Oerlinghausen (kd). Es ist eine verfahrene Situation: In der Sache sind sich die Oerlinghauser Politiker zwar einig: Das Niklas-Luhmann-Gymnasium muss saniert werden, für die Heinz-Sielmann-Schule ist ein Neubau erforderlich. Offen bleibt allein die Frage, wo gebaut wird. Die CDU, die FDP und die Initiative Oerlinghausen (IO) haben über die Sachlage informiert, 150 Interessenten kamen zu der Veranstaltung.
Entscheidungshilfen liegen bereits ausreichend vor. 2024 und 2025 wurden insgesamt drei fachliche Untersuchungen erstellt. In diesem Jahr war eine Informationsveranstaltung im Mai gut besucht. Ferner ergab eine Befragung, dass 84 Prozent der Rückmeldungen eine Beibehaltung der beiden getrennten Schulstandorte wünschten.
Die Lager sind gespalten: „Zweiseitenlösung“ vs. „Einseitenlösung“
Allerdings waren die Meinungen in den politischen Gremien gespalten. Es gab Befürworter für die bisherige Situation, die beiden weiterführenden Schulen an ihren Standorten fortzuführen („Zweiseitenlösung“). Demgegenüber gab es Stimmen, räumlich beide Schulen zusammenzulegen, um Synergieeffekte zu erzielen und das freiwerdende innerstädtische Gelände anderweitig zu nutzen. Für diese „Einseitenlösung“ treten SPD und Grüne ein. Sowohl im Bauausschuss und im Schulausschuss als auch im Rat fand sich keine Mehrheit für einen der Anträge. Bei diesem anhaltenden Unentschieden („Patt“) konnte daher noch kein Beschluss gefasst werden.
Unabhängig vom möglichen Standort würde der Neubau der Heinz-Sielmann-Schule rund 50 Millionen Euro kosten, berichtete Angelika Lindner (CDU). Die Stadt wäre daher auf Fördermittel angewiesen. Einschließlich Rückbau würden die Arbeiten etwa sieben Jahre dauern. Für die Sanierung und Erweiterung des Gymnasiums werden 15,5 Millionen Euro veranschlagt, wie eine Studie ergab.
Ein Architekturbüro hat bereits verschiedene Varianten aufgezeigt, wo die Sekundarschule auf dem Gelände des Gymnasiums errichtet werden könnte, wie Robin Täuber (CDU) erläuterte. Ein Anbau, ein eigenes Gebäude oder eine Aufstockung kämen in Frage. Allerdings fehle dann immer noch der Platz für Pkw- und Fahrradstellplätze sowie eine zweite Mensa, sagte Täuber. Er wies darauf hin, dass sich beide Schulkollegien für das Beibehalten der bestehenden Standorte ausgesprochen haben.
Ratsbürgerentscheid als möglicher Ausweg?
Um die Pattsituation zu überwinden, wurde ein Ratsbürgerentscheid vorgeschlagen. Auf dem Weg dahin gebe es aber hohe Vorgaben, führte Dennis Thon (IO) aus. Zwei Drittel der Ratsmitglieder dafür sein und anschließend müssten sich mindestens 20 Prozent der Bürger beteiligen.
Außerdem haben sich aktuell zwei weitere Beratungsunternehmen ihre Unterstützung angeboten. Das eine geht von pädagogischen Gesichtspunkten aus, um ein Raumkonzept zu entwickeln, das andere betont vor allem die städtebaulichen Möglichkeiten.
Schulleitungen fordern „Zweiseitenlösung“
Eine externe Begleitung hielt Christian Landerbarthold, Leiter der HSS, nicht für notwendig. „Wir haben genügend eigene Expertise, schließlich ist Schulentwicklung unser tägliches Geschäft.“ Er sprach sich ebenso wie Katrin Tebben, Leiterin des Gymnasiums, für die Zweiseitenlösung aus. Beide Schulen könnten sich besser entfalten und hätten mehr Platz. „Meine Bitte an den Rat: Die Interessen der Kinder müssen Vorrang vor wirtschaftlichen Erwägungen haben“, sagte Landerbarthold.
Michael Hanke, Elternvertreter am NLG, kritisierte, dass bislang zu wenig über pädagogische Fragen diskutiert wurde. „Wir brauchen zuerst eine Zieldefinition, nicht nur eine Abstimmung über A oder B“, sagte er.
Bürgermeister Peter Heepmann betonte, dass beide Schulen eine ausgezeichnete Arbeit leisteten. Man solle sich genügend Zeit nehmen, um über die weitere Entwicklung zu beraten. Einige Aspekte seien noch gar nicht berücksichtigt worden, zum Beispiel könnte möglicherweise die Fläche des jetzigen Klärwerks frei werden.
Ruf nach Konsens
Die Fronten sollten möglichst schnell aufgelöst werden, meinte ein Zuhörer. Eine Befragung sei wenig hilfreich, weil sie von vielen Befindlichkeiten beeinflusst werde, argumentierte er. „Meine Bitte an den Rat lautet: Einigen Sie sich.“ Ähnlich äußerte sich auch die Schülersprecherin des Gymnasiums und der Bürgermeister. „Ich wünsche mir einen Konsens, aber wie brechen wir die aktuelle Situation auf?“, sagte Heepmann.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es bei der Diskussion um die Schulstandorte in Oerlinghausen?
Die Diskussion in Oerlinghausen dreht sich um die Sanierung des Niklas-Luhmann-Gymnasiums und den notwendigen Neubau der Heinz-Sielmann-Schule. Hauptstreitpunkt ist die Frage, ob beide Schulen an getrennten Standorten bleiben sollen oder räumlich zusammengelegt werden.
Welche Positionen vertreten die politischen Parteien und Initiativen?
Die CDU, die FDP und die Initiative Oerlinghausen (IO) informierten über die Diskussion, wobei sie wie 84 Prozent der Rückmeldungen eine Beibehaltung der beiden getrennten Schulstandorte („Zweiseitenlösung“) wünschen. SPD und Grüne treten hingegen für eine räumliche Zusammenlegung („Einseitenlösung“) ein.
Wie hoch sind die geschätzten Kosten für die Schulprojekte?
Angelika Lindner (CDU) berichtete, dass der Neubau der Heinz-Sielmann-Schule rund 50 Millionen Euro kosten würde. Für die Sanierung und Erweiterung des Niklas-Luhmann-Gymnasiums werden laut einer Studie 15,5 Millionen Euro veranschlagt.
Was ist die Haltung der Schulleitungen und Elternvertreter?
Christian Landerbarthold, Leiter der Heinz-Sielmann-Schule, und Katrin Tebben, Leiterin des Gymnasiums, sprechen sich für die „Zweiseitenlösung“ aus, um beiden Schulen mehr Entfaltungsmöglichkeiten zu geben. Michael Hanke, Elternvertreter am Niklas-Luhmann-Gymnasium, bemängelte, dass bisher zu wenig über pädagogische Fragen diskutiert wurde und eine Zieldefinition fehle.