Geschichtsforschung scheint den Menschen jung und frisch zu halten. Auch mit 96 Jahren beschäftigt sich Werner Höltke intensiv mit seiner Heimatstadt Oerlinghausen, hier mit dem fünften Band seiner Geschichten aus „Alt-Oerlinghausen“. Fotos: Horst Biere
Heimatverein Oerlinghausen zeichnet 96-jährigen Experten aus
Auszeichnung für das Lebenswerk
Oerlinghausen. „Werner Höltke ist das lebende Geschichtsbuch Oerlinghausens“, sagte der ehemalige Bürgermeister Dirk Becker einmal, als man ihn nach der Bedeutung Höltkes für die Bergstadt fragte. „Was immer man auch über unsere städtische Vergangenheit wissen will – ein Anruf bei ihm, und zumeist kann er schon nach kurzer Zeit präzise Auskunft geben.“ Jetzt erhielt der 96jährige Werner Höltke eine Auszeichnung für sein Lebenswerk. Auf der Mitgliederversammlung des Heimatvereins im Jägerhaus bekam er einen wertvollen Glaspokal mit eingravierter Widmung verliehen.
Leidenschaft für Vorträge und Geschichte
Seinen hohen Bekanntheitsgrad hat Werner Höltke vor allem durch seine Vortragsveranstaltungen gewonnen. Oft berichtete er bei den Veranstaltungen des Heimatvereins über Geschichte und Geschichten, über Tönsbergwege und Tweten, über Sennesand und Schopkestrand. Seit er im Jahre 1998 damit begonnen hat, hat Werner über 180 Vorträge ausgearbeitet und vorgestellt. Zu den bestbesuchten Veranstaltungen zählten seine Vorträge über den Berggasthof Tönsbergshöhe und über das Leben von August Westerheide in den letzten Jahren.
Der Weg zur Heimatforschung
Eigentlich wäre Werner Höltke gerne Lehrer geworden. Schon in Jugendjahren begeisterte er sich für Geschichte und auch heimatkundliches Wissen. Er hörte bei den Erzählungen seiner Großeltern und Eltern genau zu und hielt vieles in seinen Tagebüchern fest. Doch es ging ihm wie vielen anderen Jugendlichen jener Zeit: der Krieg und die schwierigen Nachkriegsjahre machten ihm einen dicken Strich durch die Rechnung. So erlernte er notwendigerweise den Beruf des Heizungsbauers, doch im privaten Bereich begann er, sich intensiv mit der Heimatgeschichte zu befassen.
Ein umfangreiches privates Archiv
Er sammelte zahllose Fotos aus Alt-Oerlinghausen, er archivierte Ansichtskarten der Bergstadt, die die Schönheit der „Sommerfrische Oerlinghausen“ zeigten. „Weit mehr als 1.000 Bilder in allen Größen, sind nunmehr in meinem Archiv“, sagt er, „historische Notgeldscheine aus Lippe, etwa 150 Bleistiftzeichnungen meines Freundes Ernst Meier und viele verschiedene Flugblätter, die während des Krieges über unserer Region von den Alliierten abgeworfen wurden.“
Anerkennung und Publikationen
Da blieben Ehrungen und öffentliche Anerkennungen natürlich nicht aus. Im Jahre 2004 erhielt Werner Höltke den Horst-Steinkühler-Preis. Die Lippische Rose in Silber des Lippischen Heimatbundes überreichte man ihm für seine Verdienste um die Heimatgeschichte. Und Ehrenvorsitzender des Oerlinghauser Heimatvereins ist er längst. Auch die Geschichtsvereine anderer Orte, wie die in Leopoldshöhe oder Ubbedissen schätzten sein Fachwissen und luden Werner Höltke immer wieder zu Vorträgen ein. Und häufig unterhielt er die Bewohner des Altenheims mit Geschichten aus der früheren Bergstadt. In Beiträgen für deren gut gemachte Zeitschrift war er regelmäßig vertreten. Und fünf hübsch bebilderte Bücher über Alt-Oerlinghausen hat er mittlerweile herausgebracht. Weiterhin einen Band über die Oerlinghauser Stiegen und Gassen, die sogenannten Tweten. (Autor: Horst Biere)