Landwirte fordern mehr Vertrauen und Verlässlichkeit, um die heimische Versorgung zu sichern.

1. Okt. 2025 | Überregionales

Erntedankfest im Spannungsfeld von Natur und politischer Planlosigkeit 

Herford-Bielefeld/wlv (Re) – Zum diesjährigen Erntedankfest blicken die heimischen Landwirte des Kreises Herford-Bielefeld auf eine durchwachsene Saison zurück. „Wir konnten eine durchschnittliche Ernte einfahren, allerdings mit großer Streuung“, resümiert der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld, Hermann Dedert. Einmal mehr habe das Zusammenspiel von Frühjahrstrockenheit und Regen zur Haupterntezeit gezeigt, wie stark die Landwirtschaft trotz aller technologischen Fortschritte, Wettervorhersagen und digitalen Möglichkeiten von den Launen der Natur abhängt.

Dedert betont: „Wir arbeiten unter freiem Himmel, und wir Landwirte wissen um die Gefahren, die Wind und Wetter, Schädlinge und Krankheiten für das Erntegut auf den Feldern bedeuten.“ Eine Ernte sei erst dann wirklich in Sicherheit, wenn sie unter Dach und Fach ist. „Wir Bauern sagen deshalb zu Erntedank Danke für den Wert unserer Ernte, für den Wert unserer guten Versorgung mit Lebensmitteln und für den Wert des Friedens,“ hebt der Landwirt hervor.

Getreide und Raps: Zwischen Sorge und Zufriedenheit

Das Wachstumsjahr 2025 unterschied sich wesentlich von den beiden vorherigen, die durch reichliche Niederschläge geprägt waren. „Die Trockenheit im Frühjahr hinterließ vor allem auf den sandigen und flachgründigen Böden, also jenen mit geringerem Wasserhaltevermögen, ihre Spuren“, erläutert der Vorsitzende. Die Getreide- und Rapsernte fällt regional unterschiedlich aus, doch tendenziell zeigen sich die Bauern mit dem Ergebnis zufrieden. Die Getreideernte startete früh, doch der Regen in der Haupterntezeit sorgte für Verzögerungen. „Es gab immer nur so viel, dass der Drescher nicht herausfahren konnte“, berichtet Dedert.

Doch eine anschließende, wirklich gute Schönwetterphase ermöglichte es den Landwirten, alles zügig und erfolgreich einzufahren. Dedert legt Wert darauf zu erklären: „Bitte nehmen Sie es nicht übel, wenn wir Bauern viel über das Wetter reden und man es uns oft nicht recht machen kann.“ Er fügt hinzu, dass Nervosität aufkomme, „wenn der Weizen reif ist und es dann schon wieder regnet.“ Schließlich säen, hegen und pflegen die Landwirte ihre Pflanzen auf dem Acker, „und mit der Ernte verdienen wir unser Geld“, so der Landwirt.

Grünland: Mittelmäßige Futterernte

Auch das Grünland war von den wechselhaften Bedingungen betroffen. Bei den Wiesen und Weiden konnten die Bauern eine mittelprächtige Grasernte als Futter für das Rindvieh einfahren. Das Grünland benötigt viel Feuchtigkeit, und die trockenen Phasen im Frühjahr und Sommer führten zu einem geringeren Aufwuchs als in feuchteren Jahren.

Die herbstliche Ernte: Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben

Die Maisernte begann in vielen Regionen früh, doch die langanhaltende Trockenheit im Sommer setzte den Beständen zu, besonders auf sandigen Böden. Die Maisernte fällt insgesamt durchschnittlich aus. Die Kartoffelernte startete ebenfalls zeitig und präsentierte sich mit guten Qualitäten und sehr guten Erträgen. „Auch die Zuckerrüben zeigen sich bislang mengen- und zuckermäßig gut“, berichtet der Vorsitzende. Da sie noch bis Dezember geerntet werden, hängt das Endergebnis hier stark von der folgenden Witterung ab. Für einen optimalen Zuckerertrag benötigen die Rüben gerade jetzt ausreichend Sonnenschein.

Ein Wermutstropfen: Unzureichende Preise

Ein Wermutstropfen bleibt jedoch: Die Bauern sind mit den aktuellen Preisen unzufrieden. Insbesondere die Getreide- und Kartoffelpreise seien völlig unzureichend und nicht kostendeckend, was die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe zusätzlich belastet.

Politischer Kurswechsel gefordert: Mehr Vertrauen, weniger Bürokratie

Zum Erntedankfest erinnert Hermann Dedert eindringlich daran: „Auch wenn unsere Supermarktregale übervoll sind, ist eine zuverlässige Versorgung keineswegs gegeben, angesichts zunehmender klimatischer und globaler Unsicherheiten.“ Eine heimische, funktionierende Landwirtschaft sei daher wichtiger denn je; sie sei ein Garant für Frieden und Wohlstand. Doch vielen Bauernfamilien mangele es an Zukunftsperspektiven und vor allem an Planungssicherheit, insbesondere im Bereich der Tierhaltung. „Von der Politik kommen bisher so gut wie keine umsetzbaren Vorschläge, die den Höfen helfen könnten“, kritisiert der Vorsitzende scharf.

Um eine sichere und nachhaltige Versorgung mit hiesigen Lebensmitteln zu gewährleisten, fordert Dedert einen klaren Kurswechsel: Es müsse endlich Schluss sein mit der politischen Planlosigkeit, mit lähmender Regelungswut und mit Wendemanövern wie beispielsweise dem abrupten Aus beim Bundesprogramm Umbau Tierhaltung. „Wie sollen die Höfe teure Stallumbauten angehen, wenn sie sich nicht auf Zusagen verlassen können?“, fragt Dedert. Bei allen Bemühungen um eine verbesserte Tierhaltung müsse es für die Bauernfamilien machbar und wirtschaftlich tragbar sein. Solche politischen Unsicherheiten seien erhebliche Hindernisse für neue und sinnvolle Entwicklungen. „Weniger Bürokratie, mehr Vertrauen, mehr ermöglichen ist vonnöten – wir Bauern wollen Zukunft gestalten und Verantwortung übernehmen“, bekräftigt der Vorsitzende abschließend und sendet damit eine klare Botschaft an die Politik.

Bei den Wiesen und Weiden, konnten die Bauern eine mittelprächtige Grasernte als Futter für das Rindvieh einfahren. Durch die trockenen Phasen im Frühjahr und im Sommer war der Aufwuchs geringer.
Die Bauern sind mit der Ernte zufrieden. Doch die Getreide- und Rapsernte fällt je nach regionalen Bedingungen unterschiedlich.
Auch wenn unsere Supermarktregale übervoll sind, ist eine zuverlässige Versorgung keineswegs gegeben, angesichts zunehmender klimatischer und globaler Unsicherheiten.
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