Speiseröhrenkrebs: Wolfgang Benning lehnt OP ab und findet neue Lebensqualität durch innovative ESORES Studie

15. Juni 2026 | Gesundheit

Wolfgang Benning, die Arme verschränkt und mit Armband, steht lächelnd zwischen zwei Ärzten in weißen Kitteln

Alternative Behandlung am Universitätsklinikum OWL:

„Ich mache alles – nur keine OP.“ Mit dieser klaren Ansage traf Wolfgang Benning eine mutige Entscheidung, nachdem er im August 2025 die Diagnose Speiseröhrenkrebs erhielt. Der 71-Jährige aus Wesel hatte den Krankheitsverlauf seines Bruders, der nach einer Operation verstarb, hautnah miterlebt und war fest entschlossen, diesen Weg für sich auszuschließen. Seine Suche nach Alternativen führte ihn schließlich an die Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum OWL, Campus Klinikum Lippe, wo er mit der ESORES-Studie eine vielversprechende neue Hoffnung fand.

Die Diagnose und eine mutige Entscheidung

Eigentlich fühlte sich Wolfgang Benning gesund, als er seinen Arzt aufsuchte – keine Schmerzen, keine Schluckbeschwerden, kein Gewichtsverlust. Doch die Angst, ausgelöst durch die Erkrankung in seiner Familie, trieb ihn zur Untersuchung. Die Gewissheit war erschütternd: Auch bei ihm wurde ein Ösophaguskarzinom, Speiseröhrenkrebs, festgestellt. Eine Erkrankung, die oft erst spät erkannt wird. Der Schock saß tief, doch Benning stand zu seiner Überzeugung: „Diese Operation möchte ich nicht.“

ESORES-Studie: Ein Paradigmenwechsel in der Krebsmedizin

Im Internet stieß Benning auf Univ.-Prof. Dr. Jens Höppner und die ESORES-Studie am Klinikum Lippe. Diese klinische Studie adressiert eine entscheidende Frage moderner Krebsmedizin: Ist eine Operation nach erfolgreicher Vorbehandlung immer zwingend notwendig, oder kann in bestimmten Fällen darauf verzichtet werden? „Die Behandlung von Speiseröhrenkrebs verändert sich derzeit grundlegend“, erklärt Prof. Höppner, Direktor der Universitätsklinik. Er betont, dass moderne Chemo-, Immun- und Strahlentherapien bei einigen Patienten eine vollständige Rückbildung des Tumors ermöglichen.

Die ESORES-Studie untersucht ein „Active-Surveillance-Konzept“. Das bedeutet, Patientinnen und Patienten, bei denen nach der Vorbehandlung keine lebenden Tumorzellen mehr nachweisbar sind, werden engmaschig überwacht, statt sofort operiert. Regelmäßige Untersuchungen wie Computertomographie, Magenspiegelungen, endoskopischer Ultraschall und Gewebeproben sollen mögliche Veränderungen frühzeitig erkennen. Eine Operation erfolgt nur dann, wenn sie tatsächlich notwendig wird, wie Dr. Fabian Nimczewski, Oberarzt der Universitätsklinik, erläutert: „Dieses Vorgehen bedeutet aber für viele Patientinnen und Patienten eine echte Chance auf mehr Lebensqualität.“

Wolfgang Bennings Weg und neue Lebensqualität

Wolfgang Benning erhielt wohnortnah Chemotherapie und Immuntherapie und wurde eng in das Nachsorgeprogramm der ESORES-Studie eingebunden. Alle drei Monate fährt er nun 200 Kilometer von Wesel nach Detmold für die intensiven Kontrollen. „Ich fühle mich hier wirklich gut aufgehoben“, sagt er. Heute, rund neun Monate nach Behandlungsbeginn, ist vom Krebs nichts mehr nachweisbar. „Der Krebs ist weg“, so Benning, der keine Zweifel an seiner Entscheidung gegen die Operation hat: „Für mich war das genau der richtige Weg.“

Seine Lebensqualität ist geblieben, doch sein Alltag hat sich verändert. Er achtet stärker auf sich, hat seine Ernährung umgestellt und sich intensiv mit seiner Erkrankung auseinandergesetzt. Trotz der Ernsthaftigkeit blickt er positiv in die Zukunft. Die regelmäßigen Kontrollen geben ihm Sicherheit. Die Angst sei nie ganz verschwunden, aber sie bestimme sein Leben nicht mehr: „Bis jetzt war immer alles unauffällig. Und ich hoffe natürlich, dass das so bleibt.“

Die Bedeutung der Forschung bei Speiseröhrenkrebs

Speiseröhrenkrebs ist eine seltene, aber aggressive Tumorerkrankung, an der jährlich rund 8.000 Menschen in Deutschland neu erkranken. Angesichts steigender Zahlen, insbesondere bei Adenokarzinomen, gewinnen neue Behandlungsmöglichkeiten zunehmend an Bedeutung. Prof. Dr. Jens Höppner betont die Rolle klinischer Studien: „Unser Ziel ist es, Patientinnen und Patienten schon heute innovative und zugleich möglichst schonende Therapiekonzepte zugänglich zu machen.“ Für Wolfgang Benning zählt am Ende vor allem eines: „Ich kann meinen Alltag ganz normal leben. Und dafür bin ich einfach dankbar.“

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