Neuer Tierparkbewohner: Kolkrabe Sirius (links) lebt sich im Tierpark Olderdissen ein. Foto: Stadt Bielefeld, Umweltbetrieb
Tierpark Bielefeld – Hoffnung auf Nachwuchs zur Brutzeit
Wer im Tierpark Olderdissen das markante Krächzen hört, vermutet oft nicht, dass es sich beim Kolkraben (Corvus corax) um den größten unserer Singvögel handelt. Seit Kurzem gibt es in der Raben-Voliere neben der Fischotter-Anlage einen prominenten Neuzugang: Der vierjährige „Sirius“ ist aus dem Wildpark Frankenhof nach Bielefeld gezogen. Sein Auftrag ist durchaus romantischer Natur, denn er soll mit der bereits im Tierpark lebenden Henne ein Paar bilden.
Die Zusammenführung verlief nach strengen Regeln.
Bevor Sirius sein neues Revier beziehen durfte, durchlief er umfassende tiermedizinische Untersuchungen und eine Quarantänezeit. Nun hofft man auf Frühlingsgefühle, denn die Ankunft des Männchens erfolgte gerade noch rechtzeitig zur diesjährigen Brutzeit. Ob die „Verkupplung“ jedoch auf Anhieb funktioniert, bleibt abzuwarten. „Das werden erst die nächsten Wochen zeigen“, dämpft Tierparkleiter Dr. Benjamin Ibler allzu hohe Erwartungen, weist aber darauf hin, dass die Balz im Vorfrühling sehr früh beginnt.
Ein Nachfolger für Methusalem Konrad
Die Ankunft von Sirius ist ein freudiges Ereignis, das eine Lücke schließt. Im vergangenen Jahr verstarb der legendäre Rabe Konrad, der mit einem geschätzten Schlupfjahr von 1986 ein fast biblisches Alter erreichte und die Lehrbuchangaben zur Lebenserwartung weit übertraf. Konrad war nicht nur ein Publikumsliebling, sondern auch ein kulturelles Modell – sein Konterfei ziert eine Neuauflage von Edgar Allan Poes berühmtem Gedicht „Der Rabe“.
Kolkraben haben eine enorme kulturhistorische Bedeutung, vom „Unglücksraben“ bis hin zu Fabeln. Biologisch betrachtet sind die tiefschwarzen Vögel mit dem metallischen Schimmer und dem klobigen Schnabel wichtige Gesundheitspolizisten, die Kadaver beseitigen. Erfreulicherweise haben sich die Bestände der einst seltenen Tiere erholt. Nun blickt Olderdissen gespannt auf die Voliere: Wird der markante „klong-klong“-Ruf bald den Beginn einer erfolgreichen Brut verkünden?