
Die Bedingungen im Herbst für die Aussaat des Wintergetreides waren passend. Gute Aussaatbedingungen sind wichtig für die Entwicklung der Pflanzen und der erste Schritt für eine gute Ernte im kommenden Jahr. Foto: Florian Pottkamp
Jahresrückblick der Bauern: Gute Ernte, niedrige Preise, Frust über die Politik
Herford-Bielefeld /WLV (Re) „2025 war für uns ein Jahr mit Höhen und Tiefen“, resümiert Hermann Dedert, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld zum Jahresende. Mit der Ernte sind die Bauern je nach Standort und Wasserhaltefähigkeit der Böden zufrieden, mit den Preisen ganz und gar nicht, ebenso wenig mit der Politik. Dedert: „Wir fordern endlich einen klaren Kurswechsel – mehr Mut und Aufbruch, verlässliche Entscheidungen, spürbar weniger Bürokratie und echte Wettbewerbsfähigkeit für unsere Höfe.“
Miserable Getreidepreise
„Die Getreideernte ist mengenmäßig gut und qualitativ in Ordnung“, berichtet Dedert. „Die Preissituation allerdings ist miserabel und absolut nicht kostendeckend.“ Große Ernten weltweit und der starke Euro gegenüber dem Dollar setzten die Getreidemärkte in Europa kräftig unter Druck.
Die Kartoffeln brachten ebenso sehr gute Erträge, und auch hier drückt der Markt: „Vor allem bei Verarbeitungskartoffeln macht der Preis vielen Höfen zu schaffen“, so der Vorsitzende. Beim Mais wurde ein durchschnittliches Ergebnis eingefahren. Sehr süß fallen die Zuckerrüben aus: gute Rübenerträge bei hohen Zuckergehalten. Auch hier ist die Preissituation angespannt.
Blick in den Stall
In der Geflügelhaltung ist die wirtschaftliche Situation derzeit gut. Große Sorge bereitet hier jedoch die Ausbreitung der Vogelgrippe. Die Milchvieh- und Rindfleischhalter konnten nach schwierigen Jahren wieder etwas aufatmen: „Die guten Milch- und Rindfleischpreise waren für viele dringend nötig“, betont der Vorsitzende. „Mit Sorge beobachten wir jedoch die seit Spätsommer deutlich gesunken Milchpreise.“ Hier kritisiert Dedert die Preispolitik des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) auf‘s Schärfste. Der LEH hatte die Preise für Butter und Milchprodukte in der Vorweihnachtszeit drastisch gesenkt.
Preisdumping auf Kosten der Milchbauern
Die Handelsketten würden ein desaströses Preisdumping betreiben. Dadurch drohe, dass die ohnehin schrumpfende regionale Milchversorgung weiter zurückgehe. „Denn die heimische Milcherzeugung sinkt schon heute und auch langfristig“, schildert Dedert. Ein Sondergutachten der Monopolkommission zur Lebensmittellieferkette bestätigte jüngst die hohe Konzentration der Marktmacht des LEH, das mit „nur“ vier großen Handelsunternehmen einen dominanten Einfluss auf Preise, Vertragsbedingungen und Marktstrukturen ausübe.
Schwierig: Lage im Schweinebereich
Den Schweinehaltern fehlen Perspektiven und Geld für Investitionen, während die Auflagen immer schärfer werden. „Hier droht die Basis der deutschen Schweinehaltung wegzubrechen und das dann für immer“, erläutert Dedert. Für die Sauenhalter braucht es dringend Lösungen für die gesetzlich festgelegten Umbauvorgaben. Zudem müsse es endlich gelingen, die Vorgaben zu Tierschutz und Emissionen EU-weit einheitlich aufzustellen, „nur dann können die heimischen Bauernfamilien überhaupt wettbewerbsfähig bleiben“, fordert der Vorsitzende der Landwirte. Und er mahnt auch hier: Der Lebensmittelhandel dürfe nicht ständig nur fordern, sondern müsse verbindliche Planungssicherheit schaffen ohne Preiskampf zulasten der Bauern.
„Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, sonst droht schlussendlich auch die Verarbeitung ins Ausland abzuwandern“, so Dedert. Das wäre für Deutschland nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht schlecht. Es wäre unverantwortlich mit Blick auf Tierwohl, Umweltschutz, Versorgungssicherheit und die Qualität unserer Lebensmittel, so der Vorsitzende. „Gerade angesichts multipler Krisen, politischer Umbrüche sowie Handels- und Zollkonflikte brauchen wir eine starke Landwirtschaft, die Erzeugung und Innovation im eigenen Land hält.“
Fachkräfte, Forschung, Verantwortung: Warum Deutschland Landwirtschaft kann, „wenn man uns lässt“
Der Vorsitzende macht Mut: Die heimische Landwirtschaft mit ihren vor- und nachgelagerten Bereichen hätten gute Rahmenbedingungen und viel Potenzial, „wenn man uns lässt!“. Quer durch alle Branchen vom Acker, über Landtechnik, Verarbeitung bis zu den neuen Energien werden Innovationen vorangetrieben und Jobs gesichert, aufgrund des Standorts Deutschland. Denn es gibt nur wenige Länder, wo sehr gute Fachkräfte, Forschung, Rechtssicherheit, Qualitätsbewusstsein und gelebte Verantwortung so eng zusammenwirken. Dazu kommt eine nachhaltige Landwirtschaft in einer klimatisch privilegierten Region. „Das alles ist ein echter Standortvorteil.“
Bremsklötze – Bürokratie und lähmende Vorschriften
Gleichzeitig sieht der Vorsitzende enormen politischen Handlungsbedarf. Zu viel Bürokratie, zu viele bremsende Auflagen und Detailvorschriften. „Wir brauchen mehr Wettbewerbsfähigkeit für die Höfe. Weniger regulieren, mehr ermöglichen, mehr Freiräume“, fordert der Vorsitzende. Schluss mit Symbolpolitik, dann könne endlich ein echter Aufbruch gelingen und beispielsweise der Investitionsstau auf den Höfen gelöst werden. „Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen und Zukunft zu gestalten – doch dafür brauchen wir Verlässlichkeit, Planungssicherheit und Vertrauen in unsere Arbeit“, untermauert Dedert. Die Politik müsse endlich liefern. „Wir fordern von der Politik mehr Mut, mehr Aufbruch!“
Viele Highlights im Kreisverband
Stolz ist der Vorsitzende auf die gelungenen Öffentlichkeitsveranstaltungen des Kreisverbandes. Angefangen mit der Tour de Flur im Juni in Enger und Spenge mit 800 Teilnehmern, über die Projektion eines überdimensionalen Fahrrades aus Stroh und fahrenden Traktoren anlässlich der Deutschlandtour der Radprofis im August, bis zur Lichterfahrt mit 70 geschmückten und beleuchteten Traktoren durch die Stadt Herford im Dezember, die am 3. Advent rund 35.000 Besucher angelockt hat. Hier danken wir allen Besuchern, die dabei waren und diese Veranstaltungen zu etwas Besonderem gemacht haben, so Dedert.



