
Gute Stimmung und volle Deele: Mehr als 200 Gäste kamen zum Winterfest des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld.Traditionell wird der berufliche Nachwuchs ausgezeichnet. Foto: Bernd Upmeier zu Belzen
Traditionelles Winterfest des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld auf dem Uphof
Bielefeld/Herford. Eine „volle Deele“, ausgelassene Stimmung und ernste Worte zur Lage der Nation prägten das Bild am vergangenen Samstag, dem 10.1.2026, beim traditionellen Winterfest des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld. Rund 200 Gäste waren der Einladung gefolgt und fanden sich auf dem historischen Uphof Upmeier zu Belzen in Bielefeld ein, um gemeinsam das neue Jahr zu begrüßen. Trotz der vielfältigen Herausforderungen, denen sich der Berufsstand derzeit stellen muss, herrschte eine spürbare Feierlaune. Besonders erfreut zeigte sich der Kreisverbandsvorsitzende Hermann Dedert über die starke Präsenz der jungen Generation: Über 50 Mitglieder der Landjugend waren anwesend und unterstrichen damit den Zusammenhalt und die Zukunftsorientierung der regionalen Landwirtschaft.
Klare Forderung nach politischem Kurswechsel
In seiner Grundsatzrede nutzte der Vorsitzende Hermann Dedert die Gelegenheit, um die aktuelle wirtschaftliche und politische Situation der heimischen Bauernfamilien schonungslos zu analysieren. Er zeichnete ein Bild einer Branche, die unter massivem Druck steht. Dedert verwies auf die schlechte Preissituation, die sich mittlerweile durch alle Bereiche der landwirtschaftlichen Erzeugung zieht. Er nannte dabei explizit die „katastrophalen Getreidepreise“ sowie die sinkenden Erlöse für Milch, die den Betrieben die Luft zum Atmen nehmen. Ein besonderes Augenmerk legte er auf die Schweinehaltung: Hier fehlen insbesondere den Sauenhaltern jegliche langfristigen Planungsperspektiven, was die Existenz vieler Höfe bedroht.
Mit deutlichen Worten richtete sich Dedert an die Entscheidungsträger in der Politik und forderte einen sofortigen Kurswechsel. „Unsere Höfe brauchen endlich mehr Wettbewerbsfähigkeit – weniger Gängelung und mehr Spielraum“, mahnte der Vorsitzende unter dem Applaus der Anwesenden. Es bedürfe Entscheidungen, die einen echten Aufbruch bewirken und beispielsweise den massiven Investitionsstau auf den Höfen auflösen könnten. Dedert betonte die Bereitschaft der Landwirte, Verantwortung zu übernehmen: „Wir stehen in der Verantwortung und wollen die Zukunft mitgestalten. Dafür fordern wir verlässliche Rahmenbedingungen, Planungssicherheit und Vertrauen in unsere Arbeit.“ Sein Appell an die Politik war unmissverständlich: „Es ist Zeit zu handeln – mehr Mut und wirklicher Aufbruch sind überfällig.“
Rückblick auf ein bewegtes Jahr
Neben den ernsten Tönen gab es jedoch auch viel Grund zur Freude beim Rückblick auf die Öffentlichkeitsarbeit des vergangenen Jahres. Der Kreisverband konnte auf eine Reihe gelungener Veranstaltungen zurückblicken, die den Dialog zwischen Landwirtschaft und Bevölkerung stärkten. Dedert erinnerte an die „Tour de Flur“ im Juni, die in Enger und Spenge rund 800 Teilnehmer mobilisierte. Auch die kreative Projektion eines überdimensionalen Fahrrades aus Stroh und fahrenden Traktoren anlässlich der Deutschlandtour der Radprofis im August blieb in bester Erinnerung.
Ein absolutes Highlight war jedoch die Lichterfahrt im Dezember: 70 geschmückte und festlich beleuchtete Traktoren zogen durch die Stadt Herford und lockten am 3. Advent schätzungsweise 35.000 Besucher an die Straßenränder. „Hier danken wir allen, die dabei waren und diese Veranstaltungen zu etwas Besonderem gemacht haben“, resümierte Dedert stolz.
Die Zukunft gehört der Jugend
Traditionell steht das Winterfest auch im Zeichen der Ehrung des beruflichen Nachwuchses. Gemeinsam mit Thomas Rieger, dem Schulleiter der Fachschule für Agrarwirtschaft in Herford, und dem Landrat des Kreises Herford, Mirco Schmidt, nahm Hermann Dedert die Auszeichnungen vor. Insgesamt wurden 15 junge Menschen geehrt, die im vergangenen Jahr ihre Ausbildung zum Landwirt oder zum staatlich geprüften Agrarbetriebswirt erfolgreich absolviert haben.
„Wir freuen uns, dass wir eine so gute Zahl von Berufsnachfolgern haben“, hob Dedert hervor. Die Landwirtschaft sei eine Zukunftsbranche und benötige für die Bewältigung der kommenden Aufgaben dringend sehr gut ausgebildete Fachkräfte. An die Absolventen gerichtet sagte er: „Mit Ihrem Abschluss in der Tasche starten Sie mit besten Chancen in Ihre persönliche Zukunft. Dabei bleibt es wichtig, das einmal erworbene Wissen stets auf dem neuesten Stand zu halten und auszubauen.“
Im feierlichen Rahmen des Winterballs wurden zunächst die neuen staatlich geprüften Agrarbetriebswirte geehrt: Jörn Breuer aus Bünde, Fabian Mülke aus Löhne sowie Henning Peppmeier aus Spenge erhielten ihre Anerkennung für die anspruchsvolle Weiterbildung.
Erfolgreiche Ausbildung zum Landwirt
Zudem wurde die erfolgreiche Ausbildung zum Landwirt von einer großen Gruppe junger Talente gefeiert. Ausgezeichnet wurden: Marie Backs (Löhne), Max Behr (Bielefeld), Maximilian Bothe (Bielefeld), Nico Hellmann-Brettholle (Rödinghausen), Dominic Klostermeier (Enger), Jarosch Kunert (Bielefeld), Jonas Strenger (Herford), Chris Tiemann (Rödinghausen), Tim Tiemann (Rödinghausen), Wiebke Wittland (Herford), Leon Krog (Spenge) und Imke Thiesmeier (Vlotho).
Mit der Übergabe der Urkunden schloss Dedert den offiziellen Teil: „Sie alle haben einen wichtigen Abschnitt ihrer beruflichen Laufbahn erfolgreich abgeschlossen.“
