
Ministerpräsident Hendrik Wüst (Mitte), Dr. Georg Lunemann, Direktor des LWL (rechts daneben) Detmold Bürgermeister Frank Hilker, und Landrat Meinolf Haase durchschneiden zur Einweihung zusammen mit weiteren Vertretern des LWL das ”Rote Band” zur Eröffnung. Fotos: Reiner Toppmöller
NRW-Ministerpräsident Wüst eröffnet das zukunftsweisende Eingangs- und Ausstellungsgebäude des LWL Museums Hellerlecht in Detmold
Festakt zur Eröffnung und umstrittener Name
Detmold (rto). Der neue Ausstellungssaal war mit 400 geladenen Gästen beim Festakt zur Eröffnung des neuen Eingangsgebäudes am Freilichtmuseum mehr als gefüllt, als NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst als Ehrengast seine Festansprache hielt. Eines sei allerdings an ihm vorbeigegangen: Die Diskussion um den neuen Namen des Freilichtmuseums.
Diese Diskussion hatte ja über lange Zeit die Region bewegt, heißt das gute alte „Freilichtmuseum“ jetzt doch ”LWL Museum Hellerlecht”. Gewaltig steht der Neubau jetzt vor dem Eingang zum Museum und soll die Besucher für ihre Geschichte und Heimat begeistern. Zur Einweihung waren Gäste aus der Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik und Wirtschaftsvertreter geladen. Dr. Georg Lunemann, Direktor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), begrüßte die Anwesenden, dankte allen Beteiligten und betonte er die herausragende Bedeutung des neuen Eingangs- und Ausstellungsgebäudes. „Das Gebäude ist mehr als nur das, es ist ein besonderer zukunftsweisender Ort, die neue Mitte und heißt die Menschen willkommen. Es steht allen offen“, sagte er.
Er ging auf die nachhaltige Bauweise ein mit Stumpflehmwänden, besonderen Beton und viel Holz, Materialen die sich dem Gedanken des Museums angepasst hätten. Auch auf die Kosten die mit 58 Mio. Euro zu Buche schlagen und mit 6 Mio. Euro vom Land gefördert wurden.
Ministerpräsident Wüst lobt Neubau und Bedeutung der Heimatmuseen
Auch Ministerpräsident Hendrik Wüst lobte den Neubau. „In diesem lauten Zeiten, brauchen die Menschen einen Ort der Ruhe und der Besinnung“, so der Ministerpräsident. Er lobte die Rolle der Nachhaltigkeit bei der Planung und dem Bau des Gebäudes: „Ich bin echt beeindruckt, was hier entstanden ist. Es fühlt sich gut an, hier zu sein, und es sieht großartig aus.“
Mit dem neuen Gebäude böten sich völlig neue Möglichkeiten, über das gesamte Jahr hinweg Ausstellungen, Bildungsangebote und Begegnungen möglich zu machen sagte er. Weiter betonte er, Heimatmuseen wie dieses seien wichtig, weil sie einen Einblick in die Kulturgeschichte gäben und zeigten, was die Menschen vor unserer Zeit geschaffen hätten. Er wünschte sich, dass dieses Museum Anreiz zur Auseinandersetzung mit der Frage gebe, was unsere Heimat ausmache und was sie bedeute.
Am Ende sagte er, die Menschen seien nie so unterschiedlich gewesen wie jetzt mit so unterschiedlichen Ansichten über ihre Zukunft. „Doch wie kann man regeln, wie sich Heimat in Zukunft entwickeln solle? „Da gibt es eine sehr alte Idee, die ist nicht fehlerfrei, aber die hat sich bewährt. Die Idee heißt Demokratie.“ Am Ende sorgte er noch für leichte Unterhaltung als er sagte: „Ich finde es richtig, dass hier drei Tage gefeiert wird, das hier ist es wert – auch wenn ich das sonst nur von Schützenfesten kenne.“ Für den feierlichen Rahmen hatte das Landestheater sein Symphonisches Orchester und Musiktheaterensemble zur Verfügung gestellt.
Neue Möglichkeiten und Besucherangebote
Die Besucher werden jetzt ab sofort an einem Tresen empfangen, an dem Tickets und Informationen erhältlich sind. Direkt dahinter befindet sich ein Museumsshop. Im angrenzenden Auditorium mit 140 Plätzen können künftig Vorträge gehalten oder auch Kinofilme gezeigt werden.
Vier mal sieben Meter misst das neue Geländemodell, das Orientierung und Informationen bieten soll. Darauf sind alle 120 Gebäude auf dem rund 90 Hektar großen Gelände befinden zu sehen. Über Touchscreens können die Besucher Wissenswertes zu den einzelnen Häusern, Mühlen, Tieren und mehr abrufen. Das insgesamt 3.100 Quadratmeter große Forum ist das ganze Jahr über geöffnet und kann kostenlos betreten werden.
Der Ausstellungsbereich ist das Kernstück des Forums mit dem neuen, 137 Quadratmeter großen „White Cube“. Im hinteren Gebäudeteil des „Forums“ befinden sich ein Bistro und eine Mühlenwerkstatt für Kinder, beides jederzeit kostenfrei zugänglich.
KOMMENTAR
KOMMENTAR „Darf man Kritik üben? Ja man darf!“
Monumental wie die Überreste der Zeppelintribüne in Nürnberg steht das neue Eingangsgebäude des ehemaligen Freilichtmuseums in Detmold jetzt an der Straße nach Berlebeck. Mit großen Lettern davor ”LWL Museum Hellerlecht”. Ein Begriff, mit dem hier niemand etwas anfangen kann und der lange diskutiert, von der LWL-Spitze in Münster durchgesetzt wurde. Monumental der Treppenaufgang in der Mitte des 58 Mio. Euro teuren Gebäudes, der die Menschen und vor allem junge Menschen, ins Museum locken soll.
Passt das in eine Zeit, in der bei der zur Eröffnung nicht nur rund 400 geladene Gäste sondern auch eine Armada schwarzer Luxuslimousinen bayrischer Herkunft mit Münsteraner Kennzeichen in mindestens sechsstelliger Höhe vor der Tür standen und der Audi des Landrates aussah wie das Fahrzeug des Gärtners und der Bundeskanzler zeitgleich im Radio verkündet wo die Menschen ihren Gürtel wieder enger schnallen sollen?
Unser geliebtes und oft besuchtes Freilichtmuseum, ein Herzstück Lippes, brauchte es dieses Denkmal einer Amtsperiode? Sicher nicht. Für die meisten Lipper, die bodenständig und genügsam lebten und leben, ist dieser Eingriff mit Namensänderung und der Monumentalbau nicht zu verstehen.
Veränderung muss sein, da hat unser Ministerpräsent recht. Aber, in einer Zeit wirtschaftlicher Probleme, geraden den Menschen in einer Region die als sparsam bekannt ist, so ein Ding vor die Nase zu setzen, ist schon heftig. Auch das Ziegeleimuseum in Lage gehört dem LWL. Bisher auch ein beschauliches kleines Museum mit hohem Informationsgrad. Wann werden wir hier den Monumentalismus der Münsteraner über uns ergehen lassen müssen.
Ich war selbst und auch oft mit meinen Kindern im Freilichtmuseum, habe dort viele schöne Stunden erlebt. Für uns, und ich bin sicher auch für die Mehrzahl der Besucher, reichte das alte Eintrittsgebäude. Der jetzt entstandene, aus meiner Sicht, monumentale Neoklassizismus am Eingang schreckt mich einfach ab und zeigt leider nicht wie schön es doch da hinter ist. Kommentar von Autor Reiner Toppmöller

