„Seepferdchen“ v.l.: Helin Hazem, Halim Yasit und Laila Matun
Leopoldshöhe-Asemissen. Zusammen sind sie 14 Frauen, von denen zehn am Freitagnachmittag zum Klönen im Begegnungszentrum B4 erschienen. Natürlich üben sie bei dieser Gelegenheit, Deutsch zu sprechen. Gerade wenn es um ihr gemeinsam angestrebtes Ziel geht, nämlich Schwimmen zu lernen. Die überwiegend kurdischen Migrantinnen sind fest entschlossen, durch eifriges Trainieren in der Schwimmhalle an der Grundschule das angestrebte Abzeichen, „Seepferdchen“ genannt, zu erlangen.
Der Beginn eines besonderen Projekts
Seit Mitte Januar dieses Jahres trainieren die Frauen von 28 bis 53 Jahren aus Syrien, dem Irak, der Türkei sowie Afghanistan, sich im weitgehend unbekannten Element möglichst angstfrei zu bewegen. „Eine großzügige Spende hat den Unterricht ermöglicht“, freut sich Heidrun Bode vom „Runden Tisch Asyl“, „sie kam gerade recht“.
Individuelle Geschichten und Motivationen
Aufgrund früherer Erfahrungen bedeutet die Begegnung mit Wasser für die Irakerin Shirin Babi große Überwindung, bekennt sie. Wegen ihrer drei Kinder, die sie im Sommer in „die Batze“ begleiten möchte, lohnt sich jedoch die Anstrengung. Die Hoffnung, ihre traumatischen Erfahrungen mit dem nassen Element hinter sich zu lassen, hat auch Fifykel Suleiman. Wie die anderen Frauen, baut die 44-Jährige freitags unter Anleitung von Schwimmlehrerin Svea Dorit Löhr Vertrauen zum Wasser auf.
Erst vor drei Jahren ist Laila Maftun aus Afghanistan nach Deutschland gekommen. Zuversichtlich und zielstrebig geht die 29-jährige Mutter von vier Kindern zahlreiche Vorhaben in ihrer neuen Heimat an. Darunter auch das Schwimmenlernen.
Ängste anderer Art haben weitere Mütter zu bestehen. Sie möchten schwimmen können, um ihren Kindern zu helfen, falls diese beim Spielen am Wasser einmal in Gefahr geraten. Wie auch beispielsweise die 42-jährige Marina Farho aus Syrien.
Als Motiv für ihre Teilnahme am Schwimmkursus nennt Helin Hazem den Urlaub. Die fünfköpfige Familie fährt gern an die Nord- oder Ostsee. Um unbesorgt wegen ihrer Kinder die Ferien am Meer genießen zu können, ist für sie das „Seepferdchen“ unerlässlich, sagt die 39-jährige Irakerin.
„Ich mache gern Sport“, erklärt Suzan Smoki. Nun möchte die 37 Jahre alte Frau, die ebenfalls aus dem Irak stammt, nicht länger nur zuschauen, sondern auch selbst schwimmen können. Mit 53 Jahren ist Halim Yasit die Seniorin der Gruppe, die diese sehr mag. Die Migrantin aus Ost-Anatolien kann bereits schwimmen. Als Mutmacherin ist sie jedoch für die „Seepferdchen“-Aspirantinnen unentbehrlich.
Herausforderungen und Ausblick
Mit Freude betrachtet auch Schwimmlehrerin Svea Dorit Löhr die Fortschritte ihrer Schülerinnen, gibt jedoch zu bedenken: „Sie brauchen aber mehr als zehn Übungseinheiten, um sich weiterzuentwickeln.“ Denn Erwachsene sind nach Löhrs Erkenntnissen nicht mehr so kindlich unbefangen.
Der sportliche Ehrgeiz der Migrantinnen ist geweckt. Die lernbegierigen Frauen bewegt nun die Frage, inwieweit sie es schaffen, den Schwimmkursus mit dem begehrten Abzeichen beenden zu können. Ihre Übungsleiterin ist gern bereit, die Schülerinnen weiter zu unterrichten. Dem aktuellen Sponsor, einem ortsansässigen Ingenieurbüro, sind die Frauen um Svea Dorit Löhr sehr dankbar für die großzügige Unterstützung. Sie wünschen sich nun, dass weitere Leopoldshöher Bürgerinnen und Bürger mit Spenden ihr Fortkommen unterstützen.
Kontakt und Spendeninformationen
Willkommen sind beim Runden Tisch Asyl, Leopoldshöhe, Überweisungen mit dem Stichwort „Asyl“ an die Sparkasse Lemgo, BLZ: 48250110, Konto-Nr.: 5044730, IBAN: DE66 4825 0110 0005 0447 30. Fragen beantwortet: Daniela Klassen, Fachbereich Bildung und Soziales, Gemeinde Leopoldshöhe, Tel.: 05208-991318