Ein Jahrzehnt gelebte Integration: „Dialog in Deutsch“ feiert Jubiläum

5. Feb. 2026 | Bielefeld

Sprachtraining und Begegnung in der Stadtbibliothek Bielefeld

Bielefeld. Es ist eine Erfolgsgeschichte, die vor genau zehn Jahren begann: Am 3.2.2016 startete in der Stadtbibliothek Bielefeld das Projekt „Dialog in Deutsch“. Was damals mit drei Gruppen pro Woche begann, hat sich heute zu einer unverzichtbaren Institution entwickelt, die Menschen unterschiedlichster Herkunft verbindet und sprachliche Barrieren abbaut.

Ein geschützter Raum ohne Leistungsdruck 

Das Konzept, das ursprünglich aus den Hamburger Bücherhallen stammt, ist so simpel wie effektiv: In offenen Gesprächsrunden können Menschen mit Migrationsgeschichte ihre Deutschkenntnisse anwenden – ganz ohne Hausaufgaben oder Prüfungsstress. Moderatoren begleiten die Gespräche behutsam, erklären Vokabular und sorgen dafür, dass jeder zu Wort kommt. Die Themen sind bewusst alltagsnah gewählt und reichen von Essen und Trinken bis hin zu kulturellen Unterschieden.

Ehrenamt als tragende Säule 

Getragen wird das Projekt von einem starken Team aus mittlerweile über 40 Ehrenamtlichen. Hans Kroeger, Koordinator des Teams und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Fördervereins der Stadtbibliothek, ist von der ersten Stunde an dabei. „Schnell hatten wir rund zehn Ehrenamtliche zusammen und konnten starten“, erinnert er sich an die Anfangszeit. Der Förderverein unterstützte das Vorhaben maßgeblich, nachdem man sich das Modell in der Stadtbibliothek Gütersloh abgeschaut hatte.

Mehr als nur Vokabeln lernen 

Für Teilnehmende wie Svitlana und Wolodymyr Hurenko aus der Ukraine ist das Angebot ein wichtiger Anker. „In regulären Sprachkursen hat man oft nur begrenzte Möglichkeiten, gesprochenes Deutsch im freien Austausch zu üben“, berichtet Svitlana. Das Projekt bietet genau diesen Raum. Neben der sprachlichen Sicherheit erfüllt „Dialog in Deutsch“ aber auch eine wichtige soziale Funktion: Viele Teilnehmende berichten, dass die Treffen helfen, Einsamkeit zu überwinden und Kontakte zu Einheimischen zu knüpfen.

Spiegel der Weltpolitik 

Die Zusammensetzung der Gruppen spiegelt stets die aktuellen Migrationsbewegungen wider. Waren es zu Beginn viele Menschen aus Syrien, kommen heute zahlreiche Teilnehmende aus der Ukraine. Christa Krebs, ehrenamtliche Unterstützerin, sieht in dieser Vielfalt sowohl Herausforderung als auch Chance: „Wir lernen als Ehrenamtliche mindestens genauso viel von den Teilnehmenden wie sie von uns.“ Ein Globus gehört bei den Gesprächen mittlerweile fast zur Grundausstattung.

Ergänzt wird das Programm inzwischen durch spezialisierte Angebote: So gibt es Gruppen für medizinisches Fachpersonal, in denen ehemalige Ärzte Fachbegriffe erklären, sowie Runden für Grammatik-Interessierte, die sprachliche Feinheiten spielerisch vertiefen.

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