung, ohne von oben herab zu predigen. Viele seiner Titel haben schon Eingang in das Liedgut der örtlichen Gemeinden gefunden. In Leopoldshöhe präsentierte er unter dem Motto „Aus heiterem Himmel“ einen Abend mit selten gespielten Titeln.

Humor und aktuelle Themen im Fokus

„Kirche und Humor soll nicht zusammenpassen?“ Bittlinger will das nicht akzeptieren. „Es heißt doch ‚Frohe Botschaft‘, da ist das Lachen doch schon angelegt“, meinte er. Daher haben seine Lieder häufig einen vergnüglichen Unterton. So griff er die Jahreslosungen in musikalischer Weise auf und bezog sie auf den Zustand der Brücken im Land. Das sei doch sehr aktuell, meinte er. Lautete die Losung im Vorjahr „Prüfet alles, das Gute behaltet“, so heißt es 2026 „Siehe, ich mache alles neu.“

Auch Donald Trump machte er zum Thema. Unter Hinweis auf den Griff nach Grönland sang Bittlinger: „Wenn es nicht deins ist, nimm es nicht.“ Der Song kommt so leicht und fröhlich daher und übersetzt doch insgeheim die Kernaussagen der zehn Gebote der Bibel in Alltagssprache.

Ein kraftvoller Aufruf zu Menschlichkeit

Aber der Sänger überzog nicht, er vermied billige Scherze. Vielmehr enthielten seine Texte auch nachdenkliche Aussagen. Als er in Irland einen Hausspruch entdeckte, machte er auch daraus ein Lied. In „Öffnet den Kreis“ heißt es: „Hier gibt es keine Fremden, nur Freunde, die du bisher noch nicht getroffen hast.“ Als Bittlinger zum Mitsingen auffordert, stimmen alle Anwesenden begeistert ein. So wird aus dem Stück mit der sanften Melodie unversehens ein kraftvoller Aufruf zu mehr Menschlichkeit und Freundlichkeit gegenüber anderen. Ohnehin seien die Bundesbürger sehr privilegiert, gab der Sänger zu bedenken. „Wer einen deutschen Pass besitzt, hat schon von Geburt an einen Sechser im Lotto“, sagte er. Deshalb bestehe auch überhaupt kein Grund für Unzufriedenheit und Nörgelei.

Besondere Instrumentierung und hoffnungsvoller Ausklang

Während Bittlinger Gitarre spielte, begleitete ihn der Perkussionist David Kandert dezent im Hintergrund. Vor allem mit seiner Handpan, einem Instrument aus zwei verbundenen Stahlblechschalen, erhielt er viel Aufmerksamkeit des Publikums. Die zarten Töne, die er durch einfaches Berühren mit den Fingern hervorzauberte, verbreiteten eine nahezu übersinnliche Atmosphäre.

Die Zuhörer sparten nicht mit Applaus und forderten wie selbstverständlich Zugaben ein. Bittlingers Erfolg rührt nicht zuletzt an seinen Mut machenden Liedern, die stets aufs Neue betonen: Man soll die Hoffnung nie aufgeben.

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