Ein Besuch im Museum für Russlanddeutsche Geschichte

18. Mai 2026 | Überregionales

Ein Mann mit Bart und hellblauem Hemd spricht vor einer Museumswand mit Exponaten zur russlanddeutschen Geschichte

Tag des Museums

Kreis Lippe (rto). Zum Tag des Museums, am 17.5.2027, hatte auch das Museum für Russlanddeutsche Geschichte zu zwei Führungen eingeladen. Das Blaue Blatt nutzte die Gelegenheit an einer dieser geschichtlichen Führungen teilzunehmen.

Fachkundig führt Samuel Tews die Gruppe von mehr als 20 Personen durch die 2 Etagen der Geschichte der Russlanddeutschen. Die meisten der Besucher sind jung, hier geboren, in der dritten oder 4. Generation der Wolgadeutschen, oder anderen ehemaligen Kolonien.

Unwissenheit über Russlanddeutsche

„2,4 Millionen Russlanddeutsche leben in der Bundesrepublik und es ist sehr viel Unwissenheit über ihre Volksgruppe im Umlauf“, beginnt der Museumsführer seine gut eineinhalbstündige Führung.

Die Ursprünge: Von der Zarin angeworben

Um zu verstehen, was die seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts rückkehrende Menschengruppe ausmacht, muss man wissen, dass es sich bei den ”Russlanddeutschen” nicht um eine homogene Gruppe handelt. Es ist eine Gruppe von Menschen, die ihrer Wurzeln viele Generationen zurück im damaligen Deutschem Reich findet: Sachsen, Schwaben, Friesen, Westpreußen und andere Landsmannschaften, die über den Kolonistenbrief von 1763 der Zarin Katharina II., genannt die Große, als freie Kolonisten angeworben wurden und in das zaristische Reich zogen. Vier bis fünf Auswanderungswellen und 500 Kolonien habe es gegeben, berichtet der Museumsführer. Zuletzt seien Ausreisewillige, aber eher wohlhabende Deutsche, in der heutigen Ukraine, in Wolhynien angesiedelt worden.

Nach Generationen seien die Gruppen auch wieder in ihre alten Heimaten zurück gekommen, erzählt Tews und begründet damit, dass sich in OWL eben viele Mennoniten wieder angesiedelt hätten.

Erfolg und Niedergang im Zarenreich

Die ersten Generationen konnten ihre Mundarten pflegen, ihrem Glauben nachgehen und mussten keinen Militärdienst leisten. Sie waren die Deutschen im Zarenreich und lebten autonom. Bis ins 19. Jahrhundert hinein entwickelte sich so eine Erfolgsgeschichte in Russland. Unter Zar Alexander III. wurde ihnen dann erstmals alles genommen. Deutsch als erste Sprache in den Schulen verboten und auch der Militärdienst für sie zur Pflicht. Viele mussten dann im ersten Weltkrieg gegen Deutschland in den Krieg.

Die Enteignungen in den zwanziger Jahren, die Auslöschung ihrer Intelligenz durch die massenweise Hinrichtungen der Intellektuellen und das Verbot der eigenen Kultur sowie die Deportationen durch Stalin ab 1941 hätten eine traumatisierte Volksgruppe zurückgelassen, so Tews.

Die Rückkehr nach Deutschland: Missverständnisse

Bei der Rückkehr nach Deutschland als Spätaussiedler hätten sich viele noch als echte Deutsche gefühlt, wurden aber nicht als rückkehrende Deutsche in Deutschland, sondern als Russen wahrgenommen und schnell gemerkt, dass ihr Deutschlandbild nicht mehr mit der Realität zu tun hatte, resümiert der Fachmann.

Das Museum für Russlanddeutsche Geschichte

Im Museum in Detmold wird die Geschichte dieser Menschengruppe sehr eindringlich aber durchaus modern und interaktiv gezeigt. Sie ist sehr besucherfreundlich mit vielen Dingen zum Ausprobieren. Biografiesches ist zu sehen und Geschichten von Zeitzeugen zu hören.

Der Weg in die einzelnen Biografien führt über die ausgestellten Gegenstände, die jedes für sich seine eigene Geschichte erzählt.

Wie ein roter Faden führt die Ausstellung den Besucher vom Erdgeschoss in den Keller, vom Kolonistenbrief bis zur Neuzeit. Sie zeigt, dass es die blühenden Wolgaauen, die man den Deutschen damals versprach, nie gegeben hat.

Besuch planen

Das Museum wird seit dem Jahr 2016 vom Bund und seit 2021 auch vom Land NRW gefördert. Geöffnet ist das Museum von Dienstag – Freitag von 14.00 – 17.00 Uhr und samstags von 10.00 – 16.00 Uhr. Führungen können unter www.russlanddeutsche.de gebucht werden.

Besucher lauschen einem Vortrag in einer Ausstellung zur russlanddeutschen Geschichte mit Exponaten und Wandtexten
Teilen:
Facebook
Whatsapp
Twitter
×

DasBlatt Newsletter

Bleiben Sie informiert!

Alle 2 Wochen lokale Neuigkeiten
Interessante Kleinanzeigen
50% Rabatt-Gutschein als Willkommensgeschenk
Jederzeit kündbar

Sie erhalten eine Bestätigungs-E-Mail. Ihre Daten werden vertraulich behandelt.
Datenschutzerklärung