Oerlinghausen (kd). Eigene Texte schreiben und dazu passende Zeichnungen erstellen. So lautete die durchaus anspruchsvolle Aufgabe des Kreativangebots, veranstaltet von der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Oerlinghausen und gefördert vom „Kulturrucksack“. Was dabei herauskam, übertraf alle Erwartungen.

Junge Künstler bei der Arbeit

Im großen Raum des Jugendzentrums „Das OE“ an der Hermannstraße ist es mucksmäuschenstill. Die neun Mädchen und zwei Jungen sitzen hochkonzentriert über ihren Arbeitsblättern. Ole zeichnet eine singende Birne im Baum, Melina (11) schreibt einen Text zu den Stichworten Pausenhof, Liebesbrief und Dinosaurier und Ida (10) denkt sich eine Geschichte über Kaninchen aus. „Ich mag diese Tiere, ich habe selber fünf“, sagt sie. Da lag das Thema nahe. „Aber zeichnen kann ich nicht so gut“, meinte sie. Deshalb fand sie eine Lösung: Auf ihrem Bild ist hinter einer Wand nur ein kleines Ohr zu erkennen. Die Erklärung? „Das Kaninchen schaut gerade aus dem Stall heraus“, antwortet das Mädchen schlagfertig.

Freie Entfaltung statt starrer Regeln

Das ausgesprochen phantasievolle Vorgehen gefällt den Kindern sehr. „Mein Lieblingsfach in der Schule ist Deutsch. Aber im Unterricht haben wir nur gelernt Briefe zu schreiben, aber keine eigenen Geschichten“, meint Leona (10). Auch Samuel hat erfahren, dass im Kunstunterricht einwandfreie Ergebnisse erwartet werden. „Hier können wir zum Glück frei gestalten, es gibt keine Regeln“, freut er sich. Wer sagt denn auch, dass der Himmel immer blau, das Gras immer grün erscheinen muss. Die Farben können doch ohne weiteres getauscht werden. Samuels wichtigste Erkenntnisse: „Ich habe gelernt, dass es auch Comics ohne Sprechblasen gibt.“

Hintergrund: Kursleitung und Programm

Den Kursus „Storytelling und Illustration“ hat Katja Reetz zum ersten Mal im Jugendzentrum angeboten. Sie kann auf vielfältige Erfahrungen in den Fächern bildende Kunst und Literatur verweisen. Beruflich verbindet sie inzwischen beide Bereiche. Gemeinsam mit Julia Maier, Bibliothekarin der Oerlinghauser Stadtbücherei, entwickelte sie das Programm. Zunächst stellten sie den Kindern verschiedene Textsorten vor, unternahmen eine Phantasiereise ins Land der „Makuraner“ und stellten die Aufgabe, selbst ein Gedicht zu verfassen. „Ich war erstaunt, wie schnell ein Elfchen, ein Haiku oder ein Limerick entstanden sind“, berichtet Katja Reetz. Bei den dazugehörenden Bildern sollten die Kinder möglichst simple Formen verwenden.

Lernen ohne Leistungsdruck

„Es geht nicht um Perfektion, sondern darum, durch Ausprobieren den eigenen Stil herauszufinden“, erläutert die Kursleiterin. „Deshalb gibt es auch kein Richtig oder Falsch“, sagt sie. „Die Mädchen und Jungen können hier ein Gespür für die eigenen Fähigkeiten wachsen lassen, ganz ohne KI.“ Sichtlich stolz auf das Erreichte präsentieren die Kinder gegenseitig ihre Werke. „Sie haben überhaupt keine Scheu, sich der Kritik zu stellen“, meint die Kursleiterin bewundernd. „Es kann ja sein, dass die anderen etwas sehen, was ich selbst gar nicht wahrnehme.“

Ein voller Erfolg

Die Schreibwerkstatt mit Malatelier habe gut funktioniert, stellt Katja Reetz fest. „Ich habe selbst noch etwas dazugelernt.“ Am meisten hat sie beeindruckt, wie sehr sich die Kinder in die Aufgaben vertieft haben. Schließlich waren sie bei den fünf Terminen jedes Mal zweieinhalb Stunden beschäftigt – ganz ohne Handy. Und auch die Dartscheibe oder der Kicker im Raum wirkten überhaupt nicht verlockend.

Häufig gestellte Fragen

Was war das Hauptthema des Workshops in Oerlinghausen?

Der Workshop, veranstaltet von der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Oerlinghausen und gefördert vom „Kulturrucksack“, hatte das Ziel, Kindern das freie Schreiben eigener Texte und das Erstellen passender Illustrationen zu ermöglichen.

Wer hat den Kurs ‚Storytelling und Illustration‘ geleitet und entwickelt?

Der Kurs wurde von Katja Reetz im Jugendzentrum „Das OE“ angeboten. Sie entwickelte das Programm gemeinsam mit Julia Maier, Bibliothekarin der Oerlinghauser Stadtbücherei.

Was war das besondere Konzept des Workshops?

Das Konzept legte Wert auf freie Entfaltung und Kreativität ohne starre Regeln oder Leistungsdruck. Laut Kursleiterin Katja Reetz ging es darum, durch Ausprobieren den eigenen Stil zu finden, anstatt Perfektion anzustreben oder ein ‚Richtig oder Falsch‘ zu bewerten.

Wie viele Kinder nahmen an dem Workshop teil und wie lange dauerte er?

An dem Workshop nahmen elf Kinder, bestehend aus neun Mädchen und zwei Jungen, teil. Die Veranstaltung umfasste fünf Termine, bei denen die Kinder jeweils zweieinhalb Stunden beschäftigt waren.