Nach elf Jahren wird der LiLi-Lebensmittelmarkt in Lipperreihe geschlossen

12. Jan. 2026 | Oerlinghausen

Das Ende eines Experiments

Oerlinghausen (kd). Schlechte Zeiten: In Lippe hat die Zahl der Insolvenzen den höchsten Stand seit zehn Jahren erreicht. „Wir wollen aber keine Insolvenz und werden in einem geordneten Verfahren schließen“, sagte Ralph Ober, ehrenamtlicher Geschäftsführer des LiLi-Marktes in Lipperreihe. Der Umsatzrückgang lasse keine andere Entscheidung zu. Was vor elf Jahren als Bürgerladen begann, wird am 20.2.2026 beendet. Die ehrenamtlichen Helferinnen sind enttäuscht.

Die Entstehung als Bürgerprojekt

Am 25.9.2014 wurde auf Initiative des Vereins „Leben in Lipperreihe“ der LiLi-Nahkauf eröffnet. Grund war die fehlende Versorgung mit Lebensmitteln im Ort. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger haben dann „ihren Laden“ möglich gemacht. Zunächst mit Darlehen und Spenden, dann mit ungezählten Stunden freiwilliger und unbezahlter Arbeit. Der Markt bot Lebensqualität und entwickelte sich zu einem echten Treffpunkt. 2024 war das zehnjährige Bestehen mit einem großen Fest gefeiert worden.

Wirtschaftliche Gründe für die Schließung

„Die Entscheidung fiel am 31.12.2025. Sie ist uns nicht leichtgefallen, aber die Gesellschafter der LiLi GmbH, die den Markt als Franchise-Unternehmen betreiben, müssen leider anerkennen, dass sich der Markt nicht mehr wirtschaftlich halten lässt“, teilte Geschäftsführer Ober jetzt mit. Die Entwicklung habe sich schon im Herbst abgezeichnet. Der Umsatz sei immer weiter gesunken, im November habe der Rückgang bei 9,5 Prozent gelegen. „Wir haben uns mehrfach getroffen, die Situation erörtert und mögliche Alternativen überlegt“, sagte der Geschäftsführer. Das Sortiment wurde schon eingeschränkt, die Ware anders angeordnet. „Doch die Zahlen haben richtig reingehauen“, sagte Ober.

Herausforderungen durch Kostensteigerungen

Dabei verlief die bisherige Entwicklung recht erfolgversprechend. Der Markt überstand die Corona-Pandemie und die Eröffnung des Rewe-Marktes in der Südstadt – entgegen der Vorhersage, dass mit einer Einbuße von einem Drittel zu rechnen sei. Doch konnte der Umsatz laut Ober seit 2022 nicht mehr gesteigert werden. Deshalb konnten auch die erheblichen Kostensteigerungen nicht aufgefangen werden. Der Geschäftsführer wies darauf hin: In den vergangenen vier Jahren seien die Lebensmittelpreise um 27 Prozent und der gesetzliche Mindestlohn um 30 Prozent gestiegen. Der Mindestlohn erhöht sich aktuell um weitere 8,4 Prozent.

Dank an die Beteiligten

Ralph Ober versicherte, dass alle Rechnungen und Löhne begleichen werden. Die fest angestellten Mitarbeiterinnen haben bereits neue Beschäftigungsperspektiven erhalten, teilte er mit. Ober dankte der Kundschaft und vor allem den ehrenamtlichen Helfern und Spendern, ohne die unser Bürgerladen nicht möglich gewesen wäre.

Kritik an der Kommunikation

Seit etlichen Jahren helfen Waltraud Meinecke, Vera Meyer, Silke Hibbeln, Sabine Bartels und Bruno-Heinz Weber mit, am Mittwoch die neu gelieferte Ware einzuräumen. Renate Czekalla versieht schon seit elf Jahren ihren freiwilligen Dienst. Sie sind jetzt frustriert, weil die Entscheidung ihrer Meinung nach im „stillen Kämmerlein“ getroffen und erst kurzfristig bekannt gegeben wurde. „Bis zuletzt wurden die schon länger kursierenden Gerüchte bestritten“, kritisierte Renate Czekalla. Waltraud Meinecke und Vera Meyer hätten ebenfalls gern früher davon gewusst. „Auch in der Vergangenheit gab es mal eine schwierige Phase, da wurde bei einer Informationsveranstaltung offen darüber berichtet“, meinten sie.

Starker Zusammenhalt im Team

Die ehrenamtlichen Kräfte berichteten von einem guten Zusammenhalt, man habe sich aufeinander verlassen können. Sie haben sich über eine WhatsApp-Gruppe ausgetauscht und mitgeteilt, wenn jemand kurzfristig einspringen musste. „Die Arbeit hat mir Spaß gemacht, auch wenn ich von der Schlepperei manchmal kaputt war“, sagte Waltraud Meinecke. Der ehrenamtliche Einsatz wurde auch anerkannt. „2023 haben wir alle von der Rewe-Firmengruppe alle 100 Euro und einen Reisegutschein erhalten“, erzählte sie. „Die Fahrt nach Berlin haben gemeinsam unternommen und dort eine schöne Zeit gehabt.“

Sorgen um die soziale Nahversorgung

Für die Helferinnen ist die jetzige Entscheidung über die Schließung unverständlich. Der LiLi-Markt sei doch ursprünglich gedacht gewesen, um die Versorgung mit Lebensmitteln zu sichern und den sozialen Zusammenhalt in Lipperreihe zu stärken. „Mir tun die alten Leute und alle anderen leid, die nicht so mobil sind“, meinte Renate Czekalla.

Nach elf Jahren wird der LiLi-Markt für die Nahversorgung in Lipperreihe beendet. Der 20.2.2026 wird der letzte Verkaufstag sein. Foto: Archiv kd)
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