Schockanrufe: Wenn selbst die Polizei fast zum Opfer wird

19. Juni 2026 | Überregionales

Ältere Frau mit Brille telefoniert und hält sich erschrocken die Hand vor den Mund

Polizei Bielefeld warnt vor perfiden Betrugsmaschen – Eine Mitarbeiterin des LKA schildert ihren „erlebten Schockanruf“

Die Polizei warnt eindringlich vor der anhaltenden Gefahr sogenannter „Schockanrufe„. Diese perfiden Betrugsmaschen setzen Opfer emotional und zeitlich massiv unter Druck, um an Bargeld, Gold oder Schmuck zu gelangen. Die Täter schrecken dabei auch vor vermeintlich aufgeklärten Personen nicht zurück.

Persönlicher Erfahrungsbericht: Auch LKA-Mitarbeiterin betroffen

Ein aktueller Fall verdeutlicht dies eindrücklich: Sabine Coenen-Kolberg, Assistentin beim Landeskriminalamt (LKA) Düsseldorf, erlebte selbst einen solchen Anruf. Eine weinende Frau gab sich als ihre Tochter aus, die angeblich einen Autounfall verursacht hatte. Kurz darauf forderte eine angebliche Amtsgericht-Mitarbeiterin 62.000,00 € Kaution für die Tochter, die wegen Fahrerflucht in Untersuchungshaft sitzen sollte.

Coenen-Kolberg, seit über 20 Jahren bei der Polizei, beschreibt den enormen psychologischen Druck: „Ich hatte in dem Moment aber nur ein Ziel: Ich wollte meine Tochter wiederhaben.“ Der gesunde Menschenverstand habe in dieser Stresssituation pausiert. Erst ihr Ehemann, ein pensionierter Polizist, erkannte den Betrug und klärte die Situation mit einem Anruf bei der echten Tochter auf.

Die perfide Psychologie der Täter

Dieses Beispiel verdeutlicht die perfide Psychologie der Täter. Sie erschaffen Schockszenarien – Unfälle, Notoperationen oder vermeintliche Haft – um Opfer zu unüberlegten, panischen Handlungen zu drängen. Häufig wird die Gefahr für Leib und Leben von Angehörigen vorgetäuscht, um sofortige Geldtransfers zu fordern.

So schützen Sie sich vor Schockanrufen

Legen Sie bei verdächtigen Anrufen sofort auf und verschaffen Sie sich eine Denkpause. Klären Sie die Situation immer durch einen direkten Anruf beim vermeintlich betroffenen Angehörigen. Vereinbaren Sie ein Familien-Passwort. Ein einfacher Zettel mit dem Wort „Schockanruf“ neben dem Telefon kann als ständige Erinnerung dienen und die Sinne schärfen. Und ganz wichtig: Informieren Sie immer die Polizei und erstatten Sie Anzeige.

Fazit und Aufruf zur Wachsamkeit

Sabine Coenen-Kolberg fasst die immense emotionale Wirkung zusammen: „Es kann sich kaum jemand vorstellen, was so ein Anruf in einem auslöst, der es noch nicht selbst erlebt hat.“ Bleiben Sie wachsam und machen Sie sich mit diesen Betrugsmaschen vertraut, um sich und Ihre Liebsten zu schützen.

Mann in Polizeiuniform mit Sternen auf den Schulterklappen blickt lächelnd direkt in die Kamera
Vom Kriminalprävention und Opferschutz rät KHK Dirk Trümper zur Aufmerksamkeit.
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