
Wirtschaft in der Bergstadt. IHK-Vizepräsident Kai Vogelsänger, Geschäftsführer Alexander Hanning (Hanning & Kahl), Bürgermeister Peter Heepmann und Hinrich Schwarze (IHK Lippe) beim KWG in Oerlinghausen.Foto: IHK Lippe
IHK-Wirtschaftsgespräch beleuchtet Zukunftsfähigkeit des Standorts unter besonderer Spannung.
Das jüngste Kommunale Wirtschaftsgespräch (KWG) der IHK Lippe in Oerlinghausen brachte fast 30 Unternehmer und die Stadtverwaltung um Bürgermeister Peter Heepmann zusammen. Im Fokus stand die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts, insbesondere hinsichtlich Infrastruktur, Energie, Standortmarketing und der angespannten Haushaltslage. Die klare Botschaft der Wirtschaft: Das Standort-Bekenntnis gilt, doch es braucht einen verlässlichen Rahmen.
IHK-Vizepräsident Kai Vogelsänger betonte die Wichtigkeit des direkten Austauschs: „Mut zu zeigen, das ist Unternehmertum.“ Alexander Hanning von Hanning & Kahl, ein großer Arbeitgeber, unterstrich das Bekenntnis zu Oerlinghausen, forderte aber stimmige wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen. Er mahnte: „Die Standortfaktoren stehen unter Spannung, und wir brauchen spürbare Verbesserungen, um den Wirtschaftsstandort zu erhalten und weiterzuentwickeln.“
Bürgermeister Peter Heepmann skizzierte die Lage der Bergstadt. Die Haushaltssicherung setze klare Grenzen, da die meisten Ausgaben Pflichtaufgaben sind, was den Gestaltungsspielraum mindere. Er betonte die Notwendigkeit, dass Verwaltung und Wirtschaft einander zuhören und gemeinsam handeln. Heepmann versprach, für die Investitionsfähigkeit einzustehen, verwies aber auf die notwendige kritische Prüfung künftiger Haushalte und gemeinsame Abstriche. IHK-Teamleiter Hinrich Schwarze bekräftigte: „Wir benötigen Dynamik, um den Standort trotz Spannungen zukunftsfest aufzustellen.“
Infrastruktur und Energie: Herausforderungen und Fortschritte
Bei der Infrastruktur gab es Licht und Schatten. Positiv sind der Glasfaserausbau ab Herbst 2026 und die Freibad-Sanierung bis 2027. Die verkehrsgünstige Lage bleibt ein Vorteil. Negativ ist der Mangel an freien Gewerbeflächen, trotz externer Nachfragen.
Zum Thema Energie forderten die Unternehmen unmissverständlich: Engpässe im Stromnetz bremsen E-Mobilität und Photovoltaik. Dies sei nicht kommunal lösbar, aber dringend politisch zu adressieren. Ein Teilnehmer fasste zusammen: „Preis, Menge und Versorgungssicherheit beim Strom müssen gewährleistet sein – das ist für uns als Unternehmen nicht verhandelbar.“ Die kommunale Wärmeplanung wird bis Mitte 2028 fertiggestellt.
Standortmarketing und kommunale Finanzen im Fokus
Im Bereich Standortmarketing und Kommunikation forderte die Unternehmerschaft mehr Investitionen in die Außenwirkung und eine aktivere Kommunikation über soziale Medien. Regelmäßige Updates seien ein kostengünstiger Weg, Vertrauen zu stärken. Das Engagement des Marketingvereins, der Werbegemeinschaft und das finanzielle Engagement der Unternehmerschaft wurden als unverzichtbar hervorgehoben. Die IHK plant eine Fokus-Veranstaltung hierzu.
Bei Steuern und kommunalen Finanzen herrschte Ernst. Die Sorge, dass steigende Abgaben Betriebe zur Abwanderung bewegen könnten, war groß. Die IHK sieht darin ein strukturelles Problem der Kommunalfinanzierung und wird es politisch weiter thematisieren.

