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Erste gemeinsame Jahresbilanz der Agentur für Arbeit Detmold-Paderborn

10. Jan. 2026 | Überregionales

Eingetrübte Konjunktur belastet weiter den Arbeitsmarkt in Kreis Lippe

Kreis Lippe (rto). Als neues Team des Zusammenschlusses der Agentur für Arbeit Detmold-Paderborn stellten Heinz Thiele, Vorsitzender der Geschäftsführung, Vera Ehrlich-Speckbrock, Operative Geschäftsführerin und Birgit Bach, Leiterin der Geschäftsstelle Detmold, erstmals die Jahresbilanz des Lippischen Arbeitsmarktes 2025 und einen Ausblick für 2026 vor.

Heinz Thiele freute sich zu Beginn der Pressekonferenz darüber, dass die Fusion der beiden Agenturen mit Hauptsitz in Paderborn noch zu seiner aktiven Zeit gekommen sei. Er wird noch in diesem Jahr in den Ruhestand gehen.

Jahresbilanz 2025: Steigende Arbeitslosigkeit in Lippe

Der Bericht zur Jahresbilanz 2025 zeigt auf, dass im Jahr 2025 1.350 Menschen in Lippe arbeitslos waren. Das sind 9,9 Prozent mehr als 2024. Damit ist die Arbeitslosigkeit im Kreis auf 6,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

„Die hinlänglich thematisierte Konjunkturlage sorgt dafür, dass die Arbeitslosigkeit ausgehend vom vergleichsweise niedrigen Niveau im Jahr 2022, das dritte Mal im Jahresdurchschnitt zunimmt. Es wird für Arbeitslose und Arbeitssuchende schwieriger eine neue angemessene Stelle zu finden“, so Heinz Thiele.

Herausforderungen und Maßnahmen am Arbeitsmarkt

Jedoch betont er auch, dass das Bestreben der Arbeitgeber, ihre Fachkräfte zu halten, eine noch höhere Arbeitslosigkeit verhindert. Gleichzeitig ist aber auch die Meldung neuer Arbeitsstellen deutlich zurück gegangen und hat den Tiefpunkt der letzten 15 Jahre erreicht. Besonders betroffen von Arbeitslosigkeit sind Ungelernte und Helfer. Im Gegensatz dazu wird es immer schwieriger Fachkräfte zu finden und trotz der Situation in freie Stellen zu vermitteln. „Ausbildung und Fortbildung sind deshalb nach wie vor sehr wichtig, geht aber bei den Arbeitgebern leider zurück. Wir als Agentur für Arbeit können die Arbeitgeber dabei aber in vielerlei finanziell unterstützen. Für das Jahr 2026 sind dafür ausreichend Mittel da. Auch Kurzarbeit hilft Fachkräfte zu halten“, so Thiele.

Thiele appelliert an die Arbeitgeber, Helfer oder Ungelernte nicht einfach zu entlassen, sondern die Möglichkeiten der Arbeitsagentur für Fort-und Ausbildung in Anspruch zu nehmen.

Dynamik und Stellenentwicklung

Trotz der steigenden Arbeitslosigkeit herrsche eine hohe Dynamik am Arbeitsmarkt, erläutert Vera Ehrlich-Speckbrock. So decken sich Zugang und Abgang der Arbeitslosen fast identisch.

Der Stellenzugang gemeldeter offenen Stellen ist seit Höchststand im den Jahr 2011 um fast die Hälfte auf 4.631 Stellen gefallen. Der Stellenbestand geht am Ende des Jahres im Vergleich zum Januar(347) nach zwischenzeitlichen Anstiegen im Februar und August auf 312 Stellen zurück. Bis Juni waren mehr Betriebe in Kurzarbeit als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Trotz der konjunkturellen Schwäche steigt die Zahl der Beschäftigten im Jahr 2025 um drei Prozent weiter an.

Branchen im Fokus: Gewinner und Verlierer

Bei den Branchen steht der Handel ganz weit oben, was möglicherweise mit der Ansiedlung von Amazon in Belle zu tun haben kann. Verlierer sind die Metall- und Elektroindustrie und die Arbeitnehmerüberlassungen (Leiarbeiter). Der Bereich Heime- und Sozialwesen sowie Gesundheitswesen zeigen dagegen eine Zunahme von Sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten auf. Das zeigt auch der Vergleich geringfügig Beschäftigter. Hier zeigt der Handel eine Zunahme vom 2,8 Prozent und der Dienstleistungsbereich von 4,3 Prozent auf. Dementsprechend fällt die Quote in der Metall- und Elektroindustrie auf minus 8,8 Prozent.

Demografische Lücke und Zukunftsstrategien

Deutlich weisen die Vertreter der Arbeitsagentur auf die zu erwartende demografische Lücke hin. Demnach fehlen schon bis zum Jahr 2035 rund 21.000 Fachkräfte. Um dem entgegen zu wirken empfehlen die drei Agenturspitzen den Arbeitgebern positive Imagebildung zur Gewinnung von Fachkräften, Ausbildung auf Vorrat und Strategien zur Integration von Berufsrückkehrern, älteren Mitarbeitern, benachteiligten Jugendlichen und Migranten.

Ausblick auf 2026

Für das Jahr 2026 prognostizieren sie eine Zunahme der Arbeitslosigkeit im Mittel von ca. 1,1 Prozent was dann einer tatsächlichen Zahl von um die sieben Prozent entspricht.

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