Die Informationsveranstaltung zum Ende des LiLi-Marktes hinterließ viele Fragen

26. Jan. 2026 | Oerlinghausen

Die Zukunft bleibt offen

Endgültige Schließung des LiLi-Marktes

Oerlinghausen (kd). Der Beschluss der Gesellschafter ist endgültig: In Lipperreihe wird der LiLi-Markt – betrieben von der LiLi GmbH – in Lipperreihe geschlossen. Im Anschluss sah sich der gemeinnützige Verein „Leben in Lipperreihe“ veranlasst, darüber öffentlich zu berichten. Der Informationsbedarf war enorm, 150 Personen drängten sich im Pausenraum der Grundschule.

Lob für elf Jahre ehrenamtliches Engagement

Mit einem großen Lob eröffnete der Vereinsvorsitzende Jürgen Hubrich den Abend. „Wir können mit Stolz sagen, dass wir elf Jahre lang den Luxus unseres Dorfladens gehabt haben, allen vorherigen negativen Gutachten zum Trotz“, sagte er. Dies sei nicht zuletzt den ehrenamtlich Mitwirkenden zu verdanken, die tausende von Stunden investiert haben. Namentlich nannte er den unermüdlichen Einsatz von Ralf Ober und Andreas Otte.

Wirtschaftliche Herausforderungen und Kostensteigerungen

„Viele andere Dorfläden haben nicht so lange überlebt“, meinte Bürgermeister Peter Heepmann. Er war persönlich an der Gründung beteiligt. „In mein eigenes Herzensprojekt habe ich viel Arbeit gesteckt, lange bevor der erste Kassenbon ausgedruckt wurde.“ Doch zuletzt sei es leider nur bei geringen Umsätzen geblieben, während der Mindestlohn und andere Kosten gestiegen seien. Die Schließung sei daher unweigerlich notwendig geworden.

Kritik an der Informationspolitik

Mehrere Anwesende, unter ihnen auch Mitglieder des LilI-Vereins, kritisierten jedoch die Verfahrensweise. Im Gegensatz zur Aufbruch Phase sei zu wenig und viel zu spät informiert worden. „Warum sagt man nicht, dass eine Notlage besteht?“, meinte eine Frau. Auf den Hinweis von Hubrich, dass eine GmbH nicht zur Offenlegung verpflichtet sei, bemerkte eine andere Anwesende: „Wir können doch diese Maßstäbe nicht anlegen. Es war doch immer ein gemeinschaftliches Projekt aller Bürger.“

Dramatischer Umsatzrückgang und Insolvenzgefahr

Da der ehrenamtliche Geschäftsführer Ralf Ober erkrankt war, übernahm Andreas Otte die Aufgabe, nochmals die Sachlage zu schildern. „Seit einem halben Jahr ist der Umsatz radikal nach unten gegangen“, sagte er. „Ich bin selbst einer der Gesellschafter und habe deshalb keine Lust, wegen Insolvenzverschleppung belangt zu werden.“ Neutrale Berater seien der Auffassung, dass der LiLi-Markt müsse den Umsatz verdoppeln, um lebensfähig zu sein.

Suche nach Rettungsmöglichkeiten und neuen Konzepten

„Besteht denn die Möglichkeit, den Markt zu retten?“, erkundigte sich eine der Anwesenden. Ein anderes Konzept müsse her, hieß es, eventuell mit kürzeren Öffnungszeiten und verkleinertem Sortiment. Auch Einkaufsgutscheine, die nach und nach eingelöst werden, wurden vorgeschlagen. Bürgermeister Heepmann sah die Lösung darin, dass jemand sämtliche Gesellschafteranteile übernimmt. „Versuche in dieser Richtung gab es“, sagte er.

Strukturelle Probleme kleiner Einzelhandelsflächen

Einzelhandelskaufmann Michael Wallbaum, der dem LiLi-Markt anfangs Starthilfe leistete, wies auf die angespannte wirtschaftliche Lage hin. „Mit nur 200 Quadratmeter ist es ohnehin schwierig, einen Laden zu betreiben, auch wenn die Preise mit denen beim Discounter nahezu gleich sind“, stellte er fest. Man könne auch über einen Container nachdenken, der rund um die Uhr geöffnet bleibt. Doch das widerspreche dem Grundgedanken, einen Laden mit persönlicher Atmosphäre und der Möglichkeit zu individueller Ansprache zu schaffen.

Ein ernüchterndes Fazit und Ausblick

Eine tragfähige Lösung zeichnete sich an dem Abend nicht ab. „Ich habe Jahrzehnt ehrenamtliche Arbeit geleistet“, sagte Andreas Otte. „Es hat Spaß gemacht, auch wenn es anstrengend war. Aber ich muss akzeptieren, dass die Zeit über kleine Läden hinweggeht.“

Vorsitzender Hubrich versicherte, der Verein werde seine Arbeit für den Stadtteil fortsetzen. Ihm blieb am Ende nur der Rat: „Geht jetzt bitte noch einkaufen, damit sich die Liquidität erhöht und kein Gesellschafter mit seinem Vermögen haften muss.“

Jürgen Hubrich (rechts), der Vorsitzende des LiLi-Vereins, und Andreas Otte (Mitte) klärten über die Beweggründe auf, die zur Schließung des Bürgerladens geführt haben
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