Das Kurhaus in Zeiten des Nationalsozialismus

21. Feb. 2026 | Bad Salzuflen

Ein Ort für das Volk? 

Salzuflen (rto). Mit einer kleinen Kurhaus-Reihe setzen sich das Stadtarchiv, die VHS und das Staatsbad mit der Geschichte des Kurhauses in der Badestadt auseinander. Am Mittwoch (18.2.2026) setzte sich Pia Gillner mit der Zeit im 3. Reich auseinander. Pia Gillner ist Studentin der Geschichtswissenschaften und Volontärin in Stadtarchiv. Mit ihrem Vortag vor einen vollen Saal im Kurhaus, u.a. mit Ex-Bürgermeister Wolfgang Honsdorf unter den Zuhörern, berichtete sie über die Bedeutung des Hauses während der Naziherrschaft.

Das Kurhaus als Ort der NS-Propaganda

Wie das Hermannsdenkmal und die Externsteine, war das alte Kurhaus für die Nazis ein Ort um ihre Ideologie bewusst unters Volk zu bringen. Alle Nazi-Größen, von Adolf Hitler über Hermann Göring bis hin zum Gauleiter Alfred Meyer, der hier auch private Feiern abhielt, waren da. Von 1933 bis zum Ende des Krieges im Jahr 1945 prangte sogar eine großes Erinnerungstafel vom Künstler August Ehrenbach gestaltet, an der Rotunde des Kurhauses in Richtung Kurpark.

Die Landtagswahl 1933 und heutige Bezüge

Zur Landtagswahl 1933 hielt Adolf Hitler seine Rede vor Ort unter den Titel: „Macht frei das Hermannsland” und rief zur Entscheidungsschlacht am Teuto auf. Heinrich Drake kritisierte die Veranstaltung damals, konnte aber nicht verhindern, dass die NSDAP damals in Salzuflen die stärkste Partei wurde. Pia Gillner zeigte zeitgenössische Bilder und auch ein Wahlplakat mit Hakenkreuz hinter dem Hermannsdenkmal. Die AfD plakatierte im Sommer zur Kommunalwahl ein Plakat mit dem Hermann und dem Slogan: „Echte Lipper wählen AfD“ das stark an das der NSDAP erinnerte und verboten wurde.

Nutzung des Hauses während der Kriegsjahre

In Laufe des Krieges nutzten die Nazis das Kurhaus immer wieder für ihre völkischen Veranstaltungen unterschiedlichster Art. Auch die Kurparkbeleuchtung (das Lichterfest) wurde für ihre Zwecke missbraucht. Alfred Meyer lud Nazigrößen zu seinen Erinnerungsfesten und am Ende des Krieges wurde das Haus zum Luftschutzraum erklärt. Auch ein Kurdirektor gehörte zu den Nazis. Von 1933 bis 1944 war Erst Bauer, Führer der SA-Standarte 55 Kurdirektor in Salzuflen.

Aktuelle Debatten und politische Einordnung

In der anschließenden Diskussion waren sich die Besucher einig, dass man damals wie heute zu wenig Engagement gezeigt habe und zog Rückschlüsse auf die zu Teil als ’gesichert rechtsextremistisch’ eingestufte AfD. In Thüringen steht die AfD schon lange als ’gesichert rechtsextremistisch’ unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes. In Niedersachsen wurde sie jetzt ebenfalls als ‚gesichert rechtsextremistisch’ eingestuft. Obwohl die Partei sich immer wieder als demokratisch darstellt, fällt sie auch immer wieder mit rassistischen und völkischen Äußerungen auf.

Historische Parallelen und geplante Parteitage

Jetzt plant die Partei ihren Parteitag am 4./5.7.2026 im thüringischen Erfurt. Ein Zufall? Vor hundert Jahren, am 3./4.7.1926, hielt den NSDAP ihren Parteitag in Weimar ab. Thüringen gilt historisch als das erste Land, in dem die Nationalsozialisten im Jahr 1930 Regierungsverantwortung übernahmen. Dort finden auch in diesem Jahr Landtagswahlen statt. Die AfD gilt derzeit als stärkste Partei.

Aktionen am Hermannsdenkmal

Noch ein Zufall oder bewusste Provokation? Am Sonntag will der Landeschef der AfD in Thüringen, Björn Höcke, der wegen verbotener Naziparolen rechtskräftig verurteilt wurde, zusammen mit dem Bundestagsabgeordneten der AfD, Matthias Helferich, in der Zeit zwischen 11.00 – 13.00 Uhr am Hermannsdenkmal einen „Spaziergang” machen.

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